China Teil II

Oh Ihr arme Leser, das gibt wieder ein langer Blogeintrag. Also zuerst einmal kurz rein schauen, ob es sich lohnt, bevor man den Print Button (Druckknopf ?) drückt. Es sind aber auch 70 Fotos dabei, also, vielleicht können Sie es trotzdem genießen.

In Xining, in der Mitte von China geht es nun weiter, ohne meinen jungen, chinesischen Weggefährten, dafür wieder mit mehr Freiheiten.

Die Fahrt aus dieser großen Stadt war schrecklich, der Verkehr, der Lärm, die Autofahrer, der Staub, alles. Nachdem ich die Stadt hinter mir hatte, was es etwas besser. Trotzdem, ich war dummerweise auf der Hauptverbindungstrasse zwischen Xining (Hauptstadt der Provinz Qinghai) und Lanzhou (Hauptstadt der Provinz Gansu). Wenigstens kam ich entlang dem Gelben Fluss, der nicht gerade gelb war, schnell vorwärts.

Hier hat man ein schönes Beispiel der Straßenbaukunst der Chinesen. Das Tal ist zu schmal für eine Autobahn, darum hat man einen Teil über dem Fluss gebaut.

Lanzhou wollte ich mir ersparen und bin nach Süden abgebogen. Endlich Ruhe, dafür aber auch Berge, 20km nur bergauf. Über den ersten Pass drüber und wieder ein Stück den Berg runter, stand ich auf einmal vor einem mächtigen Wasserfall. Unglaublich wie viel Wasser von einem Teil des Gelben Flusses da in die Schlucht stürzte:
Alles war feucht und im Nebel, ein fantastisches Spektakel in der Nähe der Stadt Xiaquan.

Danach habe ich irgendwie meine Straße, die G213, verloren. Ich fragte nach dem Weg nach Linxia, der nächst größeren Stadt. Mein Glück, dass ich es halbwegs richtig aussprechen konnte, so dass mein Fingerzeig in eine Richtung mit „Linxia“ richtig verstanden wurde. Die Anwohner schickten mich auf eine abenteuerliche Strecke, auf  kleinen Weg über Berge und durch Schluchten, teilweise nicht geteert. Es hat mir sehr gut gefallen und da jeder den ich fragte, kräftig genickt hatte, ging ich davon aus, das ist schon OK so. Und wieder wurde ich von einem Gewässer überrascht.

Ein paar Autos standen in einer Reihe, als ob sie auf eine Fähre warten. Ich holte mein „Bilderbuch“ und deutete auf das Bild „Fähre“. Jeder nickte, einer konnte sogar so viel Englisch, dass er mir die Uhrzeit sagen konnte, es war noch eine halbe Stunde. Zuerst dachte ich es handelt sich um einen See und überlegte kurz, ob ich darum herum fahren soll. Da ich Fähren mag, entschied ich mich anders. Mein Glück, denn wie es sich heraus stellte, war es kein See sondern eine Ausbuchtung des Gelben Flusses. Da hätte ich lange darum herum fahren können. Alles war wunderschön, die Landschaft, der Fluss, leider haben die Leute hier wenig Verständnis dafür. Alles wird nur ins Wasser geworfen, überall schwimmt Müll. Sehr schade, ansonsten wäre es hier sehr paradiesisch.

Das „Entladen“ hat sehr lange gedauert. Bei einer der letzten Fähren ist ein LKW halb im Wasser gelandet und so stecken geblieben, dass unsere Fahre nicht richtig anlegen konnte.

Was soll’s, hier hat die asiatische Gelassenheit eine positive Auswirkung.

Nochmals über einen Berg und ich war tatsächlich in Linxia, einer größeren Stadt, wo ich auch wieder auf meiner Straße, die G213, landete. Es hat sich herausgestellt, dass meine Strecke fast 40 km kürzer war und sicherlich bei Weitem schöner und interessanter.

Bevor Ghin und ich uns verabschiedeten, habe ich ihn gebeten, ein paar Notizen auf chinesisch für mich aufzuschreiben: wer ich bin, woher ich komme, dass ich mit dem Fahrrad um die Welt fahre und ob hier ein Platz ist, wo ich mein Zelt aufstellen kann.Mal davon abgesehen, dass ich feststellte, dass ein großer Teil in manchen ländlichen Gebieten überhaupt nicht lesen kann und ich auf mein „Bilderbuch“ zurückgriff, war es Gold wert. Meistens wurde mir gleich beim ersten Haus ein Platz angeboten, wie hier bei der moslemischen Familie (das ist nur ein kleiner Teil davon, die die sich fotografieren lassen wollten) hinter Linxia.

Hier ist mir ein Fauxpas passiert, was mir sehr Leid tat und ich mich nicht dafür entschuldigen konnte. Zuerst bekam ich Wasser, dass ich mich waschen konnte, Sauberkeit ist sehr wichtig bei den Moslems, dann habe ich mein Zelt aufgebaut und bekam heißes Wasser für meine Instant Noodles. Den anderen habe ich Bonbons verteilt, nur die Kindern nahmen davon. Später haben die Frauen angefangen zu kochen und nach Sonnenuntergang wurde gegessen, wozu ich auch eingeladen wurden. Da viel mir ein, es ist Ramadan! Mist, ich hätte das respektieren sollen und nicht schon vorher essen! Ich hätte mich gerne dafür entschuldigt, konnte mich aber nicht erklären. Ich hatte aber auch nicht den Eindruck, als ob sie mir böse gewesen wären.

Zum Frühstück waren die anderen zwischen 3 und 4 Uhr wach. Ich nicht. Etwas abseits habe ich später gegessen, nicht direkt vor ihren Augen.

Am Anfang des Tales war hauptsächlich Moslemisch, überall waren Minarette im chinesischen Stil. Später wurde es bunter, buddhistischer. Es gab hier immer mehr Tibeter mit ihren langen Mäntel und roter Schärpe.
Auf dem Weg nach Hezuo, einer buddhistischen Hochburg, waren Pilger unterwegs. Ihre Fortbewegungsart: 3 Schritte gehen, knien, und flach auf der Straße ausgestreckt, Arme nach vorne. Und das bei starkem Verkehr. Die müssen ganz schön Gottvertrauen haben.

Gerade als es mal wieder den Berg hoch ging, hielt ein Auto vor mir, ein Mann stieg aus, machte Photos von mir. So was kann ich ja leiden! Bevor ich zum Schimpfen angefangen hatte, merkte ich die professionelle Kamera. Tatsächlich, er war ein Profi, kam aus einer Stadt nördlich von Shanghai und sprach sehr gut Englisch. Als er wieder einstieg brummelte ich so vor mich hin, nächstes mal bitte was zum Trinken. Ich denke nicht, dass er das gehört und verstanden hatte. Wahrscheinlich waren die Fotos nicht gut genug, denn er stieg wieder aus mit einer Flasche Wasser, machte noch ein paar Fotos, holte aus dem Kofferraum zwei Dosen Red Bull und eine Art Hefezopf. Prima, so lass ich mich doch gerne fotografieren :-).

In Hezuo gibt es eines der größten Klöster und Tempel. Zu dem Kloster gehört der neunstöckige Milarepa Turm. ursprünglich ca 1777 erbaut wurde er während der Kulturrevolution zerstört und ca 1988 wieder aufgebaut. Auch heute noch ist Vieles Baustelle.

Nach Hezuo bin ich nach Osten abgebogen. Der nächste Abschnitt war fast paradiesisch. Auf einer absolut neuen Straße, mit so gut wie keinem Verkehr, ging es durch eine hügelige Landschaft, die mich teilweise wieder an die Mongolei erinnerte. Das ganze Gebiet ist weitgehend von Tibetern besiedelt.

Diese Frau hat mich total fasziniert.
Ihr Leben ist sicherlich nicht einfach. Ich möchte nicht wissen, wie viel der Korb auf ihrem Rücken wiegt. Trotzdem ging so ein Strahlen von ihrem Gesicht aus.
Dann änderte sich die Landschaft und Leute, es kamen Reisterrassen und später Getreidefelder, keine Tibeter mehr. Schade, es sind sehr nette, gastfreundliche Leute.
Die Ernte war im vollem Gange. Von frühmorgens bis spät abends wurde gearbeitet. Das ganze Getreide war auf der Straße ausgebreitet.
Wahrscheinlich zum Trocknen und wenn genug Autos darüber gefahren sind, erspart man sich das Dreschen. Am Anfang ist es ja noch ganz spaßig da durch zu fahren. Nach 10km wird es einfach lästig, man kommt kaum vorwärts. Ich war dann ganz froh als ich in Minxian und auf einer größeren Straße (G212) war. Sofort wurde ich von einem jungen Radfahrer in sehr gutem Englisch angesprochen. Er fragte, ob er mich ein Stück begleiten könne. So kam ich wieder in den Genuss von „Insiderwissen“ über beste Wege, Plätze und Märkte.

Auf Hinterwegen ging es aus der Stadt heraus, immer leicht bergauf, entlang einem Fluss. Langsam wurde ich hungrig und müde und wollte eine Pause machen. Ollie meinte, in der nächsten Stadt könne man gut etwas zum Essen kaufen, also weiter. Es zog sich ganz schön hin und ich wurde wieder sehr ungeduldig. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich schon lange eine Pause gemacht.
Dann endlich die Stadt. So gut konnte man hier auch nicht etwas zum Essen kaufen und Pause wollte er immer noch nicht machen. Er meinte, nur noch ein kleines Stück weiter, dann würde ein schöner Platz kommen für ein Picknick. Schon leicht genervt fuhr ich weiter. Als wir dann angekommen waren, musste ich ihm doch recht geben. Es war ein wunderschöner Platz, die Wasserscheide vom Yangtse und Yellow River.
Von hier oben hatte man eine fantastische Aussicht. Wirklich ein nettes Plätzchen für ein Picknick. Doch gut, wenn man mit einem Einheimischen dabei hat.

Hier haben wir uns verabschiedet, er musste wieder zurück und für mich ging es 50-60 km bergab, in das Tal des Bailong Flusses.
Hier war ein total anderes Klima, sehr warm und feucht, ich war ungefähr 1000m tiefer als Tags zuvor. Trotzdem, es war noch erträglich, überhaupt da es sehr schön durch Schluchten ging und die interessanten Felsformationen von jeglichem Übel ablenkten.
Als ich in Tanchang angekommen war, war ich müde, wollte duschen, Kleider waschen und einfach meine Ruhe. Deswegen suchte ich mir ein Hotel. Und wieder wurde ich mit dem „Keine Touristen hier“ konfrontiert. Das macht hier wirklich kein Spaß. Ich wurde in einen großen Hotelkomplex geschickt, sehr luxuriös und für chinesische Verhältnisse (für meine auch) sehr teuer. Ich fragte mich, wann ein Hotel das recht hat sich „international“ zu nennen. Außer dass es doppelt so teuer war, wie das erste, das ich aufgesucht hatte, unterschieden sie sich in nichts, es wird nicht einmal Englisch gesprochen, es hat kein WiFi und der Service ist auch nicht gerade freundlich, zugegeben, ich war es auch nicht, ich war einfach nur genervt, wie oben erwähnt, ich war müde und wollte meine Ruhe.
Solche Lokalitäten, wo ich mich so unwohl fühle, verlasse ich sehr früh am nächsten Morgen und bin ich der Regel immer noch schlecht gelaunt. So früh war es noch schön kühl und kaum Verkehr. Der wurde leider im Laufe des Tages immer stärker. Nachdem mir Ollie erzählt hat, dass man in der Fahrschule lernt zu hupen, bevor man überholt, bin ich über jeden dankbar, der dies nicht tut. Außerdem glaube ich nicht, dass man gesagt bekommt, man soll 5 sec hupen und dass das das Bremsen erspart.

Am nächsten Abend kam alles ganz anders und ich wurde für die Unannehmlichkeiten vom vorigen Tag versöhnt.
Es war 5Uhr am Nachmittag, als ich in Wudu angekommen bin. Auf meiner Karte nur als kleiner Ort eingezeichnet, entpuppte es sich als große und sehr moderne Stadt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hielt an und überlegte, was ich tun sollte. Ich hatte absolut keine Lust auf ein Hotel und es sah nicht so aus, als ob in nächster Zeit was zum Zelten käme. Da wurde ich von zwei „älteren“ Radfahrern abgefangen, die haben gleich den Rest des Fahrradclubs herbei gerufen. Einer sprach recht gut Englisch. Mein erster Eindruck von ihm war nicht der Beste, denn er meinte, die Strecke, die ich hinter Wudu fahren wollte, wäre zu schwierig! Nur weil es nicht geteert ist, heißt es noch lange nicht, dass ich es nicht fahren kann. Es war aber nur der erste Eindruck, später entpuppte Long Wen sich als sehr nett.

Es war Sonntag, der 12. August, Tag des Olympischen Mountainbikerennen. Ich wurde eingeladen, mit ihnen das Rennen in ihrer Stammkneipe anzuschauen. Zuvor wurde ich noch zum Essen eingeladen.
Hier im „Awakening Outdoor Club“ traf sich der ganze Fahrradclub. Der Besitzer, selber aktiver Fahrradfahrer und Musiker untermalte die Übertragung des Rennens mit Live Musik.
Was für ein netter Abend mit lauter netten Leuten und viel Bier, auch wenn die Deutschen nicht gut abgeschnitten hatten.

Übernachten konnte ich in einem Long Wen’s Abstellraum umgeben von lauter Fahrrädern. Am nächsten Morgen, für das, dass es am Abend vorher sehr spät wurde, sehr früh, begleitete mich ein Großteil der Truppe aus der Stadt heraus, bis zur Abzweigung zur „schrecklichen Strecke“. Drei fuhren noch ein paar Kilometer weiter, zwei verabschiedeten sich nach ein paar Kilometer, dann blieb nur noch einer übrig, Long Wen, ausgerechnet der, der meinte, die Strecke sei zu schwierig. Er ist sie anscheinend erst vor einem Monat gefahren und hat sich damals gesagt, niemals wieder. Und dann kam ich, er hatte gerade Zeit, wollte wieder auf Tour und schwuppdiwupp ist er wieder auf der Strecke. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt wieder eine Begleitung wollte. Dann war es doch wieder sehr nett, mit Reibungspunkte natürlich, aber sehr interessant.

Der erste Abschnitt neu geteert, sehr steil, aber auch sehr schön, eine kleine Straße, die sich da den Berg hoch schlängelte.
Auch die wunderbare Abfahrt war noch geteert, dann war Schluss mit lustig. Es war nicht nur eine Schotterpiste, sondern auch eine riesige Baustelle für die neue Autobahn, die durch das Tal und die Berge gebaut wird, sehr unangenehm, viele Lkws waren unterwegs und alles war sehr staubig. Teilweise hat die Strecke so wie bei dem Mountainbike Rennen ausgesehen.

Richtig lustig wurde es am folgenden Tag, als es geregnet hatte. Im Gegensatz zu Ghin war Wen ein Frühaufsteher, jetzt war ich beinahe diejenige, die Morgens angetrieben wurde. Mir war es aber nur recht. Überhaupt heute. Kaum hatten wir zusammengepackt (wir hatten abseits an einem Haus gezeltet) und fuhren los, hat es angefangen zu regnen, ich war froh, dass ich mein Zelt schon trocken eingepackt hatte.

Es war nicht mehr der Staub, der uns plagte, sondern der Matsch.

Immer wieder konnte man an den steilen Hängen Bauernhäuser entdecken. Auf den gleichen Hängen wurde auch Mais und Reis angebaut. Kein Weg führte dorthin. Mir war schleierhaft, wie man dort all die Güter transportieren konnte, bis uns dieser Junge entgegen kam.

Es war vielleicht für ihn auf dem Pferd ein bisschen einfacher, als für uns, er war aber mindestens genau so nass.
Nicht nur uns setzte das Wetter zu, sondern auch unseren Bremsen, sehr unangenehm. Ich konnte meine nachstellen, Wen hatte ist auf die „Fußbremse“ umgestiegen, sah sehr abenteuerlich aus.

Überhaupt wenn wir in der Nähe einer Baustelle für die neue Autobahn war, war es besonders schrecklich. Ansonsten war die Gegend sehr schön, die Baustelle verschandelte alles. Wen hat mir erzählt, früher sah man in den Wäldern Affen und Pandas. Seit die Straße gebaut wird und der Fluss so verschmutzt ist, sind alle verschwunden. Im Rest der Welt wären Umweltschützer zugegen, überall würden Plakate hängen, wären Demonstrationen, Protestaktionen und Forest Camps, aber nicht hier in China. Meiner Meinung nach sind Gründe dafür Angst vor Repression und die allgemeine Auffassung, man kann eh nichts machen, egal was es ist. Mund halten und im Stillen alles ertragen. Es hat seine Gründe, warum Facebook, jegliche Blogs, Twitter etc in China gesperrt sind. Chinesen könnten mitbekommen, was im Rest der Welt los ist. Nur eine geringe Minderheit war jemals im Ausland, viele haben noch nicht mal einen Ausländer gesehen.

Hier möchte ich etwas einfügen was ich im letzten Blogeintrag vergessen hatte. Am letzten Abend mit Ghin kamen wir zu einem Naturpark. Es waren dort einige Soldaten als Feuerwehrmänner stationiert. Als sie mich sahen, sind sie total ausgerastet, sie hatten vorher noch nie einen Ausländer gesehen! Wir sprechen hier von erwachsenen Männer, die sich schlimmer als kleine Kinder benommen hatten. Alles sind um mich herumgehüpft und wollten alles betatschen.

Auf meiner Reise habe ich in den verschiedensten Länder chinesische Bauarbeiter, vor allem im Straßenbau gesehen. Nur glaube ich nicht, dass sie viel von dem Land mitbekommen.

So zurück zu unserer Matschpiste.

Man kann sich sicherlich vorstellen, wie alles dreckig und verspritzt war. Wen, ohne seine Schutzbleche, sah fantastisch aus, Dreck bis hinter die Ohren.

Nach 56km kam wieder Teer und kurz danach einen Platz, wo man Autos waschen konnte. Hier wurde gleich alles gesäubert vor allem die Kette, die hat schwer gelitten und sollte noch ein paar Kilometer halten.
Um auch unsere Kleider zu waschen wollten wir im nächsten Ort in ein Hotel. Zuerst mussten Wen’s Bremsen repariert werden, die Fußbremsmethode wollte ich mir nicht mehr länger anschauen. Ein Mechaniker hat sich schnell auftreiben lassen und hat trotz später Stunde sich den Bremsen angenommen. In dem kleinen Ort erregten wir einiges Aufsehen, auch die Polizei war gleich zugegen. Sie lud uns ein, bei ihnen im Garten zu zelten. Sie hätten auch eine heiße Dusche, wo wir auch unsere Kleider waschen könnten. Das hörte sich ja schon gut an, aber es kam noch besser: der Garten war praktisch ein Park, mit wahrscheinlich dem besten Blick über den Bailongsee. Geschützt in einem Pavillon konnten wir unsere Zelte aufstellen.

Ging es uns mal wieder gut.

Bei der Fahrt entlang des Sees am nächsten Tag, konnte ich noch am Anfang das Panorama mit See genießen.
Nach 50km hatte ich von dem ewigen Auf und Ab und Hin und Her genug. Ich hatte das Gefühl, wir würden überhaupt nicht vorwärts kommen. Nach einigen weiteren Kilometern hatten wir es geschafft, es ging dann gemächlich am Bataillon Fluss entlang. Kurz darauf kamen wir nach Guangyuan. AM 12. Mai 2008 war hier das große Erdbeben. Heute ist fast alles wieder neu aufgebaut, ein paar Häuser wurden halb zerfallen, mit Gedenktafeln versehen, stehen gelassen.

Mittlerweile waren wir in der Provinz Sichuan. Den Bauern hier scheint es viel besser zu gehen, als in Gansu. Sofort fällt einem auf, die Häuser sind besser, größer, moderner. Als wir am Abend unsere Zelte vor einem Bauernhaus aufstellen durften, wurde ich hereingebeten um mich zu waschen. Wie üblich bei Bauern hatte ich eigentlich mit einem Eimer mit Wasser gerechnet. Weit gefehlt, es war eine sehr moderne Wohnung, das Badezimmer hatte eine richtige Dusche, sogar mit Warmwasser. Die war auch nötig. Es war sehr heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Kühe, die die Yaks in den Bergen abgelöst hatten, wurden hier durch Wasserbüffel ersetzt.

