Kein Feuerwerk auf Feuerland

Bei wunderbarstem Wetter ging es, nun alleine, von El Chalten weiter Richtung Sueden. Mein Fahrrad war neu gerichtet und ich freute mich wieder richtig nach den 8 Tagen Pause, auf der Straße zu sein. Meiner Schulter taten die Ruhetage auch sehr  gut.

Trotz fantastischem Rückenwind, wenigstens auf den ersten 88km lohnte sich es ab und zu anzuhalten und den letzten Blick auf den Fitz Roy zu genießen. unnamed(vielen Dank an Jürgen Zink für das Photo).

DSC07806 Natürlich waren mal wieder sehr viele Motorradfahrer unterwegs. Einige Kilometer nach El Chalten sah ich bepackte Fahrräder am Wegesrand stehen. Die Besitzer saßen im Straßengraben, auf der Suche nach Windschatten. Die Ärmsten, hier wollte ich wirklich nicht in Gegenrichtung unterwegs sein.

Für mich ging es allerdings auch nicht so rosig weiter. Nach 88km war die Abzweigung! Davor ging es nach Südosten, danach nach Südwesten. Gar nicht nett!! Vor allem, wenn der Wind hauptsächlich von Westen kommt. Die Verkehrsschilder haben absolut ihre BerechtigungDSC07811Mein Glück, dass sehr wenig Verkehr war, wie man sieht. Immer wieder fand ich mich plötzlich in der Mitte der Straße wieder.

Die Berge hatte ich vorerst auch hinter mir. Karges, ödes Land, nichts, was den Wind aufhalten könnte. Auch ich suchte jetzt Schutz im Straßengraben, vor allem zum Zelten.

Allerdings gab es doch etwas Abwechslung. Selten habe ich in Südamerika so viele wilde Tiere gesehen, wie hier.
DSC07822Im Vergleich zu den Emus in Australien sind die Nandus hier winzig.
DSC07825 Die Füchse erkannte ich nur am Fuchsschwanz. Wahrscheinlich zur Tarnung haben sie hier eher die Farbe wie die Erde.

Völlig erstaunt war ich, als ich an einem See mit Flamingos vorbei kam.
DSC07830 (ja, ganz hinten, wenn man das Foto vergrößert, kann man die rosa Tupfen erkennen). Hier hat es wie eine Mischung aus Neuseeland und Mongolei ausgesehen. Sanfte grüne Hügel und viele Schafe.

Seit El Chalten war ich mal wieder 2 1/2 Tage unterwegs, bis ich endlich zu etwas kam, das wenigstem im Entferntesten einem Laden glich. Zumindest bekam ich da eine neue Packung Keks: die Tankstelle in Tapi Aike.
DSC07832Wie soll es auch anders sein, es war Mittagszeit, Siesta. Noch eine Stunde bis die Tankstelle wieder aufmacht. Was soll’s, ich hatte sowieso noch keine Mittagspause. Viel kaufen konnte ich sowieso nicht. Die chilenische Grenze mit ihrer „Agrar-Kontrolle“ stand wieder bevor. Wenigstens habe ich gelernt:
DSC07842Am Willkommensschild von Chile, noch vor den Kontrolleuren, aß ich meine letzte Banane. Den Apfel habe ich deklariert und abgenommen bekommen, von einem sehr engagierten, motivierten, jungen Kontrolleur.

Nachdem die letzten Touristen von Torre del Paine über die Grenze in anderer Richtung waren, kam ich endlich durch. Es war schon spät, trotzdem wollte ich noch ein paar Kilometer fahren, nicht in Richtung des Nationalparks. Es gab einige Gründe für mich ihn mir zu ersparen. Das war mein Glück, denn das Wetter wurde katastrophal.

Ich wusste, viel kommt auf der Strecke vor Puerto Natales nicht mehr, vielleicht ein paar Estanzias. Wie erfreut war ich da, die nagelneuen „Bushaltestellen“ zu sehen.
DSC07844Ich habe zwar keine Ahnung, ob hier wirklich ein Linienbus fährt, aber die Schutzhäuschen waren genial. Richtige Glasscheiben schützen vor dem Wind. Dass es keine Tür gab, war nicht so schlimm, denn der Wind kam aus der anderen Richtung.
Wichtig war, die Bank war breit genug, dass ich darauf schlafen konnte, mein Fahrrad hatte auch darin Platz, sogar kochen konnte ich noch. Es ist vor allem fantastisch, wenn Nachts der Wind alles durchschüttelt und es anfängt zu regnen.

Nach Puerto Natales, nach 4 Tagen endlich dem ersten richtigen Ort nach El Chalten, waren die „Bushaltestellen“ nicht mehr so komfortable, aber ausreichend. Über 170km bin ich an dem Tag gefahren, bis ich so etwas entdeckte.

DSC07847Das ist der Standard in dieser Gegend. Nicht ganz so luxuriös wie auf der Touristenstrecke nach Torres del Paine, trotzdem ein prima Wind- und Regenschutz.

Vor Punta Arenas wurde ich das erste mal wieder mit richtigem Verkehr konfrontiert, ganz schön gefährlich, wenn der Wind von der Seite kommt und man immer wieder in die Mitte der Straße geblasen wird.

Nachdem ich in Australien all den „Grey Nomades“, Ruheständler, die mit ihrem Wohnmobil umher fahren, begegnet bin, wurde ich gefragt, was die europäischen Ruheständler machen. Jetzt weiß ich es: sie fahren mit ihrem Campervan in Südamerika umher. Fünf oder sechs Wohnmobile aus Düsseldorf kamen mir entgegen. Für Weihnachten und Neujahr scheint es ein großes Treffen in Ushuaia zu geben. Auch viele Schweizer, Franzosen und Italiener sind so unterwegs.

Mein Ziel war zuerst einmal Punta Arenas, die südlichste Stadt in Chile.

DSC07873Wie in jeder Stadt gibt es auch hier einen „Plaza Major“, den Plaza de Armas. Aus der Mitte des Platzes ragt das Magellan-Denkmal heraus.

DSC07850Da es Glück bringen soll, den Fuß des portugiesischen Seefahrers zu küssen, ist dieser schon ganz blank.

Viel von Weihnachten ist hier nicht zu sehen. Die ganze Europäische Weihnachtsbeleuchtung wäre hier eh fehl am Platze, denn es wird gar nicht richtig dunkel.

Ich war bei einem Couchsurfer eingeladen, zusammen mit einer Australierin (ohne Fahrrad). Das einzig Weihnachtliche gab es in einem nahe gelegenen Kinderheim, wo sie praktisch das ganze Dorf Bethlehem nachgebaut haben.