Wen war Geschichtslehrer, so hatte er seine speziellen Ziele, die er sehen wollte. An einem Tag wollte er unbedingt noch Langzhong erreichen. Es war schon dunkel als wir die 314 v.Chr. gegründete Stadt erreicht hatten. Mir hatte es eigentlich gereicht, ich wäre am Liebsten ins nächste Hotel, aber Wen wollte weiter in die Altstadt.
Ich wurde mal wieder ungeduldig, meinte, wir sehen ja eh nichts mehr. Außerdem war ich müde. Er wollte aber in die Altstadt in eines der Hotels im alten chinesischen Stil.

Als wir dann sein Ziel erreicht hatten, musste ich ihm recht geben. Es war wirklich was besonderes.
Es war sogar günstig und auch Ausländer dürfen dort übernachten. Auch ich habe sogar noch in der Nacht eine Tour durch die Stadt gemacht. Allerdings wurden die meisten Läden gerade geschlossen. Wen’s Englisch war nicht gut genug, um mir alles über die Stadt zu sagen. So habe ich es einfach genossen und es später bei Wikipedia nachgelesen.

Am nächsten Morgen, waren die Geschäfte immer noch zu.
Trotzdem, es war eine fantastische Stimmung und vor allem noch schön kühl.

Je mehr wir uns der Mega Stadt Chongquin näherten, desto heißer wurde es. Auch nachts kühlte es nicht ab, wir waren uns einig in Zukunft im Hotel zu übernachten. Tagsüber wollte Wen nicht mehr. Da ich mich weigerte, mit dem Bus weiter zu fahren, hielt er Autos an. Es haben sogar welche gehalten. D.h. vor Chonguin sind wir nur noch halbtags gefahren. War mir auch recht. Die Straßen wurden immer größer und komplizierter.

Es wurde immer schwieriger unseren Weg zu finden. Wen versuchte mich mit seinem iPhone durchzulotsen. Einige Male mussten wir wieder umdrehen. Gegen Ende war auch der Verkehr und die Hitze wieder so stark, dass ich froh war im Auto zu sitzen.
Allerdings war ich doch sehr erstaunt, als wir mitten in der Stadt waren. Trotz des Verkehrs war es so schön ruhig, keiner hupte, das war verboten. Anscheinend kommen die Chinesen doch noch darauf, dass es auch ohne geht. Hupen ist sowieso keine Lösung für die Zukunft, wenn es immer mehr Autos gibt. Bremsen ist wirklich manchmal angebrachter.

Nach einer Stunde hatten wir endlich das Hostel gefunden, das Wen für uns gebucht hatte. Es war eine normale Jugendherberge mit „normalen“ Toiletten. Anscheinend für einige Chinesen noch nicht so normal.
Da es wieder gnadenlos heiß war und Wen am Nachmittag mit dem Zug zurück fahren musste, sind wir mit dem Taxi zum Zusammenfluss vom Jialing und Yangtze Fluss gefahren von der einen Seite kommt ein halbwegs klarer Fluss, Jialing, von der anderen Seite der Yangtze, braun. Viel zu heiß, um sich länger dort aufzuhalten. Langsam mussten wir uns verabschieden. Er wollte und musste zurück zu seiner Familie und Freundin, andererseits wollte er auch noch gerne weiter fahren. Er hat mir versprochen, sobald Tibet wieder für Ausländer offen ist, schickt er mir eine Mail, dann fahren wir zusammen nach Lhasa. Mal sehen.

Ich stand vor dem Problem am nächsten Tag alleine aus der Stadt zu finden, ohne iPhone, GPS, Karte, etc. Was hätte ich ohne google maps gemacht! Dort habe ich meine Route geplant und ausgedruckt. So war es dann gar nicht so schwierig.

Am Ausgang der Stadt sah ich dieses Fahrzeug:
Kann es jeder lesen? MINI BUS steht auf dem Tank. Wohl war. Es ist unglaublich, wie viele Personen man darauf unterbringen kann. 5-6 Leute? Kein Problem.

Nach 20km war ich aus der Stadt, nach 30km wurde es sehr schön, entlang von Flüssen mit vielen heißen Quellen, nach 40km war ich in den Bergen. Mein Glück, dass es nicht mehr so heiß war. Ich zeltete wieder an einem Bauernhaus. Am nächsten Morgen war jeder früh wach. Der junge Vater saß, wie ich es schon so oft gesehen hatte, mit seinem kleinen Kind zwischen den Beinen, der bloße Hintern hing so runter und der Mann machte sanfte Pfeiffgeräusche, was den Urinfluß des Kindes fördern sollte. Das gehört zum Morgenritual junger Väter, was sie mit einem Stolz und Engelsgeduld betreiben, bis das Geschäft erledigt ist.

Für mich ging es dann richtig in die Berge. Auch hier gibt es natürlich auch eine Autobahn. Die geht eben durch die Landschaft, mal über Brücken, mal durch Tunnel, mal weit unter mir, dann wieder weit über mir. Arme Autofahrer, bekommen kaum etwas von der Landschaft mit.
Dann kam ich in die Provinz Guizhou. Irgendwo habe ich gelesen, in Guizhou gibt es keine 3 Fuß Ebene, keine 3 Tage ohne Regen und keine 3 Leute mit 3 Yuan in der Tasche. Dem ersten konnte ich sofort zustimmen. Ob ich die Strecke gewählt hätte, wenn ich es vorher gewusst hätte? Manchmal ist es ganz gut, wenn man vorher nicht alles weiß. Schon lange habe ich keinen anderen Radreisenden mehr gesehen. Zwischen Schlucht und Berg gab es kaum Platz zum Zelten.

Sehr genießen konnte ich die steile Berge trotz schöner Aussicht nicht. Wieder einmal saß mir die Visaverlängerung im Nacken. Die 30 Tage von der ersten Verlängerung waren zwar noch nicht vorbei, aber zu viele Geschichten habe ich gehört, dass ich, falls ich keine zweite Verlängerung bekommen sollte, dies möglichst früh wissen wollte. (Man bekommt eine Verlängerung nur für 30 Tage und die Verlängerung gilt ab dem Zeitpunkt der Ausstellung der Verlängerung, nicht, wenn die erste Frist abgelaufen ist.) Und es kam wieder eine Wochenende. Ich wusste, wenn ich bis am Nachmittag (Donnerstag)  nicht in Zunyi bin, kann es sein, dass ich dort ganz schön lange bleiben muss. Also habe ich ein Auto gestoppt, gerade bevor es 7 km wieder steil bergauf ging (das war mir vorher aber noch nicht so bewusst.) Der Fahrer hielt oben, dass ich richtig die Aussicht genießen konnte.
Auch bergab blieb ich im Auto. Das viele Bremsen gefiel meinen Handgelenken überhaupt nicht. So habe ich es dann tatsächlich bis 4 Uhr am Donnerstag Nachmittag nach Zunyi geschafft. Da mir Ghin die chinesischen Schriftzeichen für PSB (Public Security Bureau = Polizei) aufgeschrieben hatte, habe ich es auch schnell gefunden.

Sehr nett wurde ich von ein paar Beamten empfangen, die auf einmal einen leicht nervösen Eindruck machen. Ein junger Fotograf, der Englisch Sprach wurde herbei gerufen, ein sehr netter junger Mann. Sie füllten gleich alle Formulare für mich aus, und meinten, das wäre es jetzt, ich hätte ja noch 5 Tage Zeit. Ich wollte die Visaverlängerung jetzt im Pass haben, dass ich dann ein paar Tage verliere, war mir egal, ich brauchte keine 30 Tage mehr bis nach Hongkong. Dazu war es jetzt zu spät, wir mussten dazu in ein anderes PSB. Sie brachten mich in ein luxuriöses Hotel in der Nähe, die Beamtin hat einen guten Preis für mich ausgehandelt und versprach, sie holt mich am nächsten Morgen 9:30 hier ab. Der Fotograf meinte noch, ob ich seinen Kollegen, Journalisten, ein Interview geben würde, sie wären an meiner Geschichte interessiert. Natürlich, meinte ich.

Ich hatte alles gepackt und ausgecheckt, als sie kamen. So gut wie das am Vortag gelaufen ist, ging ich davon aus, dass ich die Verlängerung bis Mittag haben werde und gleich weiter fahren kann.

Zuerst ging es in das PSB, wo ich gestern schon war. Dort warteten schon 2 Kameramänner und eine Journalistin. Dazu kam noch die Nichte einer Beamtin als Dolmetscherin. Dann wurde ich gefragt ob ich eine Bestätigung der Bank hätte mit dem Geld. Nein, das hatte ich nicht, ich hoffte diesmal geht es weniger kompliziert. Wohlweislich habe ich aber das Geld nicht angerührt.

Also ging die ganze Delegation, 2 PSB Beamte, 2 Kameramänner, 1 Fotograf, 1 Journalistin, 1 Dolmetscherin und ich zur „Bank of China“.
Diesmal ging es sehr flott, nicht nur da ich das Konto mit dem Betrag schon hatte. Dank der Beamtin und der Kameramänner, musste ich nirgends warten, an jedem Schalter wurde ich, beziehungsweise meine Helfer, vorgelassen. Ich hatte praktisch nichts zu tun als nett zu lächeln „Nihau“ (Guten Tag) und „Shei shei“ (Danke) zu sagen. Das war sowieso schon mein ganzer Chinesischer Wortschatz, der auch von meinem Gegenüber verstanden wurde.

Mit der Bestätigung in der Hand, ging es quer durch die ganze Stadt zu dem PSB, wo die Verlängerung ausgestellt werden konnte. Dort lief es ähnlich ab. Kaum zu glauben, wie schnell alles vor einer laufenden Kamera gehen kann. Mir wurde gesagt, normaler Weise dauert das 5 Tage. Ich hatte sie in 2 Stunden!!
Während der zwei Stunden wurde ich von der Journalisten interviewt, auch vor laufender Kamera. Es würde am Abend oder nächsten Tag im Fernsehen laufen. Nu denn…

Es war gerade Mittagszeit, als ich meinen Pass mit dem ersehnten Eintrag bekommen hatte. Zur Feier wurde die ich zum Mittagessen eingeladen.
„Hot Pot“ extra für mich nicht scharf (wenn sie allerdings die Peperoni weglassen, merkt man, dass sie kaum salzen. Es wurde mir gesagt, salzen ist Sache des Kochs. Man fragt nicht nach Salz, denn damit würde man dem Koch seine Unfähigkeit zeigen.)

So kann es auch gehen! Wenn sich Chinesen um einen kümmern, dann mit „Haut und Haaren“, dann gibt es kein entrinnen mehr. Sie geben nicht auf, bis alles erledigt ist. Äußerst nett.
In der Zwischenzeit hatte ich viel über die Stadt gehört und beschloss, doch noch einen Nacht hier zu verbringen. Als das Mittagessen vorbei war, war es auch schon sehr spät und da sie so stolz auf ihre Geschichte waren und ich ihnen über ihre Hilfe so dankbar, blieb ich. Sie brachten mich dann direkt zum historischen Teil.
In der Zunyi-Conference wurde die Rote Armee Fraktion und Mao Zedung manifestiert, darum ist die Stadt Pilgerstätte für viele Chinesen. Hier lernte ich, dass Mao einen deutschen Militärberater hatte, Otto Braun. An dem Tag war ich allerdings die einzige Westliche. Es gibt auch nur Informationsmaterial auf Chinesisch, keiner spricht Englisch.
Ansonsten sieht man einige verschiedene ethnische Gruppen und Darbietungen. Auch wenn man nicht viel versteht, es lohnt sich wirklich die Stadt anzuschauen.
Zum Beispiel kann man auch außerhalb der historischen Altstadt sehen, wie man die ewig scharfe Paste macht.

Da mein Fahrrad immer noch am PSB Nummer 1 stand, bin ich dahin zurück. Ich wusste, meine bis dahin treue Betreuerin wird nicht da sein, aber sie meinte, es wären andere Beamten da, wenn noch was wäre. Da war ja schon noch was, ich brauchte ja noch eine Unterkunft. Es war gerade Feierabende, viele Leute verließen das Gebäude, alle blieben natürlich bei mir stehen. Ein Polizist organisierte mir durch ein paar Telefonate eine kostenlose Übernachtung in einem Hotel. Ich sollte auf ein Polizeiauto warten, das mich dorthin bringt. Während dessen wurde ich von einem anderen Beamten in die Kantine zum Abendessen eingeladen. Zum Glück sind gerade meine Lippen in Ordnung, sonst hätte ich wahrscheinlich laut aufgeschrien, so scharf war das.

Dem Blaulicht folgte ich dann quer durch die Stadt. Wenn ich gratis eine Unterkunft bekomme, ist mir eigentlich alles recht. Mit so etwas hatte ich aber nicht gerechnet. Das war die absolut luxuriöseste Suite, die ich jemals hatte, alles sehr sauber und neu. Das war wirklich mein absoluter Glückstag.

Verständlich, dass ich am nächsten Tag nicht aufstehen wollte, geschweige denn mein nobles Zimmer verlassen.

Auch weiterhin war es noch sehr bergig, durch viele Reisterrassen, Maisfelder, alles wurde gerade geentert.
Am Abend wurde ich zu einem Leichenschmaus eingeladen. Das ganze Dorf hat sich versammelt. Mir taten die Angehörigen leid, ich dachte durch mich wurde die Veranstaltung zu lustig.

Ich habe glaub schon mehrfach die Kleinkinder mit ihren offenen Hosen erwähnt. Hier ein Prachtexemplar:
So können sie ungehindert überall ihr Geschäft erledigen. Ich glaube, die Mutter hat es schon im Griff, dass es nicht gerade auf ihrem Rücken passiert.
Immer wieder werden die Berge durch Flüsse unterbrochen.
Leider ist alles viel zu steil. Seit Tagen kroch ich meistens mit nur 5 km/h den Berg hoch. Langsam hatte ich genug.
Die Raube war wahrscheinlich schneller. Die Abfahrten waren verhältnismäßig kurz, deren Genuss wog nicht die Strapazen auf.

Wenigstens gab es ab und zu eine Abwechslung, wie hier die Peperoni, die in Massen „produziert“.
Sie kommen nicht erst in Kisten, sondern werden direkt tonnenweise in den Lastwagen gefüllt.

Hinter dem nächsten Berg war ein Beerdigungsumzug. Das hört man schon von Weitem.
Auf dem Bild sieht man noch den Rauch von den „Chinakrachern“, wie wir sie früher nannten, heute sagt man glaub nur noch Böller dazu. Auch Trommeln und Tröten sind dabei. Mit dem Sarg wird ein Papiertier, Lama oder ähnliches getragen. Alle sind wie in Partystimmung.
Was mich am meisten fasziniert hat, war die Vielfalt der verschiedenen ethnischen Gruppen.
In jedem Tal, auf jedem Berg sieht man verschiedene Trachten und Häuser. Diese Leute waren auch sehr angenehm. Waren sehr hilfsbereit, ließen mich aber ansonsten in Ruhe, hüpften nicht um mich herum, stierten mich nicht stundenlang an, betatschten nicht meine ganzen Sachen.
Dann endlich kam ich zum Duliu Fluss. Nach Wochen auf und abs hoffte ich von hier aus ein paar Kilometer machen zu können, zügiger vorwärts zu kommen. Was mich dann erwartete war der große Frust: eine  Baustelle! Große Steine, kaum fahrbar. War ich frustriert. Endlich könnte ich ein bisschen schneller fahren, aber leider wurde ich von den Steinen ausgebremst. Es hat auch einen besonders genialen Effekt, wenn zu dem Schweiß auf der Haut noch Staub und Dreck dazu kommen. Immer öfter suchte ich Abends ein Hotel auf. Zum Glück war mir zu diesem Zeitpunkt das ganze Ausmaß der Katastrophe bewusst. Ich sagte mir immer wieder, ich muss hier ja nur einmal durch, die, die hier wohnen, müssen täglich durch.

Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich einen Radfahrer mir entgegen kommen sah. Das war so nach den schlimmsten 25km. Er meinte, es würde so noch 200km weiter gehen – ganz ruhig bleiben! -.
Als ich weiter fuhr merkte ich, so schlimm werden ich nächsten 200km auch nicht. An der Stelle, wo ich den Radler getroffen hatte, war das schlimmste Geröll zu Ende, die alte Straße war weitgehend vorhanden nur ab und zu Schlaglöcher oder für ein paar Metern Geröll. Damit konnte ich leben. In China werden die Straßen auch vom Militär oder Strafgefangenen gebaut. Ich weiß nicht, was die hier verbrochen hatten, die hier jetzt in der Hitze Steine klopfen müssen.

Was mein Fahrradkollege Peter (Kasachstan, Kashgar) geschrieben hat, stimmt einfach: Das Schlechte und das Gute, der Horror und das Wunderbare, das Nervige und das Erfreulich liegen nirgends so eng beieinander wie in China.
Jetzt, wo die Straße wieder besser wurde, konnte ich auch die Landschaft endlich genießen. Und die fantastische Vielfalt der Kulturen sowieso.
Und immer noch ging es dem Fluss entlang, durch ein relativ besiedeltes Gebiet.
Und wieder wurde ich total überrascht. In dieser abgelegenen Gegend auf einmal ein Menschenauflauf. Ein geschmückter Wasserbüffel wurde vorgeführt.
Gleich war mir klar, hier findet ein Wasserbüffelkampf statt. Von überall strömten die Leute herbei. Aus den umliegenden Dörfern, die schon einige Kilometer entfernt waren, strömten die Leute herbei. Festlich gekleidet in ihren jeweiligen Trachten und ihren besten Wasserbüffel.
Das war ein ganz schön buntes treiben. Ich habe nur noch geschaut und fotografiert.
Langsam wurde es mir doch, zwischen all den Menschenmassen und es wurden immer mehr, mit meinem voll bepackten Fahrrad zu ungeheuerlich. Es wurde immer heißer. Es hat so ausgesehen, als ob der Start des Kampfes noch auf sich warten lässt, bis alle Gruppen mit Trommeln Einzug in die Arena erhalten hatten. Deswegen bin ich schließlich weiter gefahren.

Am Fluss konnte ich ein paar Kormoranfischern zuschauen. Den Vögeln wird der Hals zugebunden, dass sie keine grösseren Fische verschlucken können, die müssen sie im Boot wieder ausspucken. Ganz schön fies.

200-300km bin ich an dem Fluss entlang gefahren. Bis es wieder über einen Hügel nach Sanjian ging. Sanjian ist eine Dong Stadt. Nach der Kulturrevolution, wo so vieles zerstört wurde, wurde einiges wieder in den verschiedenen traditionellen Stilen aufgebaut, wie hier die „Wind and Rain Bridge“.
Von hier war es nicht mehr weit nach Longshen. Dieses Gebiet ist bekannt für die Reisterrassen, prunkvoll aufbereitet für Touristen. Da ich seit Wochen durch „echte“ Reisterrassen unterwegs war, konnte ich sie mir ersparen. Ich sah die Realität gratis. Außerdem war gerade Reisernte, man sah vielleicht nur noch die Terrassen ohne Reis.

Viel spektakulärer fand ich diese Wasserschildkröte.
Es war eine richtig, echte, wild lebende Wasserschildkröte. Der Chinese hat sie gefangen und da sie als wahre Delikatesse gilt, viel mehr als die in Gefangenschaft aufgezogene, wollte er sie für 1000 Yuan (ca. 125 Euro) verkaufen. Ein unglaublicher Betrag. Aber es gibt auch reiche Chinesen, die sicherlich so viel Geld für eine Delikatesse ausgeben.

Nur einmal kreuzte ich die Strecke, die ich 2008 gefahren bin und das ausgerechnet in der für mich schönsten Stadt Chinas, in Guilin. Zuerst hatte ich meine Bedenken, dass ich von der Stadt, die mir 4 Jahre zuvor so gefallen hat, enttäuscht werde. Vieles ändert sich sehr schnell zum Negativen. Dies war zum Glück nicht der Fall. Im Gegenteil
Letztes mal war ich unter Zeitdruck wegen meinem Visums. Damals fühlte ich mich nicht wohl in dem Land, wollte keine Visaverlängerung beantragen, sondern nur noch das Land verlassen. Diesmal bleib ich drei Nächte, hatte genug Zeit die Stadt zu genießen.
Es gibt neben dem Li Fluss, weitere Flüsse und Seen in der Stadt, in denen man auch schwimmen kann. Für mich natürlich ein wahrhaftes Paradies.

In Guilin war ich in einer Jugendherberge. Was mich immer sehr verwunderte,  dass in diesen günstigen Einrichtungen, in denen sogar Ausländer übernachten dürfen, ein sehr engagiertes und sehr freundliches, junges Personal war, das sehr gut Englisch sprach. Außerdem gab es es kostenloses WiFi. All das was ich an den luxuriösen „internationalen“ Hotels so vermisste.