DSC07859Es war sehr imposant und sehr effektiv beleuchtet. An Heilig Abend waren wir bei seiner Familie eingeladen. Das war ganz nett, aber nicht wirklich richtig Weihnachtlich.

Hier habe ich zu aller Freude Jacky und Kayla wieder getroffen. Am ersten Weihnachtsfeiertag nahmen wir zusammen die Fähre nach Feuerland, Tierra del Fuego.

DSC07882Wie immer war es unglaublich windig, diesmal aber aus der richtigen Richtung.

Es war irgendwann nach sechs Uhr abends, als wir in einem winzigen Ort namens Porvenir auf Tierra del Fuego angekommen sind. Von einem Fahrradfahrer wussten wir, dass nach ca 40km leerstehende Fischerhütten kommen, in denen man gut übernachten kann. Also fuhren wir und fuhren wir. Hier ist mal wieder alles nur Schotterpiste. Es wurde immer kälter, aber nicht sehr viel dunkler zum Glück. Das Abendlicht war mal wieder fantastisch.. DSC07886 Dann endlich kamen Fischerhütten. Die waren aber bei Weitem nicht leerstehend. Da wir genug hatten und total durchgefroren waren, fragten wir den Fischer, ob wir unser Zelt in einer der Hütten aufbauen könnte. Er meinte nur, er wisse was Besseres, verschwand, kam kurz darauf wieder und meinte, alles klar, wir können in der Estanzia, gleich nebenan übernachten. Welch Freude!, in dem Haus, in dem normaler Weise Zeitarbeiter schlafen, bekamen wir ein warmes Bett, heiße Dusche und ein Abendessen. Das war wirklich das Beste Weihnachtsgeschenk! Die Berge, nicht weit entfernt, hatten eine neue weiße Schneeschicht. So hatten wir auch noch eine weiße Weihnacht.

Am nächsten Tag ging es nochmals mehr als 100km auf Schotterpiste, im starken Wind zur Grenze nach Argentinien. Feuerland ist sehr merkwürdig zwischen Argentinien und Chile aufgeteilt. Um vom Festland Argentinien nach Argentinien auf Feuerland zu kommen, muss man auf jeden Fall durch den chilenischen Teil. Die Grenzen sind noch richte Grenzen, mit Kontrolle und Stempel. Nicht so wie in Europa, wo es keinen wirklich interessiert, wenn man die Grenze überschreitet.

Nur sind Lebensmittelkontrollen, wenn man nach Argentinien kommt, nicht so streng. Man muss nichts unterschreiben, ob und was man einführt. Zwischen dem chilenischen und dem argentinischen Grenzposten sind nochmals 14km Schotterpiste. Darauf hatten wir keine Lust mehr und fragten die Polizei, ob wir irgendwo im Windschatten unser Zelt aufbauen können. Wir bekamen dann ein altes Haus zugewiesen. Das war so staubig, dass wir im Haus unsere Zelte aufbauten.

DSC07889Im Zelt ist es auch wärmer, es auch sehr, sehr kalt.

Hinter der Grenze, im argentinischen Teil, ist dann alles geteert,

DSC07891 die ganzen ca 300km bis Ushuaia, ans Ende der Welt.

Ca 100km vor Ushuaia kommt noch ein Radfahrerparadies, die Panaderia in Tolhuin!
DSC07893 Der Besitzer, Emilio, setzt sich sehr für das Andenken an den Herzchirurgen Rene Favaloro, der Opfer der argentinischen Wirtschaftskrise wurde, ein. Wahrscheinlich aus „Herzensgründen“  organisiert Emilio Radtouren und lässt jeden vorbeikommenden Radfahrer in einem kleinen Zimmer hinter der Backstube übernachten. Es ist wirklich paradiesisch mit warmen Empanadas und Facturas (süße Stückchen) verwöhnt zu werden. Zum Dank veranstalteten Jacky und ich unter dem Weihnachtsbaum ein Weihnachtskonzert.
DSC07896 Endlich ein bisschen Weihnachten. Das Café der Bäckerei war wie üblich rappel voll. Nicht nur unter Radfahrern ist sie berühmt und beliebt.

Dann ging es weiter, über die letzten zwei Pässe nach Ushuaia.
DSC07901Das Wetter war besser, aber noch nicht ganz so gut. Eigentlich habe ich das Foto gemacht, damit man den Unterschied zum schlechten Wetter sieht, wenn ich bei, wie angenommen, schönstem Sonnenschein bei der Rückfahrt über den Pass fahr. Da ahnte ich noch nicht, dass es noch weit schlimmer werden kann.

Dann endlich Ushuaia. Warum man am Eingangstor mit Walt Disney Figuren begrüßt wird, weiss ich auch nicht.
DSC07903Seit ich das letzte mal hier war (nicht mit dem Fahrrad), hat sich die Stadt sehr verändert. Damals musste ich auch nicht an dem Containerhafen und den Öltanks vorbei.
DSC07910Gerade zu Jahresende erreichten wir das Ende der Welt.
DSC07914Für Jacky und Kayla war hier die Reise mit dem Fahrrad zu Ende. Sie verliehen ihre Räder und wollten per Anhalter  nach Norden Chiles. Ein unvorstellbarer Gedanke für mich, mich von meinem Fahrrad zu trennen.

Was mich schon an Heilig Abend ein bisschen gestört hat, war, dass es überhaupt nicht richtig dunkel wird. Wenn man gewohnt ist, dass an Heilig Abend und Silvester um 5 Uhr dunkel ist, ist es schon gewöhnungsbedürftig, wenn selbst um Mitternacht nicht richtig dunkel war.
DSC07918 Auf das Feuerwerk zu verzichten war dann auch nicht so schlimm. Für die Allgemeinheit ist es grundsätzlich verboten, es gibt auch nirgends Knallkörper zu kaufen. Die Gefahr wegen Brände ist einfach zu groß, nicht nur wegen den Wäldern, sondern auch da praktisch jedes Haus aus Holz ist. Manchmal, wenn die Bedingungen nicht so gefährlich sind, wird von der Stadt ein Feuerwerk veranlasst. Dieses Jahr nicht, bei dem ganzen Wind. So hatte ich ein relativ ruhiges Silvester in einem Hostel, mit einigen Reisenden, die ich schon früher getroffen hatte.

Damit das Jahr gleich richtig gut anfing, bin ich sehr früh aufgestanden um zum Nationalpark Tierra del Fuego zu fahren. Einige Jugendliche waren frierend und nicht nur schlaftrunken auf dem Heimweg von ihrer Silvesterparty. Nicht wenige haben ihr Auto abgenommen bekommen.

Ich konnte mich daran erinnern, dass der Nationalpark mir vor zig Jahren sehr gut gefallen hat, als ich hier zum Wandern war.
DSC07926Auch diesmal war ich total begeistert von dem Wald, vor allem, da ich ihn am 1. Januar so früh morgens ganz für mich hatte.

Heute war mein Ziel nur das Ende der Ruta 3.
DSC07931Soweit kommt man mit Fahrzeugen auf dem „Festland“ von Südamerika, wobei ja eigentlich Feuerland auch eine Insel ist und zwar die größte Südamerikas. Da ich ja schon am südlichsten Ende von Neuseeland und am nördlichsten Ende von Australien war, sollte ich mir das ja auch nicht entgehen lassen. Die Fahrt hat sich auch so absolut gelohnt,
DSC07933Ein fantastischer Start in das Neue Jahr. So früh war der Himmel noch strahlend blau. Hier kann sich das Wetter sehr schnell ändern, was es dann auch prompt tat.

Für die meisten ist Ushuaia der Start oder das Ende einer langen Reise, Die Ganzen Panamericana Fahrer von Alaska enden hier. Nur wenige kehren um und fahren zurück.

Am 2. Januar war es für mich so weit. Es regnete zwar, aber ich hatte mich schon von allen verabschiedet und wollte trotzdem fahren. Außerdem ändert es sich ja immer nach dem nächsten Berg. Das tat es dann auch, aber zum Schlimmeren. Es stürmte und schneite, und so etwas nennt sich Sommer hier. Erstaunlicher Weise machte es mir überhaupt nichts aus, denn ich wusste, am Abend habe ich wieder ein warmes Plätzchen in der Panaderia. Außerdem war ich so froh wieder auf dem Fahrrad zu sein.

Trotzdem lehnte ich es nicht ab, als ein Auto von Nationalparkwaldarbeiter (oder so ähnlich) anhielt und mir angeboten hat, mich mitzunehmen. Wenigstens über den nächsten Pass, wo ich eigentlich die Aussicht dieses Mal bei Sonnenschein fotografieren wollte. Ich hätte genau so gut eine graue Wand fotografieren können. Einmal hielten sie an, um einen Baumstamm von der Straße zu entfernen. Sie konnten sie kaum auf den Beinen halten. War ich froh, dass ich im Auto saß.

Nach dem Pass war das Schlimmste vorbei. Ab und zu mit Rückenwind, hatte ich die restlichen 50km schnell hinter mir.

In der Panaderia wurde ich von einem jungen chilenischen Radfahrer wurde mit einem ganzen Teller Empanadas empfangen. Da ich den ganzen Tag kein nettes Plätzchen für eine Pause gefunden hatte, war ich dementsprechend hungrig. Nach 5 Empanadas und einer heißen Dusche ging es mir wieder wesentlich besser.
DSC07939 Als dann noch die Bäckerin mit einem Teller „Facturas“ (süße Stückchen) kam, war alles wieder prima in Ordnung.
DSC07944Zwei Nächte blieb ich wieder in Tolhuin um mich für die lange Etappe auf der Ruta 3, nach Buenos Aires, vor allem kalorienmäßig vorzubereiten.

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Über den Balkan wieder ans Meer

Weiter ging es wunderbar and der dalmatischen Küste entlang.

Soweit war das Wetter ganz gut, solange nicht der kalte Wind von den Bergen herab blies. Ich hatte das Gefühl, je steiler und näher die schneebedeckten Berge, desto stärker der Wind. Das konnte ganz schön lästig werden.
Ich war mittlerweile total aufs Zelten eingestellt. Natürlich waren die Zeltplätze noch „geschlossen“, aber keinen störte es, wenn ich trotzdem dort mein Zelt aufgeschlagen hatte. Auch sonst waren die Kroatier recht freizügig. Eigentlich kann man überall zelten.
Die Hauptstrassen waren in einem sehr guten Zustand. Die Nebenwege konnten in Feldwege übergehen, was mir überhaupt nichts ausmachte, das ist meistens viel interessanter.

Bevor ich nach Dubrovnik kam, musste ich ein kurzes Stücck durch Bosnien Herzegowina. Diese paar Kilometer dem Meer entlang wurden dem Land zugestanden, damit sie auch noch einen Zugang zum Meer haben. Ca 9km bin ich gefahren, dann war ich wieder in Kroatien.

Die Grenznähe ist überhaupt nicht bevölkert. Man hat mich auch vor Landmienen gewarnt, die irgendwo immer noch herum liegen. Entlang der Strasse sollte ich sicher sein.
Vor Dubrovnik verstärkte sich der Verkehr und es kamen auch noch ein paar Dörfer. Kurz nach dem Krieg, 1996/97 war ich schon mal hier, da hat es noch ganz anders ausgesehen. Alles wurde neu gemacht, leider hauptsächlich für Autofahrer. So führt jetzt eine hohe Brücke über den Fluss und da ich mich nicht so gut auskannte, fand ich keinen Weg gleich am Anfang der Stadt hinunter ans Meer.

Der ganze Verkehr wird oberhalb der Stadt vorbei geleitet, man hat zwar eine schöne Aussicht, mich hat es geärgert, da ich noch ein paar Dinge einkaufen wollte, wie Landkarten etc…
Erst ganz am anderen Ende der Stadt ging eine steile Strasse hinunter direkt in die Altstadt.

Dieser Teil ist eigentlich auch nichts für Fahrradfahrer. Man kann nur auf dem Hauptweg einmal durch. Links und rechts in den Gassen sind nur Treppen. Trotzdem ich war wieder ein wenig versöhnt, die Altstadt ist immer wieder ein Erlebnis, natürlich viel exklusiver und touristischer als vor 15 Jahren, hat aber immer noch ihren Charme. Und ich habe sogar noch eine landkarte von Albanien gefunden.

Hier war es auch das erste mal, dass ich ein Touristeninformation gefunden hatte. Allerdings wäre ich dafür, dass jeder, egal wo, der in diesem Sektor arbeitet, die Gegend mit dem Fahrrad erkunden sollte. Meistens habe ich das Gefühl, sie kennen ihre Umgebung überhaupt nicht.

Egal, ich fand meinen Weg wieder heraus, und wenn man damit rechnet, dass man sich eh nicht darauf verlassen kann, was man gesagt bekommt, ist es auch nicht so schlimm, wenn alles anders kommt.
So musste ich trotz allem wieder den Berg hoch, hatte dafür nochmals eine schön Aussicht auf die Altstadt.