Yanshou, eine der einzigen wirklichen Touristenstädten in China, etwas weiter dem Li Fluss abwärts, wollte ich mir ersparen. Es waren mir schon 4 Jahre zuvor zu viele Discos Bars und Souvenirstände, dass man den Fluss kaum mehr gesehen hat. Soweit ich ich gehört hatte, hat sich das in den letzten Jahren noch verschlimmert. Deswegen war ich sehr erfreut, als ich herausgefunden hatte, dass auf der anderen Seite des Li Flusses auch eine kleine Straße nach Süden führt. Keiner konnte mir Auskunft über die Beschaffenheit der Straße geben. Egal, nach 2 Tagen Ruhe war ich wieder bereit für Abenteuer.

Es war dann wieder mal eine absolut tolle Strecke. Die erste Hälfte sehr leicht zu fahren, entlang des Flusses auf einer kleinen, neu gemachten Straße. Nur ein paar Busse kamen ab und zu durch. Dann zweigte meine Straße nach Xinping ab. Der Teer ging weiter in ein Ressort, auf meiner Strecke kamen nur Steine, Sand und Berge, aber nur einmal so steil, dass ich schieben musst. Dafür absolut kein Verkehr mehr und eine fantastische Aussicht.
Fernab von jeglichem Touristenrummel, inmitten der Karstberge. Es war keine einfache Strecke und nach Regen wahrscheinlich nicht befahrbar, ansonsten äußerst lohnenswert.

Relativ früh war ich in Xingping. Auch dieses Fischerdorf entwickelt sich langsam zur Touristenhochburg, hat ja auch einiges zu bieten.

Der Rummel ist aber noch lange nicht so schlimm wie in Yangshou. Eine Jugendherberge hat es hier auch, und was für eine schöne, neu hergerichtete. Und wieder ein absolut nettes und gut Englisch sprechendes Personal. Da ich es nicht mehr eilig hatte, es waren nur noch ein paar hundert Kilometer bis Hongkong, bin ich auch hier zwei Nächte geblieben, hätte auch gut noch einen weiteren Tag hier verbringen können, nur mir kribbelte es wieder in den Beinen.
Die Hauptattraktion hier ist eine Fahrt auf dem Bambusfloss. Alle paar Meter hört man „Bamboo, Bamboo“. Nur ob es wirklich noch aus Bambus hergestellt wird, frage ich mich. Es sieht doch sehr nach Plastik aus.

Auch auf den nächsten hundert Kilometern oder so war ich von den Karst Bergen umgeben.
Es wurde wieder unerträglich heiß, jeder Regen am Nachmittag war herzlich willkommen. Bis Guangzhou habe ich nur noch in Hotels übernachtete. Ich war in der Zwischenzeit in Guangxi, später in Guangdong. In keiner der Provinzen galt anscheinend das Übernachtungsverbot für Touristen in den günstigen Hotels, was für mich das Leben außerordentlich erleichtert.

Ansonsten war ich nicht mehr so gut drauf. Ich hatte meine ersten 15000km hinter mir, war schon über 2 Monate in China, wollte mal wieder in ein anderes Land, vor allem war ich müde und wollte eine längere Zeit ausruhen, was ich auf den Philippinen vorhatte.

Es waren noch 3-4 Tage nach Guangzhou, mich hatte der Ehrgeiz gepackt, es in 3 Tagen zu schaffen. In Guangzhou wollte ich mich mit Ghin treffen, er hat jetzt mit seiner Freundin eine kleine Wohnung am Rande der Stadt. Was ich bisher nicht wusste war, dass Guangzhou einer der größten Städte Chinas ist. Ich hatte mir einen Plan aus Google Maps ausgedruckt, wie ich zu ihm komme. Nur habe ich mich verfahren und wusste überhaupt nicht mehr wo ich war. Fragen konnte ich auch niemanden. Bei McDonalds gab es freies Internet, dafür musste man sich aber mit einer Chinesischen Mobile Nr registrieren, hatte ich nicht. Ins Internet Cafe durfte ich nicht, hatte keine Chinesische ID.  Wieder einmal einfach alles zum Verzweifeln. Da ich schon einige solcher Schwierigkeiten gemeistert hatte, wusste ich, auch diesmal werde ich trotz allem meinen Weg finden.

Ich fragte einen Mann, indem ich die Karten, die ich aus Google ausgedruckt hatte nahm und zeigte auf einen Punkt, von wo aus ich annahm, dass ich von da aus meinen Weg finden werde. Der Mann zeigte in eine Richtung, meinte aber, dass es ganz schön weit weg ist. Für Viele ist alles ganz schön weit weg. Es waren dann tatsächlich ca. 10km. Innerhalb der Stadt, wohl bemerkt. Unterwegs fand ich einen Kiosk, wo ich einen Stadtplan fand. Von da ab war dann alles relativ einfach.

Ghin hat mich sofort an unserem Treffpunkt abgeholt. Es war richtig schön ihn wiederzusehen. So vieles gab es von beiden Seiten zu berichten. Seine Freundin hat inzwischen eine Stelle als Krankenschwester, Ghin möchte zuerst noch mit seinen Eltern in Urlaub. Wir gingen einkaufen und kochten bis seine Freundin zurück kam.
Endlich mal ein wirklich gutes Essen! Ohne Nudeln, Reis mit Gemüse.

Ich hatte eine lange Liste, was ich alles erledigen wollte. Das wichtigste war allerdings, mein Geld von der „Bank of China“ zu holen und in US Dollars zu tauschen, die einfachste Art, es außer Landes zu bringen. Nur darf man als Ausländer nur geringe Beträge tauschen. Für größere braucht man eine Chinesische ID. Dank Ghin konnte ich das erledigen, hat aber fast zwei Stunden gedauert. Eine Stunde warten, dann eine Stunde die verschiedene Prozesse. Mit einer Tasche voll Geld reiste ich weiter. Nur nicht ständig es sich ins Bewusstsein rufen und ständig mit Angst herumlaufen, dass es gestohlen werden könnte.

Ghin hat sich entschlossen mit mir an die Grenze nach Shenzhen zu fahren, seine Tante wohnte dort, wollte aber erst einen Tag später los. Das war mir gerade recht. Als ich hier angekommen bin, tat mir alles weh, habe zu viele Stunden auf dem Fahrrad gesessen, was meine Handgelenke nicht so mögen. Außerdem hatte ich einen Hitzeausschlag. Normaler Weise beschränkt er sich auf die Kniekehlen, diesmal zog er sich über die ganzen Hinterschenkel und juckte ganz schön. Ein Tag mehr aus der Sonne und in klimatisierten Räumen tut der Haut sicher auch gut. Da Mittwoch Ghins Freundin freier Tag ist, verbrachten wir zusammen einen schönen Tag in der Stadt und besuchten am Abend einen neuen, modernen Stadtteil, wo alles schon beleuchtet war.

Ich habe mich richtig gefreut den letzten Tag in China mit Ghin zu fahren. Es war allerdings keine schöne Gegend. Die ganzen 140km waren wie in einer riesigen Stadt, kaum grün dazwischen.

Eine kleine Erholung auf der Fähre. Eigentlich durfte man da mit dem Fahrrad nicht mehr mit. Da sie aber für Radfahrer keine Alternative hatten, Fußgänger sollten den Bus nehmen, sagte man uns, wir sollten nicht groß nachfragen, sondern einfach auf die Fähre weiter fahren. Auch gut. Nicht mal was zahlen mussten wir.

Es war sehr interessant Ghin jetzt fahren zu sehen. Er war viel souveräner, nicht nur wegen seine neuen Fahrradkleider, er fuhr schneller und brauchte weniger Pausen. Er regt sich jetzt genau so über die Autofahrer auf wie ich. Als es angefangen hat zu regnen und plötzlich alles überschwemmt war, wollte er trotzdem weiter. Wenn ich daran denke, wie er sich angestellt hat, als wir ein Stück in der Wüste über eine überschwemmte Straße mussten! Jetzt hat er seinen Spaß dabei. Ich war richtig stolz über seine Entwicklung, bilde ich mir doch ein, dass ich meinen Beitrag dazu leistete. Solche Leute braucht China.

Da wir ständig nach dem Weg schauen mussten, kamen wir doch nicht so schnell voran. Dann hatte er auch noch Schwierigkeiten das Haus am anderen Ende der Stadt zu finden. Es war dann ewig spät, stockdunkel, bis wir angekommen waren. Trotzdem gab es noch was warmes zum Essen und dann nur noch ins Bett.
Die Tante mit Familie wohnte im 14. Stock eines der unzähligen Hochhäuser. Shenzhen war die erste Stadt, die für den Westen offen war, hier haben sich die ersten westlichen Firmen niedergelassen. Am nächsten Tag begleitete er mich zur Grenze! Wie viele Diskussionen hatte ich mit Chinesen, ob jetzt Hongkong zu China gehört oder nicht. Für mich gehört sie nur pro forma zu China. Das Wichtigste für mich war, dass ich kein Visum für Hongkong brauche. Chinesen brauchen eine sehr teure Bewilligung. Ich hatte bei der „Bank of China“ in Hongkong nachgefragt, ob ich dort mein Geld abheben und umtauschen könnte. Ich bekam zur Antwort, „Bank of China“ Hongkong hätte keine Zusammenarbeit oder sonst eine Verbindung zu „Bank of China“, Mainland. Das hat mich doch sehr erstaunt und auch in meiner Meinung bestärkt, es ist nur zum Schein, dass Hongkong zu China gehören sollte. Dann diese Grenze, nein für mich galt, ich hatte hiermit China verlassen.

Nachdem ich das erste mal endlich aus China heraus war, sagte ich mir, nie mehr wieder in das Land. Doch bin ich 4 Jahre später wieder dorthin. Die Seidenstraße führt nun mal dorthin, der Westen, wurde mir gesagt, soll auch sehr schön sein. Viele Radfahrer lieben das Land, viele verlassen es sofort wieder. Ich wollte China noch einmal eine Chance geben. Ich habe ausführlich über die ganzen Hoch und Tiefs, positiven und nicht so angenehmen Erfahrungen berichtet. Ich habe junge Leute getroffen und Dank meinen Fahrradfreunden einen tieferen Einblick in die Kultur, Gedanken, Situation von China erhalten. Ich frage mich, wie lange die Regierung das Land noch so isoliert halten kann. Wann werden die Studenten freien Internetzugang für westliche Informationen fordern? Ein Mann in Hongkong meinte, sobald es Facebook in China gibt, gibt es dort keinen Frieden mehr. Ganz so grass würde ich es nicht sehen, aber es wird sich einiges ändern. Zum Positiven hoffentlich.
Es war Freitag der 14. September, als ich nach Hongkong bin. Mehr darüber nächstes mal.

Auf meiner Webseite gibt es eine aktualisierte Karte mit der Strecke, die ich bisher gefahren bin.

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China Teil 1, der Westen

Bevor die Grenze öffnete stand ich schon am Zoll. Das Visum für China ist so kurz und da zählt jede Stunde. Ich hatte noch Zeit und die Möglichkeit mein letztes kirgisisches Geld in Chinesische Yuans zu wechseln. Die Ausreise aus Kirgistan war kein Problem. Danach kam 5 km Niemandsland, den Berg hoch natürlich und schon stand ich vor den Pforten Chinas. Soweit – So gut. Das Gebäude, das nach weiteren 2-3 Kilometern kam, war so  gut  wie leer geräumt. Ich bekam ein Papier in die Hand gedrückt, auf dem stand, sie hätten Zollgebäude 145km weiter nach China hinein verlegt. Die Strasse dorthin sei sehr schlecht, bergig, kurvig und jeder Fussgänger oder Radfahrer solle doch bei einem Lastwagen mitfahren.
Da es eher wie eine Empfehlung als ein Befehl geklungen hat, fragte ich, ob ich trotzdem mit dem Fahrrad fahren könnte, wenn ich wollte. Zur Antwort bekam ich ein klares „Nein!“ und mein Pass wurde so lange einbehalten, bis mein Fahrrad samt dem Gepäck auf einem chinesischen Lastwagen, mit einem chinesischen Fahrer versteht sich,  verstaut war.
Dann ging es los. Die Strasse war wirklich furchtbar, Steine, viel Staub, aber die Landschaft war grandios.
Ich wusste nicht, ob ich froh sein sollte, dass ich hier nicht Fahrrad fahren muss, oder nicht. Auf jeden Fall ärgerte es mich, dass es nicht meine Entscheidung war, sondern die der chinesischen Regierung. So sass ich in dem LKW und fragte mich, was ich hier eigentlich mache. Bei meiner letzten Reise durch China hatte ich schon einige Erfahrungen gemacht und wusste , dass ich mit einigen Einschränkungen u rechnen habe, ob diese mir nun gefallen oder nicht. Auf der anderen Seite hörte ich von anderen Fahrradfahrern so nette Eindrücke, dass ich mich eigentlich auch auf das Land freute. Diese Diskrepanz begleitete mich in den nächsten 2 1/2 Monaten.

Wegen der schlechten Strasse dauerte es ewig. Für die 145km haben wir 4,5 Stunden gebraucht, dazu kam noch, dass der Fahrer eine Zigarette nach der anderen rauchte. Dazwischen gab es einen kurzen Stop in einem Nudel Shop, hier durfte ich zum ersten Mal mit Stäbchen essen, sah, wie überall alles nur ausgespuckt wird. Der Boden sah wie der Tisch verheerend aus.

Dann endlich sind wir in dem nagelneuen Zollgebäude bei Wuqia angekommen. Pflichtbewusst gab der Fahrer mich bei den Beamten ab. Zum Glück musste ich nicht mit ihm in der Schlange der LKWs warten, sondern konnte mit meinem Fahrrad in die Abfertigungshalle für Fussgänger.
Mein Fahrrad musste ich abladen und meine Taschen aufmachen. An meiner dreckigen, stinkenden Kleidung hatten sie kein Interesse, dafür an meinen Büchern. Der Steppenwolf von Hesse auf Englisch, den ich von einem anderen Reisenden bekommen habe und mein Seidenstrassenführer. Beim ersten hat es ihm gereicht, dass es sich nicht um Wölfe, sondern um einen Mann in den Midlife Crises handelt, er könne es ja lesen, wenn er wolle. Was die Seidenstrasse und warum China mit den anderen Ländern genannt wird, wurde ihm von einer anderen Beamtin erklärt.

Um 16:30 Kirgistan Zeit wurde ich endlich wieder in die Freiheit entlassen. Die Peking Zeit, die für ganz China gilt, ist 2 Stunden später und passt nicht so zu dem Sonnenauf- und -untergang in der Gegend. Darum liess ich meine Uhr noch auf Kirgistan Zeit, oder Urumqi Zeit, wie es hier nach der Hauptstadt der Provinz Xinjiang genannt wird.

Nachdem ich die Stadt hinter mir gelassen hatte, war ich ganz glücklich, dass auch hier noch die Landschaft schön ist.

Während ich den Berg hoch gefahren bin, ging hinter mir die Sonne unter, die Berge waren in blauen Schattierungen.

Auf einem Platz, auf dem schon ein paar Yurten standen, konnte ich mein Zelt aufstellen. Die Bewohner haben kräftig diskutiert, es hätte mich schon interessiert um was es ging. Leider verstand ich überhaupt nichts. Ich weiss nicht einmal, ob sie Mandarin Chinesisch, Tibetisch oder Uigur gesprochen haben. Nach ihrem aussehen und wegen den Yurten würde ich auf Tibetisch tippen. Uiguren sind in Xinjiang der Hauptteil der Bevölkerung und Moslems. Han Chinesen, die hier angesiedelt wurden und Uiguren mögen sich nicht so. Es gibt immer wieder Krawalle.
Am 5. Juli 2009 kamen bei Unruhen nach einer Demonstration in Urumqi ca 140 Han-Chinesen und 50 Uiguren um. Es war am Tag vor dem 2. Jahrestages der Krawalle als ich weiter nach Kashgar fuhr. Mir kam ein Konvoi mit 58 Polizeifahrzeugen entgegen. Zuerst normale Polizeiautos, dann gepanzerte Fahrzeuge, dann richtige Panzer, danach Feuerwehrautos, LKWs voll mit Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag, zum Schluss wieder normale Polizeiautos. Warum habe ich in diesem Land immer so ein ungutes Gefühl? Für mich sah es so aus, als ob gleich ein Krieg ausbrechen würde. Ich war nur froh, dass die in eine andere Richtung fuhren als ich.

Ansonsten war die Fahrt sehr angenehm, leichter Rückenwind und immer bergab. Sehr schnell war ich so in Kashgar, habe auch bald das „Old Town Youth hostel“ gefunden, der Treffpunkt von Radreisenden. Als ich ankam, war wirklich der Hof voll von Rädern,

Mindestens 8 Chinesen, 2 Franzosen, 2 Schotten, 1 Walliser und ganz besonders habe ich mich gefreut, Peters Fahrrad zu entdecken, mit dem ich in Kasachstan gefahren bin. Er fuhr von Usbekistan direkt nach Kirgistan und China, nicht über Tajikistan und den Pamir. Es gab natürlich viel zu erzählen

Wie schon erwähnt ist die Provinz Xinjiang moslemisch, darum kommt man sich in Kashgar auch gar nicht wie in China vor. Zumindest in der Altstadt, wo leider kaum mehr alte Gebäude übrig sind. Herzstück ist die Heytgah-Moschee, die grösste Moschee in China.

Der Rest der Stadt sah eher Chinesisch aus. Das Polizeiaufgebot war enorm. Am ersten Jahrestag der Urumqi Unruhen wurden in einem Restaurant einige Han Chinesen niedergestochen.

Ich hatte hier noch einiges zu erledigen, bevor ich weiter konnte. Vor allem Landkarten brauchte ich. Das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Schliesslich fand ich in einem kleinen Buchladen, eine alte „Tourist Map“, wo sogar ein paar Städte Englisch benannt wurden. Und einen kleinen Chinesischen Atlas, nur auf Englisch, was nur beschränkt was brachte, da die Ortsschilder vor allem in Xinjiang alles andere als auf Englisch waren. Wenn überhaupt zweisprachig, dann Chinesisch und Uigur.

Dazu habe ich Peters Karten, die er aus Deutschland mitgebracht hatte, abfotografiert. Man weiss sich ja mittlerweile zu helfen.

Um die Taklamakan Wüste gibt es die Nord- und die Südroute. Ich hätte lieber die weniger befahrene Südroute gewählt, musste mich dann doch für die Nordroute entscheiden, da es dort mehr Städte gibt, wo ich mein Visum verlängern konnte. Ansonsten hätte ich in einem Affenzahn nach Xining düsen müssen, dazu hatte ich absolut keine Lust. Der Vorteil von der Nordroute war auch, es gab mehr Verpflegungsstationen und mehr Sehenswürdigkeiten. Aber halt auch mehr Verkehr und teilweise nur Autobahnen.

Am nächsten Tag ging es dann ab in die Wüste. Nach der Hitze in der Wüste Uzbekistan war mein Verlangen wieder nach Wüste nicht so gross. Ich hatte ja gehofft, dass der Pamir so kalt wird, dass ich mich nach Wärme sehne, das war aber (zum Glück) nicht so.

Am ersten Tag war es noch sehr angenehm, Ich kam schnell vorwärts, hatte etwas Rückenwind und es ging leicht bergab. Sehr ungestört konnte ich hinter den Bahnschienen zelten. Da sah mich niemand, es sei denn ein Zug kam vorbei.

Am zweiten Tag war es vorbei mit der Herrlichkeit. Schon als ich aus dem Zelt kroch merkte ich, oh je, der Wind hat gedreht. 3000 km in der Wüste sind ja schon schlimm genug, dann aber noch Gegenwind, das halten meine Nerven nicht aus.

Etwas später wurde es links von mir total schwarz. Macht nichts, dachte ich, der Wind kommt eher von rechts, Süden. Kaum fertig gedacht, drehte sich der Wind und wehte mich beinahe von der Strasse. An Fahren war nicht mehr zu denken. Ich stand nur noch da und versuchte mein Fahrrad festzuhalten.

Autos fuhren mit Warnblinklicht an mir vorbei. Keiner hätte daran gedacht anzuhalten und mir zu helfen. Ich wusste, 5 km kommt eine Polizeistation, bis dahin musste ich es irgendwie schaffen.

Ich weiss nicht, wieviele Stunden ich so zugebracht hatte, vorwärts gekommen bin ich allerdins kaum.

Dann hielt tatsächlich doch jemand an. Ein Polizist in Zivil. Sein Auto war viel zu klein, als dass er ich mitnehmen hätte können. Schnell zog er sein Polizistenhemd über und hielt ein Auto an. Natürlich hielt sofort ein Tanklastzug an. Mein Fahrrad konnte hinter dem Fahrerhaus festgebunden werden. Sie bekamen den Auftrag, mich in das nächste Dorf ins Hotel zu bringen. Das war leider nur 18 km weiter. Von mir aus hätten sie mich auch noch weiter mitnehmen können, aber wir konnten uns leider nicht richtig verständigen.