Ich wollte noch ein Stück weiter, ich hatte eine Einladung in einen Naturpark fast an der Grenze zu Montenegro, noch ca 27km, eigentlich nicht so wild. Nur wenn die letzten 12 km nur bergauf gehen. Mir war es inzwischen egal, wahrscheinlich auch ein Zeichen, dass ich alt werde, ich muss nicht mehr jeden Berg hochfahren. Wenn ich nicht mehr möchte, schiebe ich halt ein Stück. Wohlweislich habe ich auch noch Wasser besorgt, dass ich im Notfall auch irgendwo zelten konnte.
Es wurde immer später, ich kam immer höher. Trotz alledem war es ein Genuss, die Aussicht und der Sonnenuntergang.
Und irgendwann hatte ich es wiedereinmal geschafft. Ich hatte zwar keine Ahnung was mich erwartete, aber als ich zwei gelbe Hütten am Strassenrand stehen sah, mit alten Fahrrädern im Garten, wusste ich, ich bin angekommen.
Nur einmal laut gerufen und Marco kam heraus. Sein Telefon und Internet funktionierte nicht, darum war er nicht sicher, ob ich noch komme. Trotz allem, sofort hiess er mich herzlich willkommen, der Anfang von sehr interessanten Gesprächen und Erzählungen.
Nach einer warmen Dusche und etwas zum Essen, ging es mir auch schon wieder viel besser, d.h. eigentlich ging es mir schon wieder recht gut, als ich angekommen war. Wegen den Steigungen, die in meinen Beinen steckten, dazu noch der Raki, wurde es nicht spät. Schnell war mir klar, ich bleibe hier 2 Nächte, einen so gemütlichen Ort zur Erholung finde ich nicht mehr so schnell, ausserdem hatten wir uns viel zu erzählen.

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Menschen, die so ein turbulentes Leben  hatten. Mit 17 aus Jugoslawien geflohen, indem er 4 Tage nach Italien gerudert war und dort fast ein Jahr in einem Flüchtlingslager verbracht hatte, bis Kanada sich bereit erklärt hatte, ihn aufzunehmen…

Trotzdem, auch wenn es noch so schön und ruhig ist, ich kann nicht ewig hier bleiben. Am nächsten Tag bin ich weiter.

Kaum hätte ich den kleinen Grenzübergang nach Montenegro gefunden. Die Strasse wird neu gemacht und war nur Schotterpiste mit immer wieder Abzweigungen, die ins Nichts führten. Leider wurde auf der Baustelle nicht gearbeitet. Es war kein Mensch weit und breit. Schlussendlich habe ich doch die richtige Strasse gefunden und dann kam tatschlich auch noch ein Grenzübergang. Die Grenzer waren aber nicht gerade begeistert jetzt endlich etwas zu tun zu haben.

Die Währung von Montenegro ist Euro! Das war für mich ein bisschen befremdlich, das Land gehört nicht zu den Euroländern. Es hat sich aber ganz schön herausgeputzt. Die Küste dort ist viel bebauter als in Kroatien. Mal schön, mal fürchterlich. Ich dachte, man wäre von den Hotelburgen abgekommen, hier in Budva werde sie immer noch gebaut.
Dahinter wird es dann wieder richtig schön mit der Halbinsel Sveti Stefan, Heiliger Stefan.

Dahinter habe wieder einen Zeltplatz gefunden, der eigentlich noch nicht in Betrieb war. Es war aber 2 Dauercamper, die meinten, ich könne ruhig hier bleiben. Von dort oben hatte ich einen herlichen Blick und einen wunderbaren Sonnenuntergang.

Am nächsten Tag ging es noch etwas bergig weiter, aber bei dieser Aussicht, macht das nicht viel aus.

Da möchte man gar nicht schnell durchfahren.

Ca 30km vor der albanischen Grenze habe ich mich vom Meer verabschiedet und bin eine kleine Nebenstrasse, den Berg hoch. Dort oben hatte ich eine schöne Aussicht, es war kaum Verkehr, keine Wegweiser nichts. Nur die vollbepackten italienischen Autos, die in meine Richtung gefahren sind, zeigten mir, dass ich richtig war.
Auch hier war wieder eine Baustelle vor der Grenze. Die müssen hier mit einem Touristenstrom rechnen und machen jetzt die Strassen schon einmal breit genug, dass das dickstse Wohnmobil durchpasst.

Gleich hinter der Grenze merkt man, dass man in einer anderen Welt angekommenn ist. Albanien ist das einzige Entwicklungsland in Europa. Die Armut riecht, sieht und fühlt man. Es wird alles verbrannt, was weiss ich, was die theanken, überall liegt Dreck hrum, Plastiktüten ohne Ende und die Strassen sind so schlecht, da kommt meine Magura Federgabel so richtig zum Einsatz.
Wurden zuerst die Katholischen Kirchen von den Orthodoxen abgelöst, sieht man jetzt immer mehr Minarette.

Es war Samstag, Spätnachmittag, als ich in Albanien angekommen bin, ohne albanisches Geld. Ich mussste mir überlegen, wo und wie ich übernachten wollte. Die Gegend hatte zuerst nicht gerade zum Zelten eingeladen und Hotels gab es nicht, ich hatte ja auch kein Geld, wobei Euro hätten sie sicher auch liebend gern genommen.
Dann kam Ackerland und dahinter ein Fluss. Da konnte ich mir vorstellen zu zelten. Als ein freistehendes Restaurant kam, direkt am Fluss, habe ich eigentlich fragen wollen, ob ich links oder rechts davon zelten könne. Mir wurde aber gleich ein Platz in ihrem Garten, direkt am Fluss angeboten. Äusserst nett. Allerdings bin ich am Abend nicht mehr ins Restaurant, was voll von Männern war. Ich wollte nicht noch mehr Aufsehen erregen. Ich habe aber auch nicht vor meinem Zelt gekocht, soviel Anstand habe dann schon noch. Zum Frühstück wurde ich dann ins Restaurant geholt, obwohl es erst 6 Uhr war. Das war dann ganz nett, da nur der Besitzer und seine Familie da war, wenigstens noch eine Frau.

Mir wurde gesagt, dass Albanien sehr bergig sei, darum war ich sehr überrascht, als die ersten 100km bis zur Hauptstadt Tirane topfeben war und nicht gerade interessant. Darum bin ich gerade auf der Hauptstrasse geblieben und nur kurz in Lezhe abgebogen und Geld rauszulassen.
In dieser Gegend sieht man Frauen mit Trachten, wie ich es Mitten in Europa nicht mehr, wenigstens im Alltag, vermutet hätte.
Die Frauen tragen strahlend weisse Kopftücher, alte Frauen auch manchmal schwarz. Ich nehme an, dass die verwitwet sind.
Als Schnellstrasse in eine Autobahn überging und dann auch noch ein Schild kam, was alles dort nicht erlaubt war, habe ich mit dem Weiterfahren kurz gezögert. Da ich zu faul war, mir einen anderen Weg zu suchen bin ich weiter und habe so manch anderes Fahrzeug, das auf dem Verbotsschild war, entdeckt. An der ersten Tankstelle habe ich dann gefragt. Es hat ein bisschen gedauert, bis er kapierte, dass ich nicht nach dem Weg nach Tirane fragte, sondern ob ich hier auch mit dem Fahrrad fahren dürfte. Wahrscheinlich kam er gar nicht auf die Idee, dass man so etwas wissen wolle, natürlich dürfe ich hier fahren. Und ich muss sagen, diese 16km, bis auf einmal das Zeichen „Ende Autobahn“ kam, waren die angenehmsten in ganz Albanien. Da das Benzin sehr teuer ist, gibt es ausserhalb von Ortschaften nicht viel Verkehr, wenn dieser dann noch auf 2 Spuren verteilt wird und man selber noch einen breiten Seitenstreifen hat, hat man fast absolute Ruhe, es stank auch nicht so wie sonst und es gab keine Hunde.
Danach hat sich alles auf eine Spur wieder konzentriert, die Hunde und der Gestank kamen wieder und je näher ich Triane kam, desto dichter wurde der Verkehr.
In Albanien gibt es kaum Wegweiser und selten Ortsschilder, man weiss eigentlich nie wo man ist und wie weit es bis zu dem Ort ist, wohin man will. Als ich dann in einer recht grossen Stadt angekommen war, habe ich Polizisten gefragt, ob das Tirane sei. Nein, bekam ich zur Antwort, das sei Kamez, Tirane sei 3 km weiter. Keine Ahnung wo das eine aufgehört hat und das andere angefangen. Wenigstens sah ich einen Wegweiser nach Elbasan, wohin ich nach Tirane wollte. Die Stadt machte nicht gerade den Eindruck, als ob ich quer durch müsste und sie besichtigen, eigentlich wollte ich drum herum. Das wollten aber anscheinend die Stadtplaner, wenn es hier überhaupt so etwas gibt, nicht und ich befand mich auf einmal Mitten im Getümmel. Langsam wurde mir klar, soweit, dass ich ein Plätzchen zum Zelten finde, komme ich heute nicht mehr. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Hotel. So etwas gibt es hier sehr viele, die meisten aber erstaunlich teuer. Als ich endlich die Ausfallstrasse Richtung Elbasan gefunden hatte, das erste mal, dass es richtig den Berg hoch ging, fand ich dann ein Hotel für 12 Euro. Damit konnte ich leben. Ein Preis wie zu kommunistischen Zeiten, meinte der Besitzer. Die junge Frau an der Rezeption war äusserst freundlich und sprach sehr gut Englisch, war auch sehr an meiner Reise interessiert, fragte sehr viel, hat mich sehr gefreut.

Von meinem Zimmer hatte ich einen schönen Blick über die Stadt und sah, dass es dort auch gebrannt haben musste.

Am nächsten Morgen bekam ich ein albanisches Frühstück, was auf jeden Fall ein Glas Milch beinhaltet, dazu Fetakäse, Oliven, Eier, Brot etc. Nur keinen Kaffee, den musste ich extra ordern, aber nicht extra bezahlen. Im Gegenteil. Ich hatte nur einen 20 Euro Schein und sie konnte mir nur in Lekk, der Albanischen Währung herausgeben. Als ich nachgerechnet hatte, merkte ich, sie hat mir viel mehr herausgegeben, ca 10 statt 8 Euro, Das sei so OK, meinte die nette Frau. Unglaublich.

Dann ging es das erste mal in Albanien so richtig hoch, gleich 25 km auf 800 Höhenmeter, wo die Strasse auf einem nicht sehr viel breiteren Bergkamm entlang ging. Hier hatte man eine Aussicht in alle 4 Himmelsrichtungen.

Dann ging es mindestens genau so lange wieder bergab, bis ich in Elbasan war. Auch hier wollte ich mich nicht lange aufhalten, albanische Grossstädte finde ich nicht so attraktiv, nur kurz etwas zum Essen holen, vielleicht reicht es mir ja noch bis Gramsh, wo mich Diana und Alexander erwarteten.
Nachdem ich losgefahren war, zogen Wolken auf, es hat geregnet und geblitzt. An einer Tankstelle, wo gerade eine Horde Jungs auf ihren Bus warteten, stellte ich mich unter. Da war dann einiges im Gange. Nur ein Junge konnte sehr gut Englisch. Der musste dann die Fragen der anderen übersetzen.

Der Regen hat mich so ausgebremst, dass ich beschlossen habe, es nicht noch nach Gramsh zu versuchen, sondern mir unterwegs einen Zeltplatz zu suchen.
Eine Moslemin, die mich überhaupt nicht verstanden hat, schenkte mir ein paar Frülingszwiebeln, die sie gerade aus der Erde gezogen hat. Etwas weiter konnte ich dann an einem kleinen Restaurant zelten.

Auf meiner Karte hat es so ausgesehen, als ob Gramsh an einem schönen blauen See liegen würde, davon war aber nicht viel übrig.

Zuerst dachte ich, dass es auch einer der vielen Seen ist, der langsm komplett austrocknet. Hier ist es anscheinend nicht so schlimm, es wird ein Staudamm weiter oben gebaut, darum ist gerade kein Wasser drin.

Die Landschaft wurde immer schöner und bergiger. Schon um die Mittagszeit kam ich in Gramsh an, gerade rechtzeitig, bevor es angefangen hat zu regnen. Alexander hat mich an unserem Treffpunkt abgeholt. Er und seine Familie bewohnen den 4 Stock eines Gebäudes, das mich doch sehr an die Sowijetstyle- häuser in der Ukraine und Russland erinnerte, nur etwas neuer, aber genau so ohne Aufzug.
Kurz darauf kam auch seine Frau und die 1 jährige Tochter zurück. Nachdem gerade mein ganzes Gepäck samt Fahrrad hochgeschleppt war, kam jetzt noch der Kinderwagen und der Einkauf. Das hält ganz schon fit.
Die beiden arbeiten seit über einem Jahrals Missionare hier. Ich war ganz erstaunt, wie gut sie die Sprache schon beherrschen. Sie konnten mir vieles über das Land erzählen, was einiges für mich verständlicher machte.