Es war noch nicht so spät, bis wir im Dorf angekommen waren. Zuerst habe ich mich natürlich wieder mit Essen und Trinken versorgt und mir überlegt was ich machen sollte. Das Hotel sah nicht sehr einladend aus. Den Eingang habe ich kaum gefunden. Es wäre ja schon das Vernünftigste, ins Hotel zu gehen, hatte dazu aber keine grosse Lust. Lieber wartete ich noch ein bisschen und hoffte, dass der Wind nachlässt. Nach zwei Stunden bin ich dann doch ins Hotel. Wenigstens gab es hier eine Dusche, in einem sehr dreckigen Raum, als ob er gerade umgebaut würde. Die Toiletten einen Stockwerk tiefer wollte ich lieber nicht sehen, was ich gerochen hatte, hat gereicht.

Ich bin nur noch kurz einkaufen gegangen, Als ich zurück kam, war die Dusche abgeschlossen. Anscheinend soll es erst ab 11Uhr abends Wasser geben. Ein kleiner Aufstand und die Duschen wurden aufgeschlossen und es gab Wasser, aber nur kalt.

In den frühen Morgenstunden habe ich so schnell wie möglich diese Lokalität verlassen. Vom Sturm war nichts mehr zu sehen. Nur ein Gegenwind kam wieder auf. In ausreichenden Abständen, so bis zu 80km, kam eine Ortschaft, wo ich wieder etwas zum Trinken und zum Essen, hauptsächlich Melonen, bekam. Ab und zu gab es eine Stadt, die machte zuerst wegen den breiten Strassen und den hohen Häusern einen riessigen Eindruck, war aber dann doch klein und übersichtlich. Dazwischen war es landschaftlich für eine Wüste sehr abwechslungsreich, mal bergig, mal topfeben.

lassen. Soviel ich verstand, meinten sie, es sei nicht die Zeit, dann, ich bräuchte eine Chinesische ID. Oh je, wie soll ich denn jetzt meine mails lesen? Nach längerem hin und her, gaben sie mir eine andere ID und liessen mich kurz ins Internet.

Irgendwo in der Mitte der Wüste hatte ich dann meine ersten 10000 km erreicht.

Und keiner da, mit dem ich hätte anstossen können, mit was auch. Es war weit und breit nichts zur Verfügung. Ich war mal wieder auf der Autobahn, da gab es weit und breit nichts. Die Autobahn an sich ist nicht das schlimmste, es ist eh kaum Verkehr, die Strassen sind gut mit einem breiten Seitenstreifen, der mir einen Sicherheitsabstand zu den Autos gab. Es waren die Leitplanken und die hohen Zäune, die in mir ein ungutes Gefühl erzeugten. Er als ich entdeckte, dass ich der Strasse duch die “Unterführung” entfliehen konnte, fühlte ich mich wesentlich besser. Auch war anscheinend schon jemand hier, der die Zäune mindestens genauso wenig mochte, sie waren teilweise nieder gerissen.

Es gab immer wieder Polizeikontrollen. Meistens wollten sie nur meinen Ausweiss sehen. Dass ich auf der Autobahn gefahren bin, störte niemand. Nur einmal liessen sie mich nicht weiter fahren. Sie waren sehr nett und freundlich, gaben mir zum Essen und Trinken, meinten, ich solle warten, bis die Polizei aus der Stadt kommt, die besser Englisch spricht. Ich war sowieso schon so genervt, da ich wieder fast den ganzen Tag Gegenwind hatte. Also wartete ich. Es dauerte nicht lange, da kam sie angefahren. Pass vorzeigen, die üblichen Fragen, dann fragten sie, wo ich denn heute übernachten möchte. Ich meinte ich wisse es noch nicht, wahrscheinlich im Zelt, irgendwo in der Wüste. Daraufhin liessen sie mich nicht weiterfahren, sondern hielten einen kleinen Lastwagen an, luden mein Fahrrad darauf. Ich musste im Polizeiauto mitfahren, der Lastwagen folgte. So ging es ca 20km in die nächste Stadt. Dort luden sie mich in einem Hotel ab und meinten, hier müsse ich heute Nacht übernachten, erst morgen dürfe ich weiterfahren. Sie gingen erst, nachdem ich eingecheckt und bezahlt hatte. Eigentlich meinte ich, da es ja ihr Wunsch sei, dass ich dort übernachte und nicht meine Entscheidung, könnten sie auch dafür bezahlen. Darauf gingen sie aber nicht ein. Es war auch nicht so teuer, aber eines der schrecklichsten Hoteles, wo ich jemals war.

Bad und Toilette gab es nur auf dem Gang, zusammen für Männer und Frauen, die Tür konnte nicht abgeschlossen werden. Als ich gerade meine Zähne putzte kam ein Mann mit Zigarette herein. Ich bat ihn, wenigstens die Zigarette draussen zu lassen. Woraufhin er nur die Zigarette auf den Flur warf. Er wunderte sich sehr, dass ich darauf hin nur noch zu lachen anfing.

Es war noch nicht spät und ich dachte, ich könne ja ein Internet Cafe aufsuchen. WiFi gab es im Hotel natürlich nicht. Schliesslich fand ich auch ein Internet, aber auch hier konnte ich nur mit einer Chinesischen ID Karte ins Netz. Nachdem ich einen leichten Aufstand gemacht hatte, bekam ich eine ID Karte bezahlte meine 3 Yuan und konnte einloggen. Doch bevor sich meine Mailbox öffnete wurde alles wieder schwarz. Der Chef kam und warf mich wieder raus. Ich meinte, ich wolle doch nur meine mails lesen. Ein anderer Chinese gab mir dann seine ID und ich konnte wieder einloggen, wurde aber genau überwacht, was ich machte. Meine Mails konnte ich lesen, aber sobald ich eine Nachricht beantworten wollte, wurde alles wieder schwarz. Das reichte, ich packte meine Sachen und ging. Wieder einmal fragte ich mich, was mache ich eigentlich in diesem Land. Warum sind so viele Chinesen so paranoid? Wovor haben sie Angst. Was könnte ich denn ins Internet stellen, was ihnen so schaden könnte, dass sie mir absolut keinen Zugang gewähren können?

Ich habe mich gefragt, warum die Polizei mich nicht einfach weiterfahren lassen hat. In der Nacht träumte ich dann, es wäre ein heftiger Sturm gekommen, ein richtiger Taifun, der alles weggeblasen hat. Davor wollten mich die Polizisten bewahren. Das war natürlich nicht der Fall.

War ich froh, als am nächsten Tag aus dem dreckigen Hotel und aus der Stadt fahren konnte.

Am Anfang lief es recht gut, nur nach ca 40 km vor lauter “ nur weg hier” fuhr ich voll über einen scharfen Gegenstand und hatte einen Platten. Wäre ja nicht weiter schlimm, nur merkte ich dass meine Pumpe nicht mehr funktionierte. Also versuchte ich wieder ein Auto anzuhalten. Damit hatte ich ja schon meine Erfahrungen. Es hielt niemand. Schliesslich hielt ein Mopedfahrer und wollte mir helfen. Ich konnte ja nicht mein Gepäck im Strassengraben liegen lassen und mit ihm Mitfahren. Also fuhr er alleine mit meinem Hinterrad, wo ich einen neuen Schlauch augezogen hatte, samt Rohloffnabe davon. Ich musste ihm einfach vertrauen, dass er auch wiederkommt. Keine 20 Minuten und er kam wieder mit einem aufgepumpten Hinterreifen. Die Werkstatt kann nicht weit entfernt gewesen sein.

War ich froh. Nach über 2 Stunden konnte ich endlich weiter fahren.

Anscheinend musste auch noch etwas am Reifen gewesen sein, denn nach weiteren 40km hatte ich wieder einen Platten. Ich hatte so genug, nahm nicht einmal mein Gepäck ab, sondern beschloss sofort wieder ein Auto anzuhalten. Und, oh Wunder, ich musste gar nicht lange warten, da hielt ein kleiner Lastwagen. Denen blieb gar nichts anderes übrig, als mich mitzunehmen. Ich wollte nur noch weiter, weit weg von der Polizei, die mich gestern aufgehalten hatte.

Die Fahrer waren keine Han Chinesen sondern Uiguren, Moslems, zwei Brüder, die zum Glück noch recht weit fuhren, gerade meine Strecke, so kam ich nochmals ca 200km weiter. Vielleicht musste der zweite Platten einfach sein, damit ich wieder ein besseres Bild von den Chinesen bekomme. Danach fühlte ich mich sehr viel wohler und kam auch nicht mehr in eine Polizeikontrolle.

Vor Turpan, eine Stadt in der Wüste, die in einer Senke unterhalb dem Meeresspiegel liegt, ging es nochmals kräftig den Berg hoch, 30km nur hinauf. Das waren meine Beine nach der relativ ebenen Wüste nicht mehr gewohnt. Auch ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet. Ich fragte mich schon, ob wohl mein Wasser reichte, da hielt ein Auto, ein Frau stieg aus und reichte mir 3 kleine Flaschen mit Wasser. Die waren natürlich gleich weg, deswegen bekam ich gerade nochmals 3 und 5 Pfirsiche. Wie gut so ein Pfirsich sein kann merkt man erst in der Wüste. Ich war so glücklich. Es gibt doch noch nette Chinesen. So habe ich es doch noch gut nach oben geschafft und hatte eine fantastische Aussicht.

Im Hintergrund die Turpan Senke, die mehr als 100m unter dem Meeresspiegel liegt.

Für mich hiess es eine wunderbare 50km lange Abfahrt. Nur wurde es immer wärmer, richtig heiss. Der Hauptgrund, weswegen ich nicht gerne durch die Wüste fahren wollte, war die grosse Hitze. Ich hatte noch genug von Uzbekistan. Davor wurde ich zum Glück bisher verschont.

Erst jetzt hat sie mich voll erwischt. Hier lebten aber auch noch Menschen, ein Wunder, wie sie es dort aushalten. Weite Flächen werden bewässert. Hauptsächlich Wein wird hier angebaut. Schon komisch diese Massen an Wasser aus dem Boden schiessen zu sehen. Die ersten Bewässerungssyteme sind hier sehr alt und basierend hauptsächlich aus Rohren, die Wasser von den Bergen hinunter leiten. Heute wird aber auch einiges an Wasser aus dem Boden gepumt. Ich frage mich, ob irgendjemand den Grundwasserspiegel kontrolliert.

Vor Turpan kam nochmals ein Stück Wüste, dazu ein gehöriger Wind. Zum Glück gab es ab und zu Schutzmauern, die wenigstens etwas vor dem Wind schutzten, man konnte sich auch gut dahinter verstecken.

Sie schützten aber nicht vor den Käfern und Skorpione, die es hier gibt. Selten habe ich so etwas ekliges gesehen, ein ca 7cm langer Käfer, rotbraun, der einen Schwanz wie ein Skorpion hatte. Den ersten konnte ich töten, der zweite verschwand im Gemäuer. Das war kein angenehmer Gedanke, Kurz überlegte ich mir, ob ich einen anderen Schlafplatz suchen sollte. Aber wohin? Die Wüste war voll von diesen Tieren. Zum Glück kann ich mein Zelt dicht abschliessen. Darin fühle ich mich sehr sicher. Die Nacht habe ich überlebt, aber kaum geschlafen, der Wind rüttelte noch bis 4:30 an meinem Zelt, ausserdem war es das erste mal definitiv zu warm. Wenigstens war die Stadt nicht mehr weit entfernt und hatte bald ein Hotel gefunden, wo ich auch eine Spanierin traf, die erste Europäerin sein langem. Es tat richtig gut mal wieder jemanden zum Reden zu haben. Sie hat 1Jahr in Shanghai gearbeitet und reisste jetzt noch ein bisschen durchs Land, bevor sie wieder zurück musste.

Sie lieh sich ein Fahrrad und zusammen sind wir am Abend, als es kühler wurde zu der Moschee der Stadt geradelt, mit dem grössten Minaret der Stadt.

Der Emin Minaret aus dem 18. Jh ist noch sehr gut erhalten, Der Rest wurde neu aufgebaut und sieht aus wie aus Pappkarton.

Eigentlich wollte ich in dieser Weingegend, wahrscheinlich die tiefste der Welt, endlich einen Wein trinken. Nur waren die Flaschen im Laden so warm, dass es mir gleich wieder vergangen ist.

Schon vor Turban fielen mir die löchrigen Gebäude auf.

In der Zwischenzeit habe ich herausgefunden, darin werden Trauben zu Rosinen getrocknet. Dafür ist die Gegend bekannt, natürlich auch für die Melonen.

Solche Stopps, im Schatten, mit einer saftigen Melone sind besonders erholsam. Wegen dem ganzen Gift das sie auf die Pflanzen spritzen, bekam ich immer eine ganz pelzige Zunge. Hier wurde mir gesagt, ich solle nicht das ganze Fruchtfleisch bis zur Schale abknappern.

Immer wieder kamen mir Radfahrer entgegen. Für junge Chinesen ist es ein Traum nach Tibet und Lhasa zu fahren. Ich weiss nicht wieviele Radfahrer mir begegneten.

Nachdem ich mindestens schon tausend Kilometer alleine durch die Wüste gefahren bin, habe ich auch einen aufgegabelt, der in meine Richtung fuhr.

Ghin, mein treuer Weggefährte, 24Jahre alt, wollte von Urumqui, wo er studierte, heim nach Guanzhou fahren. Das war weitgehenst auch meine Strecke. Sein Englisch war erstaunlich gut, durch ihn wurde einiges viel leichter und eine neue Welt eröffnete sich für mich.

Ich traff ihn eines morgens, der Gegenwind hatte mal wieder Hochform erreicht. Ich hatte war gerade mal wieder dabei, meine Kriese zu bekommen, seine asiatische Ruhe habe ich am Anfang bewundert, bis ich merkte, ihm stinkt der Gegenwind genau so wie mir. Er meinte, wir könnten ja nichts dagegen machen, auch typisch chinesisch, sie akzeptieren halt alles. Ich meinte nur, wenn ich alleine wäre, würde ich versuchen, ein Auto anzuhalten. Damit war er gleich einverstanden. Wir brauchten für die letzten 19km 3 Std, Durchschnittsgeschwindigkeit, 7.8 km / h. Das machte wirklich keinen Sinn, das war nur Energieverschwendung. Normaler Weise hätte man Radfahren an dem Tag gut sein lassen können, sich irgendwo sonst einen schönen Tag machen. Aber nicht in der Wüste.

Also hielten wir ein Auto an, und es hielt auch gleich ein Kranwagen, auf dem wir unserer Räder festbinden konnte.

Mir war noch nicht klar, ob ich den Abstecher nach Dunhuang machen sollte oder nicht. Auf der einen Seite hatte ich den Visa Druck, auf der anderen Seite hörte sich das was ich von Dunhuang gelesen und gesehen habe sehr interessant an. Es war für die Seidenstrasse eine bedeutende Stadt und ist heute eine der Touristenattraktionen entlang in China wegen den Sanddünen und den Mogao Grotten. In einer der Grotten ist die grösste sitzende Buddha Figur. Daran war Ghin sehr interessiert und wollte dorthin. Da ich ja durch die Autofahrt Zeit gewonnen habe, entschloss ich mich mitzukommen.

Wir liessen uns bis zur Abzweigung nach Dunhuang mitnehmen. So entkamen wir dem Wind und dem Regen. Ja, Regen! Hier in einer der trockensten Gebiete der Erde hat es tatsächlich geregnet.

Auch weiterhin war alles nur Steinwüste, was auf Chinesisch Gobi heisst und in diesem Gebiet gab nichts, wo man sichtgeschützt sein Zelt aufbauen konnte. Wir fuhren halt so lange, bis wir abseits der Strasse eine Mulde fanden.

Ich habe erstaunlich gut in dieser Schräglage geschlafen.

Am nächsten Tag ging es ganz ohne Regen oder Gegenwind nach Dunhuang, wo wir bei einem Hostel auf einer ebenen Wiese unsere Zelte aufstellen konnten. Ausser uns waren schon einige chinesische Studenten mit ihren Zelten hier. Ich war die einizige „Langnase“ , wie die Chinesen die Westler nennen. Mir machte es überhaupt nichts, im Gegenteil, es war eine sehr nette Atmosphäre, richtig nette, witzige, kreative Leute. Das lässt wirklich für China hoffen.

Zusammen sind wir am nächsten Tag zu den Mogao Grotten.

Nur ausserhalb des Gebietes durfte man fotografieren, also keine Fotos vom Innenleben. Wir hatten eine Führung, nur auf Chinesisch, ich habe nichts verstanden, Ghin hat mir das wichtigste übersetzt, einiges wusste ich noch von einem Film, den ich über die Grotten gesehen hatte. Buddhistische Mönche haben vom 4. bis 12 Jh die Sandsteinfelsen ausgehöhlt und mit buddhistischen Wandmalereien und Buddhafiguren versehen. Heute sind noch 492 von den Höhlen erhalten, nur wenige sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Vor uns kamen schon einige europäische Forscher her und haben einiges ausgeraubt, heute ist vieles in Berlin, London und Paris zu sehen.

Die armen Kamele, die den ganzen Tag über die Touristen die Dünen rauf und runter schleppen mussten, wurden schon heimgeführt, als wir wieder zu unseren Zelten zurück kamen.

Ich konnte es mir gerade noch verkneifen auf die Düne mit oder ohne Kamel zu gehen.

Das Wetter war sowieso nicht so, dass man irgend etwas gesehen hätte und der Wind hatte schon genug Sand in Nase, Ohren und Augen geweht, ich weiss, wie das ist und kann gut darauf verzichten.

Früh morgens waren schon die ersten am Aufbrechen. Wir haben uns dann auch vom Rest verabschiedet und sind los. Der Wind hat uns direkt aus Dunhuang und noch weiter heraus geblasen.

Später wurden wir durch einen Platten an Ghin’s Rad ausgebremst.

Später waren wir wieder an der Nordroute durch die Taklamakan, d.h. weitgehenst Autobahn, nur selten hatten wir die Möglichkeit auf eine Nebenstrecke auszuweichen. Durch die Regenfälle der letzten Tage war das auch nicht immer erfreulich.

Es hat mich einige Überzeugungsarbeit gekostet, dass Ghin nicht umgedreht ist sondern mir nach und einfach Augen zu und durch. Da es eine geteerte Strasse und kein Flussbett war, war es auch gar nicht so schlimm. Das fand er dann auch. Und trocken waren wir dann auch schnell wieder.

Immer wieder sahen wir Windkraftanlagen, in einem Ausmass, wie ich sie sonst noch nirgends gesehen habe.

Bei dem Wind, der hier ständig weht, sind die Anlagen sicher sehr ergiebig.

Dank Ghin’s netter, freundlicher Art und vor allem, da er chinesisch sprach, konnten wir bei Bauern unser Zelt aufstellen, wenn wir bei einem Ort waren. Ansonsten suchten wir uns hinter Hügeln einen Platz zum Zelten. Auch hier sahen wir immer wieder unangenehme Wüstenbewohner.

Nirgendwo in der Welt habe ich so viele Skorpione wie hier in der Wüste gesehen. Wir beide wussten nicht genau, wie gefährlich die Tiere sind. Wir wurden aber für die Tiere sehr gefährlich. Ich glaube, keines hat uns überlebt.

Langsam näherten wir uns dem Westende der chinesischen Mauer.

Den letzten Turm haben wir uns erspart, Ghin hatte Hunger und ich wollte lieber die Mauer und den Jiayuguan Fort gesehen.

Die Eintrittspreise in China für solche Sehenswürdigkeiten sind horrend. Uns beiden genügte der Blick von aussen.

Über eine, wegen Baustelle halb gesperrte Strasse sind wir hoch zum Fort gefahren und hatten von dort einen guten Blick über die Mauern. Weiter war keine Absperrung. Unten führte ein schöner Weg entlang und ich konnte Ghin davon überzeugen, über eine Schotterpiste dort hinunter zu fahren.

Auf einmal waren überall Fahrradverbotsschilder, die wir halt ignorierten. Vor dem Fort war ein grosses Tor, durch das man nur mit Eintrittskarte kam. Es war eine sehr schöne Anlage, aber wir waren bald durch und suchten den Ausgang. Diesen schon im Blick, kamen uns aufgeregt Wachposten entgegen. Mir war klar, wahrscheinlich waren wir nicht ganz legal hier drin. Ich fragte nur einen „Exit?“ und da das Tor schon aufging konnte ich einfach durchfahren, Ghin hinter mir her. Später sagte er mir, einer der Wachposten hätte ihn gefragt, wie wir denn dort hineingekommen wären. Tja, das muss er jetzt selber rausfinden.

Da mir endlich wieder nach Dusche war, wollte ich in Jiayuguan in ein Hotel. Jetzt bekam auch Ghin direkt mit, wie als Ausländer ist, in seinem China. Es dauerte sehr lange, bis er ein Hotel fand, indem ich als Ausländerin übernachten durfte und was auch noch bezahlbar war. Auch das war noch 3 mal so teuer wie das, wo nur Chinesen übernachten durften.

Es wurde langsam Zeit, mein Visum Verlängern zu lassen. Wir hatten zwei Optionen, entweder uns beeilen und in 5 Tage nach Xining zu fahren oder uns Zeit zu lassen und bis Sonntag nach Zhangye zu kommen. Natürlich war Ghin für die letztere Option. Er liess sich gerne Morgens Zeit, brauchte seine Nudeln und Zigarettenpause. Ich trieb ihn schon unter normalen Umständen genug an. So hatte er jetzt ein paar Tage Ruhe.

Je näher wir Zhangye kamen, desto schrecklicher wurde alles. Es waren die Ausläufer der Wüste. Die Luft war so drückend heiß, der Verkehr schrecklich die Hupen viel zu laut und alles viel zu staubig.

Kurz bevor wir in die Stadt kamen, hat uns ein chinesischer Radfahrer eingeholt. Ming aus Zhangye. Er sprach leider kein Englisch, aber Ghin und er haben sich von Anfang an gut verstanden.

Er zeigte uns einen wunderbaren weg durch neu angelegte Feuchtgebiete in die Stadt. Nachdem wir zuerst an einem Radladen vorbei sind, dann vom Ming zum Mittagessen eingeladen wurden, hat er versucht für uns eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Auch er machte dann die Erfahrung, wie es ist, als Ausländer in China.

Nach kurzer Beratung bei seinem Vater wurde beschlossen, dass wir bei seiner Grossmutter schlafen sollten. Bevor wir uns aufmachten, wurde ich gefragt, ob ich Wein trinke. Oh, wie lange hatte ich schon keinen guten Wein mehr, natürlich trinke ich Wein. Also wird der Vater heute abend Wein mitbringen.

Es hat in Strömen geregnet, als wir zur Grossmutter sind. Eine nette, ruhig lächelnde, ältere Chinesin. Sie wohnte in einem alten, riessigen Wohnblock, alles dunkelgrau, dreckig. Dann kommt man in ihre Wohnung und alles ist schön neu sauber hergerichtet, eine richtig nette Wohnung und nicht einmal so klein. Später erfuhr ich, dass sie Mings Onkel gehört, der nur gerade nicht hier war.

Später kamen Mings Eltern und Schwager. Dann wurde viel gekocht und ebensoviel gegessen. Ausser Ghin sprach leider niemand Englisch und ich konnte nicht erwarten dass er mir immer alles übersetzt.

Dann gab es endlich den Wein!. Schon beim Einschenken sah ich, das sieht nicht wirklich nach Wein aus. Ein kleiner Schluck zum Probieren – schrecklich. Das war nicht wirklich Wein, das war Reiswein, ein himmelweiter Unterschied! Der Vater war enttäuscht, dass er mir keine Freude hat machen können, mit dem Essen allerdings schon, das war sehr gut. Anstandshalber habe ich das Glas ausgetrunken, aber es ist nicht etwas, was ich nochmals brauche.

Nachdem die Grossmutter ins Bett und die Mutter gegangen war, habe ich mich langsam auch auf das Sofa gelegt und bin eingschlafen, obwohl die anderen am Tisch Karten gespielt, gesungen und die ganzen Flaschen Reiswein getrunken hatten.

Sehr erstaunt war ich, dass Ming trotzdem sehr früh am nächsten Morgen abgeholt hatte. Ich machte mir gerade einen Kaffee, da meinte er, ich brauche nicht zu frühstücken, wir würden zum Frühstücken gehen. Da es aber an den Plätzen nie Kaffee gibt, das ist Luxus in China, bestand ich zuerst auf meinen Kaffee. Es dauerte eh noch ein Weilchen, bis Ghin soweit war.

Zhangye ist eigentlich eine sehr nette, sehr alte chinesische Stadt. Auch Marco Polo war hier ein Jahr. Und es ist überhaupt nicht touristisch. Der alte Teil ist wirklich alt, nicht neu nachgemacht, es hat einfach noch flair. Zum Frühstück gab es dann eine Spezialität der Stadt, irgendwelche Nudeln und eine geleeartige Masse, gar nicht so schlecht, aber nicht unbedingt, was ich zum Frühstück brauche. Mittlerweile habe ich mich aber auch daran gewöhnt.

Dann ging es zum PSB, public security bureau, sprich Polizei, um mein Visum verlängern zu lassen. War ich froh, dass ich die beiden netten Burschen bei mir hatten, die mir alle Formulare aufüllten. Um den Aufkleber mit der Verlängerung für den Reisepass zu bekommen, mussten wir zu einem anderen PSB. Dort warteten wir zuerst, die beiden füllten dann weitere Formulare aus, bis wir schliesslich gesagt bekamen, wir könnten die Verlängerung nicht haben, da sie keine Aufkleber mehr hätten. Ich traute meinen Ohren nicht. Die Frau sagte es auch noch in einem Ton, als ob es ihr so etwas von egal wäre und überhaupt nicht ihr Problem. Und jetzt? Ich brauchte die Verlängerung in den nächsten Tagen. Ich hatte nicht mehr viel mitzureden, es wurde zwischen Ming und Ghin besprochen, die kannten sich ja auch mit dem System aus. Ich hatte eh nicht viel zu sagen. Schliesslich wurde beschlossen, dass Ghin und ich in die nächstgrössere Stadt mit dem Bus fahren, das war Wuwei, ca 3 ½ Stunden. Da der Bus um 12 Uhr fuhr, mussten wir uns sehr beeilen, wir konnten nicht einmal zur Grossmutter und Sachen für eine Übernachtung in Wuwei holen.

Wenigstens ging die Busfahrt durch ein sehr schönes Gebiet, entlang der Chinesischen Mauer. Erstaunlich wieviel davon in diesem Teil noch erhalten ist, auch einige Wachtürme.

Es war schon fast 16 Uhr bis wir in Wuwei angekommen waren und sind mit dem Taxi sofort zum PSB. Die Leute dort waren sehr viel netter als in Zhungye. Allerdings verlangten Sie einiges für die Verlängerung. Z.B. ein Foto, das nach deren Angaben, ich glaube, das ist das hässlichste Foto, das jemals von mir gemacht wurde. Macht Euch keine Hoffnung, ich werde es hier nicht veröffentlichen.

Das war ja noch leicht machbar. Die schwierigere Aufgabe war ein Konto bei der Bank of China eröffnen und so viel Geld überweisen, wie ich in den 30 Tagen in China brauchen werde. Damit war nicht der Betrag, den ich tatsächlich nach meiner Erfahrung der letzten 25 Tage brauche, gemeint, sondern der, den die Chinesische Regierung meint, oder erwartet, den ich in den 30 Tagen ausgebe.

Also sprechen wir hier nicht von maximal 10 US Dollar pro Tag, sondern von 100. Mir ist schleierhaft, wie ich 100USD pro Tag ausgeben soll. Anscheinend schaffen das Touristen.

Mein Glück, dass ich Ghin dabei hatte. Ein englischer Radfahrer hat mir geschrieben, dass es für ihn nicht möglich war ein Bankkonto zu eröffnen, da er keinen Chinesischen Ausweiss und Adresse hatte. Währen all seinen Bemühungen ist sein Visum abgelaufen, worauf sein Pass konfisziert wurde.

Dank Ghin und seines Ausweisses und Adresse konnte ich am Abend noch ein Konto eröffnen. Ich war schon ganz schön verärgert und gab der armen Frau hinter dem Schalter keine leichte Zeit, vor allem, da sie wegen mir länger da bleiben musste. Bank of China war dann nicht möglich, direkt von meinem VISA Konto das Geld auf mein Konto zu überweisen. Sie behaupteten sogar, ich würde das Geld auch nicht aus dem Geldautomat bekommen, obwohl ich das schon zwei mal gemacht hatte. Als Beweiss ging ich dann zum Geldautomaten, und habe acht mal 3000 yuan (3000 yuan konnte ich auf einmal rauslassen, 24 000 ist der Höchstbetrag pro Tag, ca 3000 USD) rausgelassen. Mit dem Stapel von 100 yuan Scheinen ging ich wieder zum Schalter, die Frau war überhaupt nicht glücklich.

Ungefähr eine Stunde nach dem offiziellen Schalterschluss hatte ich mein Konto mit dem Betrag darauf.

Ghin blieb die ganze Zeit ruhig und gelassen. Er meinte schliesslich, er wisse gar nicht, warum ich mich so aufrege. Ich wäre damit ja nur ein paar Wochen konfrontiert. Er müsse seit seiner Schulzeit mit diesem Chaos und Bürokratie leben. Bei immer mehr Dingen fragen ich mich, warum sich Chinesen das gefallen lassen. Die asiatische Gelassenheit ist zwar manchmal ganz angebracht, sie führt aber nicht gerade zu einer Verbesserung.

Wir haben uns jetzt zuerst mal ein Bier verdient und Ghin eine extra Portion Nudeln.

Da ich ja gar nichts für die Nacht dabei hatte, wollte ich wenigstens eine Zahnbürste und Zahnpasta kaufen. Auch ein kleines Handtuch habe ich gefunden.

Am nächsten Tag sind wir gleich nochmals auf die Bank um die offizielle Bestädigung zu holen, dass ich das Konto mit den 24000 Yuan habe. Das ist auch der Witz! Sie wollen, dass ich mein ganzes Geld auf das Konto transferiere, dann eine Bestädigung hole, was die Folge hat, dass das Konto für eine Zeit eingefroren ist, d.h. Ich kann danach gar nicht auf das Geld zugreifen. Aber das kannte ich von früher, dass Regelungen eingeführt werden, die überhaupt keinen Sinn machen.

Des Öfteren hatte ich schon gedacht, wenn mir vorher bewusst gewesen wäre, was da auf mich zukommt, wäre ich in den nächsten Zug gestiegen und hätte das Land so schnell wie möglich verlassen. So steckte ich mitten drin und alles war am Laufen.

Wie auch immer, mit der Bestädigung sind wir zum PSB, womit alles beisammen war. Sie versprachen uns anzurufen, sobald alles fertig wäre, was am Nachmittag sein würde.

So, Ghin und ich konnten nun nur noch warten. Wir schauten uns die Stadt an, war aber nicht so schön wie Zhungye.

Kleinkinder laufen in China grundsätzlich mit offener Hose herum, d.h. anstatt Windeln wird einfach ein Stück Stoff aus der Hose ausgelassen, dass das Kind in Ruhe überrall hinpinkeln oder kacken kann. Ich hatte damit meine hygienische Bedenken, die dann noch bestärkt wurden, als ein Kleinkind, gehoben von der Grossmutter, in einem Restaurant unter den Tisch pinkelte. Das erstaunte sogar Ghin und er verstand langsam meine Vorbehalte gegen diese Art von Kleidung.

Solange ich nur auf meinen Fahrradsattel sass konnte ich darüber hinwegsehen, aber sobald ich auf öffentlichen Plätzen hingessen bin, hatte ich immer das Gefühl, hier sass schon ein Kleinkind mit offenere Hose, auch im Bus hat es dem entsprechend gerochen.

Als um 15Uhr noch keine Nachricht vom PSB kam, sind wir einfach zurück. Sie meinten, sie wären fast fertig nur noch ein Schritt. Ich hatte lange genug Project Management gemacht, dass ich wusste, das kann trotzdem noch ganz schön lange dauern. Man kann auch Schritte parallel machen. Z.B. einer kann den Drucker einrichten, solange die andere noch die Eingaben in die Applikation macht.

Nu denn. Ghin meinte, um 17:30 fährt der letzte Bus. Langsam wurde ich ungeduldig, ich wollte nicht nochmal eine eine Nacht in Wuwei verbringen. Viertal nach 5 bekamen wir schliesslich meinen Pass mit dem Aufkleber der Verlängerung. Uns blieb kaum mehr Zeit uns zu bedanken, oder noch nicht, um uns darüber zu freuen, schnell zum Busbahnhof.

Der Bus war dann erst um 18 Uhr, Zeit erstmal wieder aufzuatmen.

Es war schon sehr spät, als wir wieder in Zhungye angekommen waren. Trotzdem, endlich ein Bier zur Feier musste sein. Auch der Grossmutter wollte ich was mitbringen. Wir verglichen unsere verschiedenen Kulturen. Ghin war entsetzt über Wein, Blumen und Pralinen, das wäre „completely useless“ Sie bringen Milch oder Fleisch mit. Milch gibt es hier im Geschenkkarton. Also holten wir für Grossmutter noch einen Karton Delikatess Milch. Sie war schon im Bett, Ich hatte auch nur noch mein Bier und war dann wieder auf dem Sofa.

Am nachsten Tag ging es nach einem Abschiedsfoto mit Granny los

Nach den zwei einhalb Tagen nicht auf dem Fahrrad, ging es mir überhaupt nicht gut. Nach 10km war es besser.

Schon seit Tagen schwärmte mir Ghin von der nächsten Strecke nach Xining vor. Es soll zu eine der schönsten Strecken in China gehören.

Ghin wollte noch vor August dort sein, wegen den blühenden Rappsfelder.

Es war schon 1. August, wir waren trotzdem noch nicht zu spät. Für mich war es sehr angenehm, endlich die Wüste hinter mir zu haben.

Es wurde immer bergiger, später war es wahrscheinlich zu hoch für Rapps.

Mir hat es hier fast besser gefallen, Rapps war zwar schön anzuschauen, aber nicht gerade etwas aussergewöhnliches für mich.

Plötzlich standen wir vor einem Tempel, der in den Felsen gehauen war.

In dieser Gegend haben sich viele Tibeter niedergelassen, die buddhistischen Tempel waren gut besucht.

Wieder ärgerte es mich, dass ich keinen Höhenmesser mehr hatte. Es wurde höher, wir fuhren über drei Pässe mit zwischen 3500m und 3800m.

Es wurde immer schöner, es sah immer mehr wie die Mongolei aus. Dazu die Yurten der Tibeter, und ich konnte kaum mehr an mich halten.

Auch wie in damals in der Mongolei zogen auf einmal dunkle Wolken auf.

Es war noch sehr früh, als wir bei Tibeter fragten, ob wir im bei ihren Zelte, unsere Zelte aufstellen könnten.

Das war natürlich kein Problem und sofort wurden wir auch für die Nomaden typischen Buttertee eingeladen. Es dauerte nicht lange und ein starke Sturm mit Regen kam auf. Die Zeltstangen von Ghins Zelt waren sofort durchgebrochen und durchböhrten das Aussenzelt. Ich konnte gelassen bleiben. Mein Hilleberg hält so etwas locker durch.

Am nächsten morgen war wieder eitler Sonnenschein,

als die Yaks gemolken wurden.

Ein Abschiedsfoto und wieder mussten wir sehr nette Leute hinter uns lassen.

Auf jeden Hügel gibt es buddhistische heilige Stätte. Je höher die Berg, desto grösser die Stätte.

Nach dem letzten Anstieg erwartete uns allerdings nichts von dem, auch keinen schönen Pass mit Aussicht, sondern ein Tunnel. Für mich absolut enttäuschend und schrecklich. Meine Tunnelphobie habe ich weitgehenst kuriert, aber in die chinesischen Tunnel, ohne Licht, ohne Frischluftzuvor, ohne Notausgang und das über 1530m hatte ich absolut kein Vertrauen. Schon der Gedanke, dass ich da bei den Auspuffgasen durch muss.

Ich sah mich schon total taub auf der anderen Seite ankommen, wenn jemand auf die Idee kommt, in der Röhre auf die schreckliche Hupe zu drücken.

Dann stand plötzlich ein Polizist vor dem Tunnel und liess kein Auto mehr durch. Ein Lastwagen ist in der Mitte stehen geblieben. Unsere Chance, sagte ich zu Ghin, schnell alle Lichter montiert, Sicherheitsweste an und los. Einfach Augen zu und so schnell wie möglich durch, bevor die anderen Auto kamen. Obwohl dies dann nur auf den letzten hundert Metern der Fall war, war es mir auf der anderen Seite speiübel. Für Ghin war es der erste Tunnel seiner Radfahrkarriere überhaupt, verstand meine Vorbehalte vorher nicht und ärgerte sich über meine Beschwerden danach. (Wochen später, als ich ihn wieder getroffen hatte und er in der Zwischenzeit mehrere Tunnel durchfahren musste, meinte er, er verstehe mich nun. Tunnel wären wirklich gefährlich und schrecklich.)

Nach dem Tunnel wechselte sich die Landschaft wieder

Es ging nur noch bergab nach Xining. Teilweise sah es so aus wie im Schwarzwald. Kurz vor Xining habe ich Ghin verloren. Wir hatten beide ein Handy, kamen aber nie auf die Idee, die Nummern zu tauschen.

Ich wartete eine Stunde am Wegesrand, aber er kam nicht Ein paar Kilometer ging ein Expressway nach Xining, ich nahm an, er nahm dieese Strecke.

Es war kurz vor Xining. Von anderen Radfahrern wurde mir ein Hostel genannt, wo ich hin wollte. Oh wie vermisste ich Ghin. Es war wieder kaum möglich in ein Internet Cafe zu gehen und die Adresse und Richtung zu suchen, noch jemanden zu fragen. Trotzdem beschloss ich, ich muss mich auch ohne ihn zurecht finden können. Schliesslich traf ich eine junge Studentin, die das Hostel in ihrem Smartphone googlete und mich dann dorthin führte. Sehr nett.

Ghin hatte meine e-mail Adresse und ich hoffte, dass er mir eine mail schicken würde. Was dann auch der Fall war. Er war auch in Xining und wir verabreteten uns für den nächsten Tag.

Das erste Mal seit Kashgar war ich in einem Hostel, wo auch Westler waren, sogar zwei russische Radfahrer. Hier bekam ich das erste Mal westliches Essen, Pizza und Salat, richtig mit Messer und Gabel!

Ich mag Ghin sehr, es ist wirklich eine sehr angenehme Begleitung. Nur war uns beiden klar, Radfahren zusammen geht nicht mehr lange gut. Deswegen beschlossen wir, wenn wir Freunde bleiben wollten, sollten wir lieber jetzt getrennte Wege fahren. Trotz allem, ich werde ihn vermissen. Es war aber auch Zeit wieder alleine weiter zu fahren. Wir waren zwei Wochenn zusammen, so lange bin ich noch nie mit jemandem gefahren. Wie jeder lesen konnte, war er mir auch eine grosse Hilfe.

Xining ist so ziemlich in der Mitte von China, es war 5. August 2012 ich hatte so ziemlich Halbzeit hier und mit Ghin ging eine Episode zu Ende. Darum mache ich hier mal einen Punkt,

Ende Usbekistan, durch Tajikistan und Kirgistan


Nach Monaten geht es jetzt endlich weiter. Das der letzte Eintrag ging bis Samarkand, von dort ging es wie folgt weiter:

Nur noch 4 Tage waren es von Samarkand an die Grenze, landschaftlich die schönsten von ganz Usbekistan. Zuerst ging es ganz schön den Berg hoch. Der Anstieg war ganz angenehm, die Bäche kühlten die Luft. Oben angekommen, etwa 1000m höher, war es nicht so angenehm. Alles voll von Touristen und Souvenirständen. Also nichts wie weiter. Der nächste Tag wurde ruhiger und noch schöner, es sah  jetzt aus wie in der Mongolei

Es war so schön, ausserdem war es später Nachmittag, dass ich beschlossen habe, hier zu zelten. Im Dorf neben dem Hügel fragte ich die Bevölkerung, ob das auch OK ist, kein Problem, obwohl es auch der Weideplatz für Ziegen und Schafe war.

Während ich vor meinem Zelt sass, den Sonnenuntergang genoss, kam eine Frau nach der anderen, brachten mir Brot und Kefir.

Am nächsten Tag wurde es noch bergiger. Richtig dramatisch ging es durch Schluchten und über Berge

Leider waren auch sehr viele Baustellen, die den Genuss doch sehr trübten. Teilweise war es sehr staubig, wenn es steiler wurde, konnte ich nicht einmal mehr fahren. Usbekistan war bisher wirklich das Land mit den weitaus schlechtesten Strassen.