Die ganze Nacht über hat es geregnet und mir war eigentlich nicht so nach weiterfahren. Trotzdem bin ich los, wer weiss, wann das wieder besser wird.
Wenigstens hat es nicht geregnet, als ich losgefahren bin. Die Strasse war nur aus Dreck. Auf den ersten 5 km habe ich noch gehofft, dass die Baustelle bald aufhört, dann musste ich der Tatsache ins Auge schauen, das war gar keine Baustelle, sondern die normale Strasse nach Maliq.

Mir wurde zwar gesagt, dass es eine schlimme Strasse sei, immerhin benutzte man noch das Wort Strasse, das hier war eine schlimme Schotterpiste. Der Regen der vergangenen Tage hat auch nicht gerade zur Verbesserung beigetragen, die Schlaglöcher waren jetzt schöne grosse Pfützen.

Keine Frage, es ging durch eine fantastische Landschaft, auch Albanien hat seine „Todesstrasse“.

Ganz schön tief ging es in die Schlucht hinunter wo ein brausender Fluss tobte. Zwar nicht ganz so tief wie in Bolivien, aber es reicht wie die vielzahl der Kreuze am Wegesrand zeigen.

Zeitweise war ich ganz schön verunsichert, ob ich überhaupt richtig bin, denn mir wurde gesagt, der Bus nach Maliq braucht 4 Stunden.

Mir war schleierhaft, wie hier ein Bus durchkommen sollte, vor allem hatte ich schon Schwierigkeiten, wenn mir ein Jeep entgegen kam. Wie soll ein Bus ausweichen?

Bis ich dann tatsächlich einen gesehen habe. Ich glaube, mit dem Bus hier durch ist noch ein grösseres Abenteuer.

Schon am Anfang der Strecke, als ich nach dem Weg nach Maliq gefragt hatte, wurde mir gesagt, es könne ganz schön matschig werden. Das sei es doch schon die ganze Zeit, meinte ich. Ein paar Kilometer weiter, sah ich, was er meinte.

Es kann gar nie so schlimm sein, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte. Zum Glück blieb der Matsch wenigstens nicht an den Reifen kleben.
Fahren konnte ich aber auch nicht mehr, ich habe ganz schön schlimm ausgesehen.

Mir war bald klar, bis Maliq schaffe ich es nicht mehr, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6-7 Km/h. Von Orten ist hier natürlich auch nicht die Rede. Irgendwo zelten war auch nicht möglich, wenn mal ein bisschen Grass am Fluss war, stand dieses schon unter Wasser oder man musste damit rechnen, dass es bald soweit sein würde,
Ab und zu kamen ein paar Häuser,,da wollte ich fragen.
Kurz vor Sonnenuntergang kam dann wieder ein fast verlassenes Dorf, oberhalb der Strasse, gerade noch 4 Leute wohnen hier.

Ich wollte eigentlich auf einer Wiese mein Zelt aufstellen, mir wurde aber gleich ein Zimmer in einem leer stehenden Haus zugewiesen. Hier habe ich mal wieder bereut, dass ich die Sprache nicht spreche. Nicht mal Nicken und Kopfschütteln dienen hier der Kommunikation, das wird ganz anders gedeutet.
Ich habe mich selber versorgt, was gegessen und bin eh bald eingeschlafen. Es waren zwar nur ca 48km, die hatten es aber in sich.

Wieder einmal Regen am Morgen, ich habe gewartet, bis es aufgehört hat. Ausgeruht ging es wesentlich besser weiter. Ich konnte fast alles fahren.
Allerdings ging es immer höher und je höher ich kam, desto mehr ging der Regen in Schnee über. Wieder einmal ging es an vereisten Wasserfälle vorbei, wie ich es schon kurz hinter Rheinfelden hatte.

Der ersehnte Asphalt kam dann nach ca 10km und kurz danach das erste richtige Dorf, wo sich eine Ladenbesitzerin sich sichtlich gefreut hat, dass ich es richtig genoss, wenigstens ein paar Lekks in Süsses umwandeln zu können.

Von da waren es nur noch wenige Kilometer nach Maliq, das hatte aber gereicht, dass der Regen in dicke Schneeflocken überging. Als ich in Algents Berbershop ankam, war ich tief verschneit.

Algent hat versucht, das Fahrrad notdürftig zu säubern, nachdem ich den gröbsten Schmutz schon an einem Brunnen beseitigt hatte. Ich konnte mich solange an seinem Ofen wärmen.

Es war 8.März, internationaler Frauentag, als ich in Maliq angekommen war. Am Nachmittag war in ihrer Gemeinde ein Fest für Frauen, war sehr nett, die Männer mussten draussen bleiben, durften nur rein, wenn sie etwas zu tun hatten. Es wurden kleine Theaterstücke aufgeführt, Reden gehalten und was wahrscheinlich nirgends mehr fehlen darf sind Quizspiele, a ala „Wer wird Millionär“ und Karaoke. Ich habe natürlich nicht viel verstanden.
Punkt 6Uhr war Schluss, vorbei war es mit „Frauentag“ daheim musste Algents Frau wieder in der Küche schnell das Abendessen für die ganze Familie zubereiten, die Kinder richten, Wäsche waschen etc. Ich als Gast durfte ihr nicht einmal helfen.

Der Schnee blieb zum Glück nicht liegen, so dass ich am nächsten Tag weiter konnte. Die ersten Kilometer waren sogar noch recht angenehm. Dann hat es wieder angefangen zu regnen. Ich war kurz vor der Grenze nach Griechenland, viele Grenzen scheinen in den Bergen zu liegen, auch jetzt ging es wieder hoch und ich kam wieder in ein Schneegestöber. Mein Empfang in Griechenland habe ich mir auch anders vorgestellt. Unterhalb 800m Regen darüber Schnee. Auch am nächsten Tag ging es nochmals Kräftig hoch. Leider habe ich von der schönen Landschaft sehr wenig gesehen.

Und dann kam nochmals richtig Schnee, auch auf der Strasse

War ich froh, seither zu faul gewesen zu sein und meine Reifen zu wechseln, ich fuhr immer noch mit meine Schwalbe Marathon Winter Spike Reifen.