Wie gut, dass es auch so schöne Oasen gibt wie an einem Aprikosenhain. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Aprikosen gegessen. Es waren sogar verschiedene Sorten, grosse helle, und kleine dunkle. Es sah schon aus, als ob einige schon geerntet worden sind, trotzdem hingen die Bäume noch voll.

Gegessen wurde auf der Veranda vor dem Haus.

Die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite. Ich, als Gast, hatte die „Ehre“ bei den Männern zu sitzen. Das war mir nicht sehr angenehm. Der Mann hat zwar eine Frau, 6 Töchter und einen Sohn, trotzdem waren auf einmal einige Männer beim Essen dabei.

Nur noch einen Tag an der Grenze. Autofahrer haben oft die Gewohnheit, neben mir herzufahren, egal wie sehr sie mich mit Staub eindecken und mich immer wieder mit „Akuda, Akuda“ (Woher, woher) anschreien. Nach dem zwanzigsten mal an einem Tag gibt man keine, oder nur noch eine blöde Antwort.
Auch der, der mir schon morgens um 7 Uhr so kam, sehr dick, ohne Hemd, mit Bierflasche in der einen, das Lenkrad in  der anderen Hand, konnte nicht mit einer netten Antwort rechnen.

Am Nachmittag hatte ich schon die Grenze erreicht, ich durfte aber erst am nächsten Tag in Tajikistan einreisen. In einer Art Kolchose nur ein paar Kilometer vor der Grenze konnte ich nicht nur zelten aufstellen, sondern wurde auch mit frischem Salat und Obst versorgt.

Gestaerkt mit einer Schale voll heisser Milch ging es am nächsten Tag zur Grenze. Dort warteten schon ein paar ältere Frauen. Ich bekam ein Formular zum Ausfüllen und gesellte mich zu den anderen.
Als die Grenze öffnete, wurde ich zuerst herein gerufen, was mir sehr unangenehm war, da die anderen laenger warteten. Solche Privilegien hat man hat in diesen Ländern als „Tourist“.

In Usbekistan muss man sich in Hotels registrieren lassen. Es wusste allerdings niemand, wann, wie oft und so weiter. Da ich als Radfahrerin eh nicht jeden Tag ein Hotel erreichen konnte, war mich das so ziemlich egal. Wenn ich eine Unterkunft hatte, schaute ich schon, dass ich einen Registrierungszettel bekam, falls ich mal kontrolliert werde, was nie der Fall war. Selbst hier an der Grenze hat das niemand interessiert.
Auch sonst lief der Grenzübertritt problemlos ab. Mein Gepäck wurde nur oberflächlich durchsucht,

Meine Hoffnung war, dass in Tajikistan die Strassen besser sind, nicht überall Baustellen und Schotterpisten. Da wurde ich leider sehr enttäuscht. Von den 70 km von der Grenze nach Dushanbe, der Hauptstadt Tajikistans, war fast alles Baustelle, teilweise so schlimm, dass ich schieben musste.

Trotz alledem habe ich am Nachmittag die Stadt erreicht.

Gerade als der erste Regen seit Georgien anfing. Er war zwar heftig, aber nur kurz.

Das Hostel, in das ich wollte, war etwas ausserhalb, versteckt in engen Gassen. Als ich meinen Weg suchte, kam mir Marco entgegen, einer der spanischen Radfahrer, die ich in Samarkand getroffen hatte. So was freut mich immer sehr, überhaupt wenn es sich um so nette Jungs handelt. Man hat sich doch immer sehr viel zu erzählen.

Am nächsten Tag standen Behördengänge auf dem Plan. Da ich auf den Pamir Highway wollte, brauchte ich dafür noch ein Permit und ein Visa fuer Kirgistan hatte ich auch noch nicht.

Da es Marco nicht gut ging, kam Ismael mit mir mit. Sie hatten das Pamir Permit über das Hostel beantragt, ich wollte es lieber selber bei OVIR holen. Ich hatte dann meine Zulassung für ca 5 USD einen Tag später, die beiden zahlten je 50 USD und warteten 4 Tage. Mein Kirgistan Visum ging sogar noch schneller. Nachdem ich die Expressgebühr, insgesamt  80 USD gezahlt hatte, konnte ich es nach 2 Stunden abholen.

Dushanbe ist eine angenehme Stadt, relativ wenig Verkehr, trotzdem teilweise grosse, breite Strassen und viele Alleen. Es gibt viele Märkte ein paar Museen, sonst nicht viel anzuschauen. Das war mir gerade recht, ich hatte noch einiges zu erledigen. Da war mir das eine grosse Hilfe, dass sich Ismael, der andere spanische Radfahrer, meinem Fahrrad angekommen hat.

Ich lass ja nicht jeden an mein Fahrrad. Bei ihm hatte ich keine Bedenken. Sein Fahrrad hat die gleichen Komponenten und er hat einige Jahre als Fahrradmechaniker gearbeitet. Es war eine Wonne zuzusehen, mit was für einer Leidenschaft er an die Arbeit ging.

Am nächsten Tag sind die beiden weiter gefahren, ich blieb noch. Wegen Visa gründen wollten sie sehr schnell über den Pamir, nach China und Pakistan. Ich zog die geruhsamere Variante vor. Ich musste ja zuerst noch mein Pamir Permit abholen. Auch sonst waren noch einige Dinge zu erledigen, Fotos auf DVD brennen, eine Landkarte vom Pamir besorgen, Essensvorräte für die nächsten Tage etc..

Am nächsten Tag ging es dann auch für mich weiter. Irgendwie schon komisch, wenn ich gehe ist nie jemand mehr da, der mich verabschiedet. Die anderen gehen immer schon früher und ich verabschiede mich von denen.

In Tajikistan können sich nur wenige ein Auto leisten, darum hält sich der Verkehr in Grenzen. Der Weg aus der Stadt war leicht zu finden.

Am Anfang war es noch relativ eben und endlich mal wieder gut Strassen. Um die Mittagszeit sah ich bepackte Fahrräder am Wegesrand stehen, ein junges, holländisches Paar. Sie sind in Holland gestartet und haben fuer einige Strecken den Bus genommen.

Sie sahen schneller aus als ich, darum fuhr ich gemächlich weiter. Dann haben auch die Berge angefangen, wunderschön,

Nach ca 100km nach Dushanbe hörte der Teer auf. Dann wurde es sehr spannend. Auf sehr schmalen Schotterpisten, auf und ab, zwischen Felswand und tiefer Schlucht schlängeln sich alle Lastwagen von und nach Kirgistan. Schon mit dem Fahrrad ist es abenteuerlich diesen riesigen Fahrzeugen auszuweichen. Erst recht spannend war es, wenn sich zwei Lastwagen trafen.

Inzwischen haben mich das holländische Paar eingeholt. Gerade rechtzeitig vor Dunkelheit erreichten wir den Bergrücken, wo wir auf der Wiese eines Bauern zelten konnten und Joghurt und Brot bekamen.

Da die anderen Richtung Kirgistan und ich Richtung Pamir wollte, fuhr ich am nächsten Tag wieder alleine weiter. Plötzlich war auch wieder richtig schöner Teer auf der Strasse. Wie ich schon vermutet hatte, blieb er auf der Strasse zur Grenze, nach der Abzweigung zum Pamir wurde es für mich wieder sehr holprig und spannend.

Da mir dafür alle Lastwagen erspart blieben, ich die Landschaft und die Vögel geniessen konnte, machte es mir relativ wenig aus.

Nachdem ich einige Stunden gefahren war, ohne dass irgend eine Versorgungsstation kam, sah ich ein Gelände und Gebäude, das zuerst wie eine Stromversorgungsstation aussah. Dort wollte ich nur kurz fragen, ob ich Wasser haben könne. Es entpuppte sich als Teehaus, wo ich mich schön mit Tee, Melone und Brot verwöhnen liess. Ganz in der Nähe war ein kleiner See. Die Verlockung war sehr gross, einfach hier zu bleiben und zu zelten. Das Schwimmen liess ich lieber bleiben. Das machen Frauen in diesen Ländern nicht, nur Jungs springen ins Wasser. Ich ziehe auch so schon genug Aufmerksamkeit auf mich.

Da ein stärkerer Wind anfing und es donnerte, als ich weiter wollte, sah ich das als Zeichen, ich solle lieber bleiben.

Die nächsten zwei Tage ging es ähnlich weiter, die Strasse blieb sehr abenteuerlich, dazu kamen die Flüsse, die über die Wege flossen. Mir war bald klar, warum mir gesagt wurde, dass die Strecke wahrscheinlich gesperrt war. Es war nicht der Pass, der wahrscheinlich noch im Schnee war, sondern die Wege davor. Es muss sehr schwierig sein, bei all den Erdrutschen und Überschwemmungen die Wege passierbar zu halten. Zum Glück war die Chance, dass mir ein Fahrzeug entgegenkommt, relativ gering, ich war weitgehendst alleine auf der Strasse.

Schliesslich wurde es sehr steil, da ich wusste, ich hatte genug Zeit, konnte ich es trotzdem geniessen. Es ist erstaunlich in welcher Höhe, ca 3000m, es noch Bauern und Kühe gibt.

Nur wenn über mir nur noch Schneefelder und keine Herden oder Menschen waren, füllte ich meine Wasserflaschen an den zahlreichen Bächen.

Dann hatte ich es geschafft, war auf meinem ersten Pass, auf 3252m. Er ist niedriger als die Pässe im Pamir, soll aber der schwierigste sein. Es waren auch fast 2000 Höhenmeter auf Schotterpiste, die ich hinter mir hatte.

Die Abfahrt war nicht weniger abenteuerlich.

Die 2000 Höhenmeter gingen auf Schotterpiste wieder nach.unten, innerhalb von 34km, mit sehr engen Kurven. Da ich lieber hier nicht irgendwo abstürzen wollte, ging ich lieber auf Nummer sicher und machte sehr viel Gebrauch von meinen Bremsen. Meine Hände und Handgelenke haben ganz schön gelitten. Wenigstens hat es da noch nicht geregnet.

Am Ende der Strasse kommt man an die Grenze zu Afghanistan, dem Panji Fluss. Mein Weg führte dem Fluss entlang Richtung Osten

Auch wenn die Strasse auf meiner Seite nicht gut war, war ich doch froh, nicht auf der anderen Seite fahren zu müssen. Von Hand wurde das Geröll beiseite geräumt und der Weg so notdürftig instand gehalten. In diesem Abschnitt gab es keine Autos. Meistens waren sie zu Fuss oder Esel unterwegs, die Frauen voll verschleiert. Der Fluss trennt nicht nur Länder sondern Welten.

250km ging es dem Fluss entlang, Das Wasser des Flusses sah aus, als ob es direkt aus der Betonmischmaschine kommen würde, total dunkelgrau und überhaupt nicht transparent. Es war fast noch abenteuerlicher als über den Pass, da ich jetzt die teilweise sehr schmale Schotterpiste mit chinesischen Lastwagen teilen musste.  Dazu kam der Regen der nicht alles glitschig und matschig machte. Auch hier kamen die Flüsse über steil die Felsen herunter, ueber die Strasse und in die Schlucht. Wenn es nicht sehr kalt war, liess ich die Schuhe an, nur wenn ich den Grund sehen konnte fuhr ich durch, meistens musste ich schieben. Einmal war die Stroemung so stark, dass ich mir eine Zeitlang ueberlegt, was ich machen sollte. Es war kein Mensch weit und breit, es sah auch nicht so aus, als ob ein Auto käme. Also blieb mir nichts anderes ueberig als Schuhe aus und durch. Nur sehr langsam kam ich gegen die Stroemung vorwaerts, mit aller Kraft musste ich das Fahrrad festhalten, damit es nicht in die Schlucht gespuelt wird und ich womoeglich noch dazu. Es war vielleicht nur 1,5 m breit, aber ich war fix und fertig als ich dort durch war, ich zitterte richtig. So was will man nicht unbedingt oefters mitmachen. Spaeter erfuhr ich von Touristen die mit dem Minibus kamen, dass sie Stunden warten mussten, bis es besser wurde. Die Strasse blieb fuer weitere Kilometer sehr schlecht. Ich kam kaum vorwaerts. Ich wollte vermeiden, dass ich irgendwo im Canyon stecke und es auf einmal Nacht wird, wirklich eine Horrorvorstellung. Also machte ich lieber frueher Schluss, nahm eine Einladung von Kindern an, auf ihrer Wiese mit Aprikosenbäume zu zelten. Selten habe ich so viele Aprikosen gegessen.

Am nächsten Tag ging es auf Schotterpiste weiter auf und ab. Ein kurzes Stück war wirklich so steil, dass ich ungefähr 20m schob. Dabei muss mein GPS etwas aus der Halterung geschoben worden sein. Danach ging es ungefähr 50m steil, schotterig runter und als ich unten war, sah ich, dass mein GPS weg war. Auf halber Strecke auf der Abfahrt waren mir zwei Männer entgegen gekommen. Sofort suchte ich alles ab und fragte die Männer, ob sie etwas gefunden hätten. Da ich bisher die Tajiken als sehr ehrlich und zuverlässig eingeschätzt hatte, glaubte ich ihnen und liess sie ziehen. Als ich aber nach einer Stunde auf der kurzen Strecke nichts gefunden hatte, musste ich annehme, dass die Männer das GPS mitgenommen hatten. So was ärgerliches, ich fuhr noch ein Stück weiter zurück, aber die Männer waren nicht mehr aufzufinden. Mich hat es vor allem geärgert, da der Diebstahl so sinnlos ist. Sie koennen ueberhaupt nichts mit dem GPS anfangen. Die meisten meinten bisher, es sei ein Smartphone, ich denke, das dachten die beiden auch. Oh hat mich das geärgert. Bisher hatte ich an jedem Platz, wo ich uebernachtete einen Waypoint gesetzt, was schon eine schoene Linie um die halbe Welt machte. Das sind nun alle Daten Weg.

Ich versuchte mich zu beruhigen, dass ich meinen Weg auch so finde und sowieso meine, zu viele elektrische Geräte zu haben. Trotzdem, das GPS war vor allem in Städten z.B in Istanbul eine grosse Hilfe, Adressen zu finden. Ausserdem habe ich schon seit Italien keinen Fahrradcomputer mit Höhenmesser mehr. Von nun an wusste ich überhaupt nicht mehr, wie hoch ich war, etc.. Mal sehen, ob, wann und wo ich mir einen neues GPS kaufe.

Je näher ich Khorog kam, desto besser wurde die Strasse und “lieblicher” die Landschaft und der Fluss.

Die Stadt ist der Ausgangspunkt fuer den Pamir. Von hier aus gehen sämtliche Exkursionen, Vorräte werden eingekauft, etc. es ist für die nächsten paar hundert Kilometer die einzige groessere Stadt. Für mich gab es die nächste Stadt mit brauchbaren Einkaufsmöglichkeiten und Internet erst in China wieder. Für mich war natürlich auch grosse Wäsche angesagt, Handwäsche, eine Waschmaschine habe ich seit Baku nicht mehr gesehen. Das Waschwasser hatte die gleiche Farbe wie der Panji Fluss, richtig eklig.

Am Anfang des Pamirs gibt es noch ein paar Dörfer, was nicht heisst, dass man auch was zum Essen bekommt. Vor allem Brot wird immer selber gebacken, man findet eigentlich nie zum Kaufen.

Die Leute änderten sich auch, waren westlicher gekleidet, nicht mehr immer das lange Hemd und die Hose aus dem gleichen Stoff. Sie waren freundlich, aber zurückhaltender.

Am Abend fragte ich, ob ich mein Zelt bei ihnen aufstellen darf. Immer wurde ich sofort eingeladen.

Sie boten mir auch stets ein Zimmer an, das ich mit einer Ausnahme abgelehnt habe. Ich bevorzuge immer noch mein Zelt, ausser wenn es in Strömen regnet. Mein Zelt ist dicht und macht keine Probleme, aber ein nasses Zelt im Regen zu packen ist unangenehm, dann doch lieber ein Zimmer. Und geregnet hat es am Anfang vom Pamir oft.

Egal ob Zimmer oder Zelt, ich bekam immer etwas zum Essen, natürlich selbst gemachtes, Brot, Jogurt, Butter, seltener eine Suppe.  
Zum Glück konnte ich mir sehr viel Zeit lassen, ich konnte erst am 1.Juli in Kirgistan einreisen. Es wurde langsam  immer höher, ich habe jeglichen Gedanken an Höhenkrankheit, Kopfweh, Übelkeit einfach verdrängt, Einfach nicht daran denken, dann wird es schon werden.

Hier war ich immerhin schon auf über 3000m . Wie gesagt, ich habe keinen Höhenmesser mehr, darum kann ich es nicht genau sagen.

Hinter dem ersten Pass, in Alichor  sehen die Leute  wirklich ganz anders aus, eher wie Mongolen. Später habe ich erfahren, dass dort hauptsächlich Kirgisen leben.

sie waren hauptsächlich an der Rückseite meiner Landkarte interessiert, wo es schöne Fotos gab.

Vor dem Ak-Baital Pass hat mich jeder gewarnt, Schneestürme, ewiges Eis und natürlich die Höhe von 4655m. Ich dachte wie immer, ich lasse es langsam angehen, dann wird es schon klappen. Dann ist mir das beste passiert, was mir hätte passieren können. Als ich am Morgen in Murgab losgefahren bin, sagten mir die Kinder, es wären gerade zwei Männer auch auf dem Rad in meine Richtung gefahren. Auf zwei Männer die voll von Ehrgeiz die Gipfel stürmen, hatte ich eigentlich keine Lust, aber interessiert hat es mich schon. Bald merkte ich, das sind keine Gipfelstürmer, ihr Tempo war etwa gleich wie meines. Trotzdem wusste ich noch nicht, ob ich ein bisschen schneller fahren soll und sie einholen. Dann hielten sie an und sahen mich kommen. Sie hatten schon von mir gehört und waren auch erfreut mich zu sehen.


Alex und Martin aus Australien, Melbourne. Von wegen, zwei Gipfelstürmer, alles wieder nur Vorurteil. Es war auch eine Frau und ein Mann. Sie sind vor 10 Monaten in Schottland gestartet und sind teilweise die gleiche Route gefahren wie ich. Nur sie waren auch im Iran, was ich mir als Frau alleine nicht antun wollte. Wir hatten schon viele gemeinsame Bekannte, Fahrradfahrer, die wir unterwegs getroffen hatten. In ihrer Gesellschaft fühlte ich mich von Anfang an pudelwohl, wir hatten es alle nicht eilig und genossen umso mehr die wunderschöne Gegend.

Auch der Pass war überhaupt kein Problem, von wegen Schnee und Eis. Wir hatten strahlend blauen Himmel und die Strasse war ganz trocken.

Sogar ein paar Marco Polo Schafe, eine Rarität der Gegend haben unseren Weg gekreuzt.

Der Höhepunkt war absolut der Kara Kul, Schwarzer See. Leider sehr salzig und nach der Mein und der Meinung der Einheimischen zu kalt zum Schwimmen. Es war auch kaum Leben dort, geschweige denn Fischer. Wenn man genau hinschaute sah man winzige Fische, die von zwei, drei Vögel gefangen wurden.

Wir zelteten direkt am See, was keinen störte, eine alte Frau, die ihre Ziegen ausführte, fand richtig gefallen an uns und liess sich von uns gerne fotografieren.

An Land gab es mehr Tiere, zum Beispiel YaksVom Kara Kul sind es nur noch ca 45km bis zur Grenze nach Kirgistan. Da es erst der 30. Juni war, zelteten wir kurz davor nochmals, da ich erst am 1. Juli einreisen konnte.

Hinter den Bergen, in Kirgistan sieht alles ganz anders aus. Die Schneegrenze  geht weiter nach unten und es viel grüner. Bis Sari Tash ging unsere gemeinsame Fahrt noch, nur noch wenige Kilometer von der Grenze.

Dann hiess es wieder Abschied nehmen. Ich werde sie sehr vermissen, es waren sehr angenehme Reisepartner, wir hatten sehr viel Spass. Leider haben sie noch kein Chinesisches Visum erhalten, mussten deswegen weiter nach Bishkek. Ich musste in 11Tagen in China eingereist sein. Immer diese Visa Restriktionen.

Nicht nur wegen den zwei hat es mir leid getan, nicht mehr Zeit fuer Kirgistan eingeplant zu haben. Es hat mir sehr gut gefallen.

Fasst wie in der Mongolei, nur die Strassen sind wesentlich besser. Nach einem Tag Fahrt, bergig, aber auf einmal wesentlich wärmer, da ich nur noch auf ca 1000 Höhenmeter war, habe ich die Chinesische Grenze erreicht.

Kurz zuvor habe ich nochmals gezeltet, das erste mal wieder alleine.

Am 3 Juli bin ich China eingereist. Wie es dann weiter geht, lest Ihr das nächste mal.

Gruesse aus Hongkong

Nach 2 Monaten und 11 Tagen in China, bin ich gestern in Hongkong angekommen. Jetzt habe ich endlich wieder Zugang zu meinem Blog, Twitter etc,..

In den naechsten Tagen gibt es hier wieder mehr Neues. Soviel schon mal im Voraus, ich hatte eine fantastische und aufregende Zeit in China.
Liebe Gruesse,

Dorothee

 

Über den Kaukasus ans Kaspische Meer zur Eruovisions-Stadt Baku

Im Regen und mal wieder schweren Herzens habe ich Trabzon verlassen. Auch wenn es noch so nett ist, es ist gut, wenn man beizeiten wieder geht, damit man gut in Erinnerung bleibt.
Trotz den zwei Tagen Ruhe, wurde ich bald wieder müde, aber nicht in den Beinen, sondern nur wegen Schlafmangel. Sedat hat mich bei seinem Freund angemeldet, der nach ein Fischrestaurant hat, wo ich übernachten konnte. Da es bis dorthin nur 80 km waren, hatte ich es nicht eilig.

Vor Rize wurden die Haselnusssträucher,die seither am Schwarzen Meer hauptsächlich wuuchsen, von Tee abgelöst. Überall Tee-Sträucher und -Verarbeitungsfabriken. Die Lastwagen mit Rize-Cay haben mich noch bis Baku begleitet.

Kurz hinter Rize war Bayram’s Fischrestaurant. Das ist eine tragische Geschichte. Vor ca 20 Jahren hat er sich dort ein schönes Haus gebaut und ein Feinschmecker-Fischrestaurant eröffnet. Es muss sehr erfolgreich gewesen sein. Vor 10 Jahren wurde die neue, breite Strasse gebaut und sein Haus wurde einfach abgerissen. Es wurde ihm zwar versprochen, dass ein anderes Haus in der Nähe für ihn gebaut wird, es hat sich aber nichts getan.
Psychisch hat er das nicht verkraftet, wohnt seither in einem Schuppen, gleich neben dem Platz, wo sein Haus stand. Seither kocht er nur noch für wenige Gäste.

Ich war gerade ca. eine Stunde da, Bayram hat mir die Umgebung gezeigt, wer kam da angefahren? Sedat! Der Brief von meiner Schwester, auf den ich noch gewartet, dann aber aufgegeben hatte, kam gerade an dem Tag an. Deswegen fuhr er hinter mir her und brachte mir den Brief. Sehr nett!

Bayram hat für uns natürlich noch Fisch gekocht, was ich ja normalerweise nicht esse, anstandshalber musste ich ihn wenigstens probieren und er war sogar noch gut.

Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es am nächsten Tag, recht spät weiter. Nur noch ca 100km und ein paar längere Tunnel trennten mich von der Grenze zu Georgien. Um Mittagszeit setzte wieder der Gegenwind ein, so war ich erst um 18 Uhr dort. An der Grenze war immer noch sehr viel Betrieb, es dauerte ungefähr 30 Min bis ich durch war. Direkt an der Grenze war eine Touristeninformation. Ich fragte nach Übernachtungsmöglichkeiten noch vor Batumi, der nächst grösseren Stadt. Sie nannten mir ein paar, die mir zu teuer waren. Dann meinte eine, ich könne doch noch gut bis Batumi fahren, das wären noch 20km, das schaffe ich doch in einer halben Stunde. Mit grossen Augen schaute ich sie an und meinte, dann müsste ich ja 40km/h fahren, so stark kann der Rückenwind gar nicht sein, dass ich das mit dem beladenen Fahrrad schaffe. Das hat sie glaub nicht verstanden, ich habe keine Ahnung, was für eine Vorstellung die eigentlich haben.

Im schönsten Sonnenuntergang über dem Schwarzen Meer fuhr ich weiter. Es war trotzdem keine sehr angenehme Gegend, es gab zwar ein paar Hotels, aber da war meistens ein Nachtclub dabei. Schliesslich hat mir ein Mann hinter einer Tankstelle, nicht weit wo auch LKWs parken und Sicherheitsleuter herumlaufen, einen Platz gezeigt, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Es war auch höchste Zeit, es war schon dunkel.

Am nächsten Tag war ich schnell in Batumi. Die Stadt ist fantastisch zwischen Schwarzem Meer und den schneebedeckten Bergen gelegen.
Es sah so aus, als ob sie sich für den Touristenansturm rüstet. Wunderschöne Hotels, Parks, sogar Fahrradverleih, mit den Rädern kann man dann an der Promenade auf dem Fahrradweg entlang fahren.

Nach Batumi blieb ich noch ein Weilchen am Schwarzen Meer Richtung Norden. Insgesamt bin ich ca 1500km an dem Meer entlang gefahren, bis ich Richtung Osten abgebogen bin.

Zufällig hatte ich schon bevor ich nach Georgien gekommen war, entdeckt, dass sie eine komplett andere Schrift benutzen.

Da auf den Schildern meistens die Namen auch in lateinischer Schrift waren, war das auch kein grösseres Problem, sondern eher eine Herausvorderung neben dem Fahren die Schriftzeichen zu entziffern und zu lernen.

Auch sonst ist Georgien komplett anders als die Türkei, Sprache, Kultur, Religion, ich weiss überhaupt nicht, was sie ausser dem Schwarzen Meer eigentlich gemeinsam haben. Die Sprache gehört zu den Karvelian Familie, die, soweit ich weiss, nichts mit irgendeiner mir sonst bekannten Sprache zu tun hat. Die Moscheen wurden von orthodoxen Kirchen abgelöst. Seit Ende der Sowjet Area hat die orthodoxen Kirche nicht nur bez der Gebäude einen Aufschwung erhalten.
Die Bevölkerung wurde in der Zwischenzeit sehr gläubig, die Kirchen haben eine grosse Macht.

Die Landschaft ist fantastisch, manchmal erinnerte sie mich an die Mongolei,

Manchmal an den Schwarzwald

Die Limonaden waren allerdings nicht so fantastisch.

Der Geschmack war genauso schrecklich wie die Farbe.

Nicht nur in der ersten Nacht habe ich gezeltet, mir wurde immer ein Platz angeboten, wo ich mein Zelt aufbauen konnte. Einmal war es im Garten einer jungen Familie. Hier habe ich das erste mal meinen Globus-Wasserball ausgepackt.

Das Interesse des Mädchens an der grossen, weiten Welt war allerdings nicht so gross, sie wollte lieber damit spielen. Das war mir auch recht.

Wie sollte es auch anders sein, vor Tiflis (oder Tbilisi, wie es eigentlich richtig heisst) kam mal wieder ein Berg. Fast ganz obe kam noch ein Tunnel. Der sah nicht so gut ausstaffiert aus, wie die in der Türkei. Es stand auch nicht dran, wie lang er ist. Als ich fragte, wurde mir gesagt, 3,8 km. Das musste ich mir nun wirklich nicht antun. Der Mann, der gerade dabei war, einen Bagger auf einen uralten, russischen LKW zu laden, hat mir angeboten, mich mit durch den Tunnel zu nehmen. Da habe ich doch gleich zugesagt. Danach entdeckte ich, ich hätte auch über den Berg fahren können. Das wäre sicher ruhiger und idyllischer gewesen. Aber keine Frage: mit dem uraten Truck durch den Tunnel war das grössere Abenteuer.

Der Tunnel war dann nur 1,8km lang, das hätte ich auch fahren können. Aber so hatte ich ein anderes interessantes Erlebnis und alles mal wieder gut überstanden.

Vor Tbilisi ist die Weltkulturerbestadt Mtskheta, ehemalige Hauptstadt des Landes mit den ältesten Kirchen.
Alle werden auch als Kirchen benutzt, ein paar gehören zu einem Nonnenkloster.

Insgesamt ist Mtskheta klein und überschaubar. Es war der erste Ort, wo ich Touristen traf. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Nicht nur die Lage ist fantastisch, das Stadtzentrum wurde auch sehr schön renoviert.
Irgendwo muss ich meine Jacke verloren haben, also nochmals eine Runde durch die Stadt, habe aber nichts gefunden. Der Verlust war nicht allzu gross, es war nur eine billige ALDI Jacke, trotzdem ich hoffte, dass ich sie in Tbilisi wieder ersetzen kann. Bis dorthin waren es nur noch ca 30km.
Das war erst der Anfang, mich erwartete noch einige Kilometer mit übelstem Verkehr, bis ich bei Robin’s Wohnung fast auf der anderen Seite der Stadt angekommen war.

Die historische Altstadt ist ganz nett
der Rest fast unerträglich. Viel zu viel Verkehr, zu viele Autos.
Das ist kein Parkplatz sondern ganz normaler Verkehr. Es ist kaum möglich über die Strasse zu kommen. Für Fussgänger gibt es ab und zu Unterführungen, die muss man auch erst mal finden und dann hatte ich nicht immer Lust, mein Fahrrad zu tragen.

Gleich am ersten Tag fand ich eine sehr günstige Jacke, die dazu noch viel besser ist als meine Alte. Der zweite punkt auf meiner Liste, was ich hier tun musste, war ein Azerbaijan Visum zu beantragen. Robin meinte, ich brüchte dazu eine Einladung, von anderer Seite hörte ich, ich solle es einfach ohne versuchen. Um mir Klarheit zu verschaffen, fuhr ich zur Embassy, es war früher Nachmittag und natürlich geschlossen. Der Polizist, der gerade Wache schob, meinte, ich fände alles an der Anschlagtafel. Also ging ich dorthin und machte mir Notizen. Es war ganz schön kompliziert, Einladung, dann 60 Euro auf einer bestimmten Bank in der Stadt einzahlen, dann wieder rausfahren, Antrag abgeben…Ich hatte schon gar keine Ahnung, woher ich eine Einladung bekommen sollte. Der Polizist meinte, ich solle doch einfach zu einem der Reisebüros an der Ecke gehen. Das tat ich dann auch gleich. Das Angebot, das er mir machte und der Preis schien sehr gut, darum sagte ich ihm zu. Innerhalb 30 Minuten hatte er alles für mich beisammen, Antragsformular, Einladung aus Baku, Einzahlungsquittungen und Kopien des Reisepasses. 60 Euro kostete allein das Visum, das, was ich auf der Bank hätte einzahlen müssen. Insgesamt hatte ich dem Reisebüro ca 69 Euro zu zahlen, alles in allem. Danach konnte ich gleich den Antrag bei der Embassy abgeben und mir wurde gesagt, ich könne mein Visum am nächsten Tag abholen.
Ich konnte das alles noch nicht ganz glauben. Alles, was vorher so komliziert erschien, war innerhalb kürzester Zeit erledigt. Richtig geglaubt, dass alles auch so funktionierte, hatte ich erst, als ich am nächsten Tag wirklich das Visum in der Hand hatte. Ich war äusserst glücklich, dass ich am nächsten Tag die Stadt wieder verlassen konnte. Sie ist wirklich zum Fahrradfahren sehr unangenehm. Deswege hatte ich auch gar keine grosse Lust viel anzuschauen, überall war es viel zu laut, zu viel Verkehr. Einmal bin ich in die Alstadt gelaufen, habe ein paar Kirchen angeschaut, damit war mein Bedarf gedeckt.
Die Wohnung von Robin war allerdings ein Traum, im neunten Stock über der Stadt. Mir hat der Blick von da oben gereicht, da musste ich mich nicht auch noch ins Getümmel stürzen.

Die Fahrt aus der Stadt heraus war wesentlich einfacher und angenehmer als in die Stadt, kleiner Strassen, kaum Verkehr. Nach ca 20km kam Rustaveli, eine Stadt, die mich total erstaunt hat. Grosse breite Strassen, auf denen nicht überall Autos geparkt hatten, Blumenbeete, neue grosse Häuser, Supermärkte, wie ich sie in Tbilisi nirgends gesehen hatte. Anscheinend wurde die Stadt im 19.Jh von den Russen angelegt. Hier war es ein richtiges Vergnügen Fahrrad zu fahren.

Von hier aus wollte ich auf einer Nebenstrasse über einen kleineren Grenzübergang nach Azerbaijan. Jeder, den ich fragte, meinte, die Strasse sei OK und die Grenze offen. Erst 10km vor der Grenze meinten ein paar Männer, die Grenze wäre zwar offen, aber nur für Azerbaijani oder Georgier, nicht für Touristen. Ich wollte es nicht recht glauben, denn in dem Fall müsste ich die ganze 18km nach Rustaveli zurück und auf die Fernstrasse.
Ich fragte noch ein paar Polizisten. Die meinten auch, die Grenze wäre offen, worauf ich meinte, ich hätte gehört, nicht für Touristen. Das verunsicherte sie und sie telefonierten herum. Schliesslich kam ein Polizist angefahren, der Englisch sprach. Der wollte mir den Weg zur Grenze erklären. Und wieder meine Frage, ob sie auch für Touristen offen sei. Diskussion – Telefonate, ich wartete geduldig. Mich hat es schon sehr gewundert, dass die Polizei 10km vor der Grenze nicht weiss, ob diese für Touristen offen ist oder nicht. Schliesslich meinten sie auch, ich müsse zurück nach Rustaveli und auf die Fernstrasse. Sie fragten mich noch, ob sie mir noch helfen könnten, in ihren Diskussionen war Taxi im Gespräch, ich lehnte dankend ab. Ich habe den Fehler begangen, mich nicht vorher genau zu erkundigen, jetzt muss ich ihn selber ausbaden, damit die Möglichkeit, dass ich ihn nochmal mache, geringer ist.

Wegen Rückenwind war ich sogar sehr schnell zurück in Rustaveli. Von da an war es dann Gegenwind. Es wurde sehr heiss und bergig. Die Strecke auf der Fernstrasse war viel schöner als auf der Nebenstrasse, schöne Berge, mal wieder wie in der Mongolei. Darum habe ich auch jedes Angebot von Lastwagenfahrer abgelehnt, die mich mitnehmen wollten. Auch alleine schaffte ich es noch am Abend nach Azerbaijan.

Und wieder einmal ein ganz anderes Land. Die Sprache ist dem Türkischen sehr ähnlich, dass die vorwiegende Religion Islam ist, bekommt man kaum mit. Selten sieht man kopfbedeckte Frauen und ich habe glaub noch nie einen Muezzin gehört.

Was mir sofort aufgefallen war, waren die Benzinpreise.

Dazu muss man noch wissen, dass 1 AZN (Manat, azerbaijanische Währung) ungefähr ein Euro ist. Preise wovon man in Deutschland nur Träumen kann. (Nicht gerade als Radfahrerin)

Im Westen, Norden und Süden ist es bergig, allerdins zumindest hier mehr im Westen gibt es nicht viel Vegetation.

Ich bin in der Ebene zwischen drin nach Baku gefahren, was sicherlich nicht die schönste Strecke gewesen war, wie sich später herausstellte.

Im Westen liegt die Stadt Gäncä, eine eigentlich sehr alte, aber auch moderne Stadt, wahrscheinlich die zweitgrösste hinter Baku.

Überall gibt es Springbrunnen, manchmal sogar noch mit Musik. Die Stadt muss noch sehr im Wachsen sein, wozu sollte man sonst so viele Möbelhäuser brauchen, wie ich hier bei der Fahrt in die Stadt gesehen hatte.

Nach der Stadt kommt wieder für eine lange Zeit nichts. Trotzdem, die Strasse war ein langes Stück 4 spurig ausgebaut und der Verkehr, war für das, dass da ja eigentlich keine Leute wohnen, recht gross. Ich fragte mich immer wieder, woher die kommen und wohin die fahren.

Da es doch überall Leute gab, habe ich mir zum Zelten sichere Orte gesucht, wie Tankstellen, Restaurants oder hier in der Nähe einer Brücke, die ständig bewacht wurde, und somit auch mein Zelt und ich.

Den Fluss und mein Zelt durfte ich fotografieren, aber auf keinen Fall die Brücke.
Egal, wo ich gezeltet hatte, ich hatte abends Unterhaltung, bekam Tee und ab und zu auch was zum Essen und fühlte mich absolut sicher.

Die Leute hier sind sehr nett und hilfsbereit.

Seit ein paar Tagen hatte ich ein kleines Loch im Vorderreifen, war aber zu faul es zu flicken. Einmal am Tag richtig aufpumpen lassen hat gereicht.

Ausserdem wollte ich nicht auf diese Aktionen mit den „Reifenreparatören“ verzichten. Sie sind es nicht gewohnt einen Reifen und schon gar nicht einen Fahrradreifen bis zu 4,5 bar aufzupumpen. Sie hatten immer Angst, ihnen fliegt der Reifen um die Ohren. Erst wenn ich das digitale Messgerät, das ich von Schwalbe bekommen hatte, gezückt habe, trauten sie mir eher, glaubten sie eher, ich weiss von was ich spreche.

Die Fernstrasse führte an den kleineren Ortschaften vorbei, was nicht weiter schlimm war, denn sie waren nicht besonders attraktiv. Ab und zu fuhr ich trotzdem in die Ortsmitte, um ein „Internet Klub“ zu finden. Es spielten sich immer die gleichen Szenen ab. Selten verirrt sich ein Tourist und schon gar nicht eine Frau auf dem Fahrrad dorthin.
Es war keine aufdringliche Neugier, eher nett, war immer willkommen, manchmal musste ich nicht einmal was dafür zahlen, einmal wurde ich sogar fotografiert.

Mein bepacktes Fahrrad konnte ich ohne Bedenken draussen stehen lassen, es wurde gut bewacht.

Auch sonst sind überall Polizisten und Sicherheitleute, die die Kriminalität sehr gering halten.

Nach ein paar hundert Kilometer durch die Ebene, meistens mit Rückenwind, nachmittags ab und zu auch mit starkem Gegenwind, kam ich am Kaspischen Meer an.
Leider bedeutet Fahren am Meer nicht immer eine schöne Küstenstrasse mit schönen Stränden. Hier war alles voll Industrie, Ölplattformen und Raffinierien.

Dann kam eine lange Mauer, da sah man überhaupt nichts mehr. Einmal konnte ich durch ein Loch eine äusserst noble Anlage sehen, ein Touch von 1001ner Nacht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es Spass machen kann, im Anblick der Ölplattformen zu baden.

Immer wenn ich sagte, dass ich nach Baku fahre, wurde ich gleich gefragt: Eurovision? Ganz sicherlich nicht! Aber das ganze Land ist im Eurovisionsfieber

In Baku fahren massenweise diese Taxis herum
Die ganze Stadt wird renoviert und neu hergerichtet. Und das alles wegen einem Abend, fragte ich mich. In der Zwischenzeit habe ich aber erfahren, dass die Ausscheidungen sich fast über eine ganze Woche hinweg ziehen. Ich hoffe, bis dahin bin ich weg. Der Rummel hat eigentlich jetzt schon angefangen. Die Altstadt ist voll von Kammerateams aller Herren Länder, um Baku der Welt zu präsentieren. Wer hat denn schon mal was von Baku gehört und wo liegt eigentlich Azerbaijan?

Bevor man in die Stadt kommt, sah ich das erste Mal in dem Land eine auffallende Moschee.

Dann ein Stück weiter sieht man auf dem Berg die „Flammen“, Flame Towers
die den Eindruck von „Klein-Dubai“ vermitteln. Ich hatte das Gefühl, man kann sich nicht entscheiden, welchen Stil man verfolgen will. Einerseits den alten islamischen Stil, auf der anderen Seite will man sich auch westlich-modern zeigen.

Nur im Herzen der Stadt, dem Weltkulturerbe, gibt es keine Diskussionen, da bleibt alles beim Alten.

Ausser die Souvenire passen sich der Zeit an

Ich werde jetzt noch ein paar Tage hier bleiben. Am Dienstag, den 8. Mai, bekomme ich mein Tajikistanvisum und dann fahre ich mit dem nächsten Schiff nach Aktau, Kazachstan. Das kann dann am nächsten Tag oder in einer Woche sein. Genaues weiss man erst am Morgen, an dem Tag, an dem das Schiff fährt.

Der Kaukasus hat viel mehr zu bieten, als ich gesehen habe. Es würde sich lohnen, extra nochmals herzukommen und sich genauer die Länder anzuschauen. Mal sehen…..