Das war es hoffentlich mit Schnee, wieder ein paar 100m tiefer hat es geregnet und der Schnee war weg.
Nachdem ich nochmals einen ganzen Tag im Regen gefahren bin, kam in Thessaloniki an. Trotz Regen war es noch etwas angenehm, da es erstaunlich eben mit etwas Rückenwind war.
Allerdings habe ich selten ausserhalb von Australien so viele überfahrene Tiere gesehen, vor allem Hunde. Auch sieht man so, was es sonst noch für Tiere gibt, zum Beispiel Dachse und eine Art Iltis. Manche sahen so aus, als ob sie schon länger hier liegen würden.
Wenn das Wetter so schlecht ist, tröste ich mich meistens mit etwas Leckerem zum Essen. So habe ich auch hier an einer Konditorei halt gemacht und habe mir drei von den vor Zucker triefenden, türkisch-griechischen Teilen gekauft, d.h. nicht wirklich gekauft, denn als ich zahlen wollte, wollte die Dame gar kein Geld und hat sie mir geschenkt. Das erstaunt mich immer wieder, gerade hier, da es den Griechen sehr schlecht geht.

Gut gelaunt und viel früher als gedacht, kam ich in Thessaloniki an. Dass es in der Stadt ein paar ambitionierte Radfahrer gibt, sieht man an den Fahrradwegen in der Stadt und an den bunt angemalten Fahrrädern überall.

Bei zwei Radfahrern, Stelios und Antigone, konnte ich hier übernachten. Zwei volle Tage waren wir hier mit dem Fahrrad unterwegs, ich glaube ich habe fast jeden Winkel dieser reissigen Stadt gesehen, die mir ausgesrochen gut gefallen hat.
Durch enge Gässchen ging es bis zur Burg hoch,


von wo man eine fantastische Aussicht hatte


– bis es wieder angefangen hat zu regnen. Aber auch hier kam langsam die Sonne durch, dass ich nach zwei Tagen mit neuer Energie weiter fahren konnte, weiter Richtung Osten, Türkei.

Sibirische Kälte

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Von wegen sibirischer Kaelte! So kalt war es in Sibirien nie! Seit fast einer Woche bin ich nun schon unterwegs. Eine Woche kalte Fuesse und Haende. Ich bin ja selbst schuld es zwingt mich ja niemand.

Ab Lahr war es eigentlich noch angenehm. Nordwind – Rueckenwind, das ist lange nicht so kalt.

Die Dreisam war auch schon fast zugefroren, eisiger Wind, der allerdings zum Glück hauptsächlich von hinten kam.

Mein erstes Ziel in Freiburg war der Deutsche Paket Dienst. Am Tag zuvor habe ich einen Anruf bekommen, dass mein Zelt jetzt dort sei. Sie wollten nur noch die Lahrer Adresse bestädigt haben. Halt, stopp, meinte ich. Das machte nun wirklich keinen Sinn, dass ich nach Freiburg fahre und mein Zelt zur gleichen Zeit nach Lahr geliefert wird. Also haben wir ausgemacht, dass ich es direkt dort abhole. Da es im Norden der Stadt liegt, bedeutete es für mich auch keinen allzu grossen Umweg.

Ja, in dem Paket ist wirklich nur das Hilleberg Soulo. Beim Versand wird es sehr räumig verpackt. Das Paket wurde einfach oben auf mein Fahrrad geschnalt und so ging es dann quer durch Freiburg, bis ich kurz vor 16 Uhr bei Claudia war.
Vor einer Dusche oder sonstigen Annehmlichkeiten musste ich zuerst mal das Zelt aufstellen, Paulina, Claudia’s Tochter, hat mir dabei gerne geholfen. In Zukunft muss ich es aber alleine hinbekommen, was kein Problem sein dürfte.
Dann endlich eine heisse Dusche und später noch ein leckeres Essen.
Allzu lange sind wir nicht mehr mit einem Glas Wein vor dem Kamin gesessen, bald vielen mir die Augen zu, aber ich fühlte mich so wohl, wie seit Tagen nicht mehr.

Am nächsten bin ich voller Energie und neuem Tatendrang recht früh aufgewacht. So kann man eine Reise starten dachte ich.
Beim Frühstück haben wir verschwätzt. Es war schon 9Uhr bis ich los kam.

Trotz Kälte ging es mir richtig gut und habe mich sehr gefreut, wieder auf dem Fahrrad zu sitzen.
Weiter ging es auf dem Radweg entlang der B3. Das hatte den Vorteil, es kamen immer wieder Supermärkte mit einer Cafeecke, wo ich mich aufwärmen konnte.

Bald hatte ich die Möglichkeit meine Spikes zu testen.


Dass ich so früh im Schnee stehen würde, hätte ich nicht gedacht. Die Strassen waren geräumt und trocken, der Radweg aber nicht.

Kurz darauf kam eine weiter Hürde, der „Berg“ hinter Schliengen. Spätestens hier wurde mir bewusst, zu was für einer Couch Potato ich geworden bin und natürlich, dass ich viel zu viel Gepäck dabei habe. Wohlweisslich bin ich um die nächsten Hügel drumrum gefahren. Zum Glück habe ich bis zu den richtigen Bergen noch ein paar Trainingseinheiten.

Ab da lag immer mehr Schnee, überhaupt in den Seitenstrassen und wärmer wurde es auch nicht. Sehr froh war ich, als ich bei Elisabeth und Robert angekommen war. So eine heisse Dusche tut einfach Wunder. Wenn man am Abend eine solch nette Gesellschaft hat, lassen sich die Strapazen tagsüber besser ertragen

Von Lörrach ab wurde es erst recht unangenehm. Zuerst durch Riehen, wo ich direkt zum Rhein wollte, dann aber im Schnee stecken geblieben bin. Mit soviel Gepäck und soviel Schnee bringen auch die Spikes nicht mehr viel.
Dann endlich am Rhein bliess mir der Ostwind direkt ins Gesicht. Und das sollte 4 Tage lang anhalten.


Kein Wunder, dass hier nichts schmilzt, nicht der Schnee, der schon fast eine Woche dort lag, noch die Eiszapfen, die eher noch wachsen.

Den Rheintalradweg bis zum Bodensee bin ich schon öfters gefahren, aber nie unter diesen Bedingungen. Um nicht wieder im Schnee stecken zu bleiben, blieb ich eher an der Strasse, was wegen dem Verkehr auch nicht gerade angenehm war.

Manchmal gab es auch nette Ausblicke.

Im Vergleich zu meinen sonstigen Distanzen, die ich an einem Tag auf dieser Strecke zurückgelegt hatte, kam ich wegen dem Wind, der Kälte und natürlich Mangels Fittigkeit, kaum vorwärts.