Zu dem „Goldenen Apfel“

Frisch gestärkt ging es am 14. März von Thessaloniki weiter. Die Stärkung war auch bitter nötig, die Fahrt aus der Stadt heraus war äusserst unangenehm. Zuerst viel Verkehr auf einer 4spurigen Strasse, die dann in eine Autobahn überging. Grösstenteils ist es in Griechenland erlaubt auf Autobahnen Fahrrad zu fahren, so dicht an einer grossen Stadt aber nicht ratsam. Da es auch noch bergauf ging, konnte ich dem allem auch gar nicht so schnell entweichen. Nach ca 14km war das dann überstanden und wesentlich ruhiger ging es auf einer Nebenstrasse an zwei Seen vorbei durch kleine Dörfer weiter. Auch erstaunlich flach wurde es auf einmal.
Hier habe ich an einer Bäckerei angehalten. Wieder einmal wurde ich gefragt, woher ich komme. Früher hiess es auf meine Antwort, aus Deutschland, meist „Ah Schuhmacher“ oder „Ballack“ hier hiess es „Ah Angela Merkel“. Trotzdem waren sie sehr nett zu mir und haben mir noch ein paar süsse Kringel dazu geschenkt.
Schliesslich kam ich wieder ans Meer.



Hier war es noch wie ausgestorben. Nur ein paar Baustellen, um sich für die nächste Saison vorzubereiten.
Schliesslich fand ich an einer verlassenen Feriensiedlung einen Hausmeister, der meinte, es würde wohl kaum jemand stören, wenn ich hier irgendwo zelten würde. Also übernachtete ich wunderbar auf einem Fussballfeld zwischen Wohnsiedlung und Strand. Es kam wirklich gar niemand vorbei.
Im Sommer muss es hier ganz anders zugehen, da wächst das Dorf, in dem ich kaum jemanden gesehen hatte, auf 20000 Leute an.

Am nächsten Morgen hatte ich meinen ersten Sonnenaufgang über dem Meer, sonst habe ich immer Richtung Westen am Meer gezeltet. Das war auch mal sehr schön.

Die Strassen sind hier gesäumt von kleinen orthodoxen Miniaturkirchen, wie Heiligenschreine.

Ich hatte beschlossen, nach Kavala die Innlandroute zu nehmen. Da es nicht besonders spannend war, hat es mich bald genervt, dass die Seitenstrasse, im Zickzack um die Autobahn ging. Neben der Autobahn gibt es Servicestrassen, also habe ich beschlossen, ich fahre darauf. Bald musste ich feststellen, dass im Gegensatz zu der Autofahrbahn gleich daneben, die Servicestrasse nicht nivelliert war. Das fand ich dann auch nicht so lustig, immer steil bergauf und bergab fahren zu müssen, während ich nebenan eben weiterfahren hätte können.
In Griechenland ist das Benzin so teuer, teurer als in Deutschland, dass bei den geringeren Löhnen die meisten das Autofahren sehr eingeschränkt haben. Deswegen ist ausserhalb grösserer Ortschaften kaum mehr Verkehr. D.h. auf der Autobahn war kaum etwas los.
Also bin ich auf die Autobahn. Es war eigentlich ganz angenehm, man hat seinen breiten Seitenstreifen, der Verkehr ist geringer als auf den Nebenstrassen und dort wird auch nicht langsamer gefahren. Somit ist es sogar auf der Autobahn hier sicherer, spannend ist es allerdings überhaupt nicht, gerade mal gut zum Kilometer machen. Was mich am meisten gestört hat, waren die Zäune. Ausser an den Ausfahrten, die in sehr grossen Abständen kommen, gab es kein Entrinnen. Mittlerweile meine ich auch zu wissen warum: damit keine Tiere auf die Fahrbahn kommen. Ansonsten ist der Fahrzeugrand gesäumt von Tierkadavern, schlimmer als in Australien, vor allem Hunde, auch sonst sieht man, was es hier noch so alles gibt, Dachse, Füchse, Iltis, etc..
Somit haben die Zäune auch den gewaltigen Vorteil, man wird nicht von Hunden belästigt!
Meistens ging es durch Olivenhaine, wo die Bäume gerade neu beschnitten wurden. Dazwichen drin blühende Mandelbäume, es wird hier wirklich langsam Frühling.
Die Fahrt auf der Autobahn ging für ca 30km ganz gut, dann sah ich die Autos irgendwo verschwinden. Mir ahnte Schlimmes, was nach ein paar hundert Meter bestädigt wurde: ein Tunnel! Und der sah recht lang aus. Egal, ob ich darin hätte fahren dürfen oder nicht, für mich ist es ein absolutes ‚No go“. mit meiner Tunnelphobie, niemals! Zum Glück kam kurz vorher noch eine Ausfahrt und ich konnte ein paar Kilometer weiter über den Berg fahren. Das war zwar zuerst sehr steil, auf einer kleinen Nebenstrasse, ging dann aber durch einen alten Wald mit Felsen und Aussicht auf das Meer wieder runter. Wunderschön.
Die Küste am Vortag war meist Sandstrand und eben, hier ist sie felsig und immer auf und ab. Alles scheint viel exklusiver, schöne Villen mit kleinena Stränden. Nirgendwo ein Platz zum Zelten. Dann kam mein erster offener Campingplatz kurz vor Kavala, den wollte ich gleich ausnutzen. Ich war natürlich der einzige Gast. Dafür, dass die sanitären Einrichtungen wahrscheinlich letzten Herbst das letzte Mal benutzt und geputzt worden sind, war es ganz schön teuer. Aber es gab wenigstens warmes Wasser.
In den frühen Morgenstunden bin ich durch das noch relativ ruhige, nette Städtchen Kavala gefahren. Es wurde im 7. Jahrhundert v. Chr gegründet. Der heutige Name Kavala stammt von der Bedeutung als wichtige Poststation, an der die Pferde (italienisch „cavallo“) auf der Via Egnatia (siehe später) gewechselt wurden. Das aus der römischen Zeit stammende Aquädukt, ein zweigeschossiges Bogenwerk, restaurierte.


Hinter Kavala wars dann nicht mehr so idyllisch. Über mehrere Kilometer kam nur noch Industrie, Raffinerien, Granit- und Marmorabbau, bis zum netten Universitätsstädtchen Xanthi.
Danach kamen wieder Olivenhaine. Langsam wurde es wieder Zeit mir ein Plätzchen zum Zelten zu suchen. Zwischen den frischgedüngten und gespritzten Olivenhainen fand ich es nicht so ideal. Als mir ein Walker entgegen kam und mich freundlich auf Englisch angesprochen hatte, habe ich ihn gefragt, wo ich denn hier zelten könne. Eigentlich überall, meinte er. Im nächsten Ort, Iasmos, gäbe es auch mittendrin einen Park, da könnte ich auch zelten. Das finde ich schon allein wegen der Toilette nicht so angenehm. Schliesslich meinte er, er besitze am Rande, oberhalb von Iasmos ein Restaurant, dort könne ich auch zelten. Das hörte sich doch schon viel besser an. Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg.
Das Restaurant war sehr exklusiv und wunderschön gelegen. Ich habe dem Mitbesitzer schöne Grüsse ausgerichtet und wir suchten zusammen nach einem netten Plätzchen. Schliesslich entschieden wir uns für die Terasse, um diese Jahreszeit möchte eh niemand draussen essen.
So hatte ich hier eine der wunderschönsten Plätzchen zum Zelten hoch überhalb der Stadt


Das einzig lästige waren mal wieder die Hunde. Wenn einer anfängt, machen die anderen mit. Mich wundert immer die Ausdauer, das kann dann Stunden gehen, bis sie sich wieder beruhigen.

Iasmos ist nicht weit von der Studentenstadt Komotini entfernt. Zuert habe ich mir überlegt, ob ich da auch noch durch soll, habe es dann gemacht und überhaupt nicht bereut. Es ist wirklich eine nette Stadt mit netten alten Häusern und einen schönen Platz im Zentrum.

Danach wurde es Richtung Meer wieder etwas bergiger und die Landschaft sehr schön. Die Strasse geht hier der Via Egnatia entlang. Es ist eine römische Straße (heute Fusspfad), durch die Adriaküste und Bosporus verbunden waren. Als östliche Fortsetzung der Via Appia war sie der direkte Weg zwischen Rom und Konstantinopel, den beiden großen Metropolen des spätantiken römischen Reichs.

Die rund um das Jahr 146 v. Chr. gebaute Heerstraße wurde nach Gnaeus Egnatius, Prokonsul von Makedonien, benannt, der den Bau in Auftrag gegeben hat.
Die Strecke scheint hier sehr gut ausgeschildert zu sein, aber nicht sehr bekannt. Das wäre doch mal eine Alternative zum überlaufenen Jakobsweg. Hier ist es ruhig, man ist für sich. Anstatt der Kathedrale in Santiago de Compostella hat man hier die Hagia Sofia in Istanbul als Ziel.

Wie bergig es wurde, merkte ich weiter gar nicht mehr, da mich zwei deutsche „Leichtgepäckradler“ einholten. Carsten und Peter, die in 11 Tagen von Sofia nach Izmir gefahren sind. Carsten arbeitet für Schwalbe und war nicht nur über mein immenses Gepäck erstaunt, sondern auch, dass ich immer noch mit meinen Spikes fahre. Wenn man 1-2 Jahre unterwegs ist, braucht man halt ein bisschen mehr als bei nur 11 Tagen und ich habe beschlossen, mich in Istanbul von meinen Spikes zu verabschieden.
Mit netter Unterhaltung ging es bis Alexandroupoli, für mich das Ziel des Tages, da ich hier eine Einladung hatte, Carsten und Peter wollten noch ein Stück weiter.
Die Stadt hat mir ausgesprochen gut gefallen. Sie ist zwar recht gross, hat aber im Zentrum keine Industrie sondern schöne Strände und Promenaden.
Bei Efklia, einer Lehrerin, wurde mir die ganze Misere, die zur Zeit in Griechenland herrscht, wieder bewusst. Die jungen Leute sind halb am Verzweifeln, sehen wenig Chancen für die Zukunft. Die Gehälter, wenn man überhaupt einen Job hat, werden immer weiter gesenkt und die Preise steigen kontinuierlich.

Alexandropouli war die letzte Stadt in Griechenland, nur noch 43km zur Grenze. Auf dem ersten Stück hatte ich noch Rückenwind, war wunderbar zu fahren, als ob die EU mich endlich los werden wollte. In der letzten Stadt habe ich meine letzten Euro-Geldstücke in Bananen und Wasser umgewandelt.

Auf der Brücke über den Evros im relativ langen Stück Niemandsland, kamen mir Soldaten entgegen, vorne in historischer Uniform mit sehr ungewöhnlichem Schritt.

Wie eine historische Wachablösung.

Als ich Griechenland verlassen hatte, war es mindestens 15 Grad wärmer, als ich hier angekommen bin.

Auf der türkischen Seite habe ich zum ersten Mal meinen Reisepass gezeigt und bekam meinen ersten Stempel. Türkei ist da 11. Land durch das ich auf dieser Reise komme.
In einer Wechselstube konnte ich all meine Euro Scheine in Türkische Lira umwechseln.

Ich weiss nicht genau warum, aber es war ein tolles Gefühl, die Türkei ereicht zu haben, obwohl der erste Eindruck nicht gerade berauschend war.

Es war nicht mehr weit bis Kesan, wo ich in der Nähe auf einer Farm übernachten konnte. Ich hatte mal wieder keine Ahnung, was mich dort erwartete‘ so war ich wieder sehr überrascht. Ausser einem zahnlosen Knecht wohnte dort niemand, es gab keinen Strom und kein fliesend Wasser, nichts, ein Stehklo und eine Wasserpumpe im Garten.
Der Vater meines Gastgebers war gerade auch da, er scheint gewohnt zu sein, dass ab und zu Fahrradfahrer hier auftauchten, hat mir alles gleich gezeigt.
Im ersten Stock gab es ein Zimmer mit Tisch und Bettgestell, da habe ich es mir gemütlich gemacht. Das fantastische an dem Zimmer war, es hatte nach 3 Seiten Fenster und ich hatte einen wunderschönen Blick auf die weite Ebene mit dem Sonnenuntergang.

Trotz der spärlichen Behausung, wenn ich zelte habe ich noch weniger, habe ich beschlossen, zwei Nächte hier zu bleiben. Hier hatte ich absolute Ruhe, konnte mich noch ein bisschen vor der Megastadt Istanbul ausruhen und einige Sachen im Internet (in einem Cafe in der Stadt mit Steckdose) erledigen.

Auf der Farm gab es neben Kühen, Schafen, Ziegen und Katzen auch Hunde. Die waren wesentlich ruhiger, haben nicht gebellt und mich in Ruhe gelassen. Mit den Jungen konnte ich mich direkt mit dieser Spezies wieder versöhnen.


Hauptsächlich auf der Fernstrasse ging es weiter nach Tekirdag. Wirklich nicht gerade spannend. Was für mich immer zermürbender ist, sind die Auf und Abs, kaum eine Ebene Strecke, dazu Gegenwind.
Ca 30 km vor Tekirdag fand ich eine machbare Alternative. Sofort war ich in einer anderen Welt, auf einer kleinen Strasse, die nicht mal durchgehend geteert war. Auch hier ging es auf und ab, aber weniger in der Anzahl und länger in der Strecke.

Als ich mal wieder am Berg hing, sah ich unterhalb vor mir einen Schäfer mit seiner Schafherde. Oh je, das bedeutet nie was Gutes, da hat es auch Hunde! Und schon war ich von drei, mit den Zähnen fletschenden Hunden umgeben. Am Halsband hatten sie mindestens 7 cm lange Dornen. So schnell hatte ich noch nie mein Tränengas in der Hand. Hätten sie nur einen Schritt nach vorne gemacht, ich hätte das erste Mal das Gas ausprobiert, den Wind hatte ich zum Glück im Rücken. Der Schäfer muss mein Geschrei und das Gebell gehört haben und pfiff seine Hunde zurück, die auch nach einer Weile gehorcht hatten.

Dann nur noch über die letzte Bergkuppe und dann eine schöne lange Abfahrt hinunter nach Tekirdag. Im Gegensatz zu Alexandroupoli hat Tekirdag einen grossen Hafen und keine Strände. Es ist wahrscheinlich auch wesentlich Grösser. Ich war bei Suzan, auch einer Lehrerin, eingeladen. Grösser hätte der Gegensatz von ihrer Wohnung zu der von Efklia nicht sein können. Eine schöne grosse, neue Eigentumswohnung. Allein das Wohnzimmer war so gross wie Efklia’s gesamte Wohnunng.
Auch sonst hatte ich das Gefühl, den Türken scheint es im Vergleich zu den Griechen wirtschflich sehr gut zu gehen.

Noch ca 130km bis Istanbul. Nach all dem, was ich über die Stadt gehört hatte, wollte ich das auf keinen Fall an einem Tag fahren, lieber vorher nochmals übernachten und gut ausgeruht die Stadt in Angriff nehmen.
Diesmal gab es keine brauchbare Alternative zur Fernstrasse einfach nur gerade aus und rauf und runter. Und es gab wirklich kein entrinnen. Auf der Seite zum Meer war über lange Strecken Militärgebiet, alles eingezäunt, in der Strassenmitte Leitplanken, die einen daran hinderten, auf die anderen Strassenseite, wo die Orte und Läden waren, zu kommen.
Für Autofahrer gab es alle paar Kilometer U-Turns, für Fussganger Brücken. Nur an vollbepackte Radfahrer hatte man mal wieder nicht gedacht. Soviele scheinen hier auch nicht vorbei zu kommen.
Da diese Umgebung auch nicht zum Zelten eingeladen hat, habe ich mir ein Hotel gesucht. Zuerst hat alles sehr teuer ausgesehen, richtig grosse Nobelhotels mit 3-5 Sterne. Schliesslich fand ich, Dank eines Taxifahrers, ein kleines leeres, altes, günstiges Hotel. Hier konnte ich prima Schlafen und richtig ausgeruht, mit schönen Sonnenschein, Istanbul in Angriff nehmen.

Bisher haben mich alle Leute vor Istanbul gewarnt, ich solle da nur nicht Fahrrad fahren, viel zu gefährlich, ich solle über die Griechischen Inseln direkt mit der Fähre in die Stadt oder den Zug nehmen.
Über die Inseln wollte ich nicht und mit all dem Gepäck ist auch Zugfahren ganz schön lästig. Ich hatte beschlossen, soweit wie möglich zu fahren und im Notfall doch noch auf den Zug umsteigen.
Es waren nur noch 35 km bis Istanbul. Die ersten 10-15km waren dafür noch sehr angenehm. Erst dann wurde es etwas unangenehmer und bergiger, meistens gab es eine Service Strasse oder einen Seitenstreifen, nur für kurze Strecken fehlte beides. Aber eben nur für kurze Strecken und nach weiteren 10-15km war das auch vorbei, ich habe Istanbul erreicht und bin gleich am Meer Richung Florya abgebogen. Was ich hier vorgefunden hatte, hat mich mal wieder absolut erstaunt: schöne, ruhige Strassen, entlang vom Meer, später sogar Radwege.
Was mich auch sehr erfreut hat, waren die ersten blühenden Blumen seit langen.
Ich konnte überhaupt nicht begreifen, warum ich so vor der Stadt gewarnt worden bin. Ich habe schon einige Städte hinter mir, die wesentlich schlimmer sind, z.B. Bangkog und Saigon.
Istanbul hat auch den Vorteil, dass es am Meer liegt und somit immer Frischluftzufuhr und natürlich überall Fischmärkte

Mir hat die Stadt von Anfang an sehr gut gefallen, ich war total begeistert, dass man hier so gut Fahrrad fahren kann.

Ich hatte eine Einladung auf der Asiatischen Seite. Mit der Fähre ging es über den Bosporus.

Auch auf der anderen Seite in den Nebenstrassen, kein Problem zum Fahrrad fahren, hier trifft man auch auf andere Radler.
Gursel, der ein paar Radläden hier besitzt, hat mich in der WG seines Sohnes, 3 nette Jungs zwischen 23-24 Jahren untergebracht.

Istanbul wurde von den Osmanen „Goldener Apfel“ genannt. Ob das wohl mit den vielen Granatäpfeln zu tun hat, deren Saft man überall kaufen kann? Heute wird New York „Big Apple“ genannt. Beides riessige Millionenstädte.

Hier bin ich nun seit einer Woche und bin hauptsächlich damit beschäftigt mein Kasachstanisches und Usbekistanisches Visum zu besorgen. Da das eine Konsulat 20 km ausserhalb, hinter dem Flughafen, das andere 16 km ausserhalb dem Bosporus entlang, liegt, bin ich viel mit dem Fahrrad unterwegs.

Überhaupt die Strecke am Bosporus, auf der Europäischen Seite, gefällt mir zum Radfahren sehr gut. Man hat nicht nur einen schönen Blick auf die andere Seite und die Brücke, sondern auch auf die schöne Häuserfassaden.

Die einzige Strecke, die nicht zum Radfahren zu empfehlen ist, ist die Fussgängerzone in Taksim.


Da sind so viele Leute, da haben sogar die nostalgischen Strassenbahnen Schwierigkeiten durchzukommen.

Inzwischen habe ich auch tatsächlich meine Reifen gewechselt, adieu Spikes, und nochmals vielen Dank an Schwalbe. Jetzt ist es beim Fahren auf einmal wieder schoen ruhig.

Am Sonntag habe ich eine Touri – Tour gemacht.
Vor Istanbul habe ich mich eigentlich nur darüber informiert, welche Konsulate es gibt, welche Visas kann ich dort bekommen, wo sind die Konsulate, wo kann ich übernachten…Damit war ich weitgehenst beschäftigt. Erst als ich hier war, habe ich mich über die Sehenswürdigkeiten informiert und war wieder einmal sehr erstaunt.
Natürlich hatte ich von der Blauen Mosche

und der Hagia Sofia

gehört, daran gedacht hatte ich aber nicht mehr. So war ich mal wieder umso mehr erstaunt, als ich davor stand und auch vor allem von Innen bewundern konnte.
Ein anderes Highlight war der Besuch in einem der ältesten Hamams der
Stadt (http://www.suleymaniyehamami.com.tr/german/), das alte Gemäuer ist ein sehr spezielles Ambiente. Nach der Seifenmassage fühlte ich mich so sauber wie schon lange nicht mehr.

Auch wenn mir Istanbul, auch die europäische Seite, sehr gut gefällt, bin ich doch immer wieder froh, auf der anderen Seite zu wohnen.
So eine Fährfahrt, ca 20min, hat so etwas Entspannendes.


nicht nur für mein Fahrrad. Auf der anderen Seite, in Kadiköy, hat es immer noch viele Leute in den Gassen, aber kaum Touristen, eine ganz andere Atmosphäre. Und hier die WG ist eine Oase der Ruhe, kaum zu glauben mit drei Jungs.

Das Uzbekische Visum habe ich mittlerweile, das Kazachstanische Visum bekomme ich hoffentlich am morgen, Freitag, dass ich am Samstag 1.April (ohne Aprilscherz) weiter fahren kann.