Hinter Waldshut fand ich eine sehr günstige Herberge. Hier war ich richtig froh um ein paar Dinge, die ich mit mir mitschleppte. So musste ich auch hier nicht mehr weg, sondern konnte in meinerm Zimmer ein Süppchen kochen. Keine Angst, nicht mit meinem Benzinkocher, sondern mit einem uralten kleinen Tauchsieder. Ausserdem war es so kalt, dass auch mein Schlafsack zum Einsatz kam.

Am nächsten Tag wurde es noch schrecklicher. Alles Grau in Grau, eiskalter Gegenwind. Weil es entlang der Strasse sehr unangenehm wurde, bin ich auf dem Radweg geblieben. Auch direkt runter an Rhein und am Wasserfall vorbei. Hier hatte ich dann eine extra Trainingseinheit, bezüglich Fahren auf einem schmalen, steilen Waldweg im Schnee, Stein und Eis, Geht alles, man muss es nur laufen lassen und hoffen, dass man nicht abrutscht. Sonst wäre ich unweigerlich im Rhein gelandet.

In Schaffhausen bin ich direkt in einen Fastnachtsumzug gefahren. Zuerst wollte ich weiter nach Deutschland und eine günstige Übernachtung finden, dann war es mir aber so kalt, dass mir alles egal war und ich ins nächste Backpackers bin. Trotz den Fastnachtsveranstaltungen habe ich prima geschlafen.

Bei schönstem Sonnenschein ging es am nächsten Tag weiter

So machte das Fahren wieder richtig Spass. Nach dem Schneetraining am Tag zuvor, traute ich mich auch wieder auf die Radwege

Die ersten 12 Km ging es praktisch so durch den Schnee. Deswegen musste ich zuerst mal in Stein am Rhein eine Pause einlegen. Das Cafe war voll von einer russischen Reisegruppe, die sollten ja die Kälte gewohnt sein.

Die Stimmung entlang des Untersees war sehr schön. So am Sonntag bei Sonnenschein scheint es viele zu geben, die die Kälte geniessen. Einige Eisläufer waren auf dem See. So oft werden sie dafür auch keine Gelegenheit habe.

Vorsichtshalber habe ich am Morgen im Internet geschaut, ob, die Fähre Konstanz – Meersburg fährt.

Ausserdem habe ich eine Übernachtungsanfrage bei einer Frau in Lindau gestellt und bekam sofort eine Zusage. Das hat mich sehr gefreut.

In Konstanz war relativ wenig los. Schnell bin ich auf die Fähre, wo ich mich schön aufwärmen konnte.

Auf der anderen Seite in Meersburg bin ich wieder in eine Fastnachtsveranstaltung geraten.

Nur noch der letzte Schluss von dem Umzug musste durch das enge Tor, durch das ich in die Gegenrichtung musste..

Es war so schön, dass ich einfach weiter gefahren bin. Trotz der Übernachtungseinladung in Lindau am nächsten Tag, bin ich bis zur Jugendherberge gefahren. Um diese Jahreszeit kann auch ich dort gut nächtigen, es war kaum jemand dort und ich hatte ein 4-Bettzimmer für mich allein.

War ich am nächsten Tag froh, dass ich nur nach Lindau musste. Ich war total schlapp, es war immer noch kalt, aber nicht mehr so windig. Es sah wirklich so aus, als ob es bald schneien würde. Was sollte ich dann machen? Es wäre wohl besser gewesen von Basel mit dem Zug nach Mailand zu fahren. Die Strecke bin ich auch schon mit dem Fahrrad gefahren und dann wäre ich auch gleich weg gewesen. Das ist auch was, das mich störte. Am Anfang war es ja noch nett, sich nochmals von Freunden zu verabschieden. Aber jetzt ist es einfach nervig schon so lange unterwegs zu sein und nicht richtig fort. Bisher kam noch nichts Neues. Aber darüber zu lamentieren, bringt auch nichts, ich überlegte mir daraus resultierende Konsequenzen.

Auf einmal kam mir die Idee, von Lindau aus mit dem Zug zu fahren. Meine Abenteuerlust war so ziemlich eingefroren. Ich schaffte ja noch nicht einmal in der Ebene eine angemessene Strecke, wie sollte es dann erst in den Bergen aussehen? Wenn es wirklich noch schneien sollte, sind die Radwege unbefahrbar. Die Autofahrer lieben es auch nicht gerade, wenn auf dem engen Raum zwischen Schneehügel eine vollbepackte Radfahrerin hin und her wackelt.

Dies führte dazu, dass ich in Lindau zuerst mal auf den Bahnhof bin und mir Verbindungen raussuchte. Dann bin ich in ein Cafe, wo es freies WLAN gab und habe nochmals alles durchgecheckt, Strecken, Wettervorhersage, Züge etc…

Mir wurde immer klarer, das Vernünftigste ist wirklich mit dem Zug weiter zu fahren. Die Strecke über die Alpen kann ich immer noch mal im Sommer fahren. Für richtie Bergetappen brauche ich noch ein paar Trainingseinheiten in der Ebene und wenn möglich keinen Schnee.

Bevor ich zur Gabi bin, bin ich nochmals am Bahnhof vorbei. Ich war mir noch nicht sicher, ob ich gleich ein Ticket kaufen sollte, wollte nur mal wissen, ob ich die Radreservierung auch noch am Tag der Fahrt machen kann. Die Frau am Schalter meinte, sie wisse nicht mal, ob ich jetzt noch eine

Reservierung machen könne. Da um diese Jahreszeit keine Radfahrer unterwegs sind, war das kein Problem. Allerdings hat dies mich doch dazu veranlasst, mir gleich ein Ticket nach Verona und eine Reservierung zu besorgen.

Immer, wenn ich endlich eine Entscheidungen getroffen hatte, geht es mir fantastisch. Sehr gut gelaunt bin ich dann zur Gabi, wo wir einen sehr netten Abend verbrachten.

Als ich am nächsten Tag aus dem Fenster schaute, wurde mir ganz schnell klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Alles war weiss. Es muss die Nacht durchgeschneit haben. So hätte ich schon Schwierigkeiten gehabt, von der Insel zu kommen, trotz Spikes. Schnee auf Kopfsteinplaster mit schwerem Gepäck ist einfach eklig.

Bis zum Bahnhof schaffte ich es allemal.

Was ich so alles vom Zug aus gesehen habe, überzeugte mich noch mehr von meiner Entscheidung. Da wäre ich unter keinen Umständen durchgekommen.

Auf der anderen Seite des Brenners scheinte die Sonne, so kann die Reise angenehmer weitergehen.