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Women's Cycling Guide

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Viel Spass,
Dorothee Fleck

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Durch das mittelalterliche Europa

Schweren Herzens flog ich am 24. April nach Europa, wohlweislich nicht direkt nach Deutschland, sondern zuerst einmal nach Madrid um mich dann langsam Deutschland zu nähern. Ich wurde in eine ganz andere Welt katapultiert. Meine Schwermut hielt nicht lange an, erstens wurde ich von Inma, einer Radfahrerin aus Madrid äusserst nett empfangen, hatten lange Diskussionen über Radfahren und das Leben überhaupt,  und zweitens war ich von der Stadt sehr begeisterte. DSC09014Ich war wirklich erstaunt, dass mir nicht bewusst war, wie schön die Stadt ist, obwohl ich schon einmal hier war. Vielleicht war ich jetzt besonders sensibilisiert dafür, da ich solch prachtvolle Schlösser DSC09005alte Häuser und enge Gässchen schon lange nicht mehr gesehen habe.

Von Inma bekam ich eine Wegbeschreibung, wie ich am besten mit dem Fahrrad die Stadt verlasse. Auf rot markierten Fahrradwegen ging es aus der Stadt, durch Parks, auf wenig befahrenen Strecken an Palästen vorbei, wie hier
DSC09017der Palacio de Aldovea. Es war wahrscheinlich auch die beste Jahreszeit, alles war grün, die Sonne schien und strahlend blauer Himmel.

Als ich mich dann auf dem Single Trail wieder fand,
DSC09020

war ich schon etwas erstaunt. Wenn mich jemand gesehen hätte, hätte er mich sicher für verrückt erklärt, mit dem ganzen Gepäck dort lang zu fahren. Ich hatte ja mittlerweile genug Übung, hatte deswegen keine Bedenken.

Die Wegbeschreibung endete in Alcalá de Henares, einem uralten Ort, Weltkulturerbe,  von dem ich noch nie etwas gehört hatte, andere anscheinen schon, es wimmelte von Touristen.

Eines der positiven Seiten wieder zurück in Europa zu sein, war erst einmal der Frühling,  alles grünte und blühte, dann die langen Tage. Ich geriet nicht mehr so unter Stress, da es am Abend noch lange hell war, um einen Platz zu finden, wo ich mein Zelt aufstellen konnte.

Am nächsten Tag beschloss ich trotz meiner Aversion gegen grosse Städte durch Guadalajara zu fahren um ein paar Sachen zu besorgen. Und wieder wurde ich mit prachtvollen Bauten belohnt,

DSC09027wie hier der Palast Infantado, der im 15./16. Jh erbaut wurde, an dem man gut den arabischen Einfluss sehen kann
DSC09030Langsam hatte ich das Gefühl, ich fahre durch ein riesiges Open Air Museum und verstand meine australischen Freunde, die sehr gerne nach Spanien und Frankreich zum Radfahren kommen. Solch historische Bauten gibt es in Australien, Neuseeland und auch in Südamerika nicht.

DSC09036Selbst die vielen kleinen Dörfer haben meist eine Kirche aus dem 12. Jh zu bieten.

Was auch zum Genuss durch Spanien zu radeln beigetragen hat, waren die viele Verästelungen des Jakobsweges

DSC09038Kaum ein Weg der nicht mit der gelben Muschel, dem Wegweiser nach Santiago de Compostella, gekennzeichnet war. Hier fand ich eine Teilstrecke, die in meine Richtung führte und auch gut mit dem Fahrrad machbar war.
DSC09044Es gibt auch noch in Europa herrliche, einsame Gegenden zum Fahrrad fahren. Es ist allerdings nie so abgelegen, dass man befürchten muss, kein Wasser mehr zu finden oder Proviant für die nächsten Tage mitschleppen muss.

Die ganze Jakobsweg Initiativen haben auch noch einen anderen Vorteil: günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Wenn man mal von der Hauptroute von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago absieht. Eines Abends kam ich in eine kleine Stadt, in Mitten von Weinbergen und Obstplantagen. Kein guter Platz zum Zelten, darum beschloss ich in dem Ort nach einem Zimmer zu fragen. Die Polizei kam herbei und fragte mich, ob ich auf dem Camino unterwegs sei. Zuerst meinte ich, nicht direkt, worauf der sehr nette Polizist meinte, ich solle einfach „ja“ sagen.  Für Pilger werden in dem Ort die Baracken für Saisonarbeiter, Obstpflücker zu Verfügung gestellt. Mit einem „echten“ Pilger aus Barcelona, teilte ich mir die luxuriöse Baracke. Natürlich war sie nicht wirklich so luxuriös, wenn man es allerdings mit dem Zelt vergleicht, ist schon eine Dusche mit heissem Wasser, Herd, Kühlschrank etwas ganz  besonderes.

Einer meiner letzten Ziele war Andorra. Diese Berge in den Pyrenäen wollte ich mir einfach antun. Dazu ging es zuerst durch die alten, fast total verlassen Dörfer.
DSC09054Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die Gesamtbevölkerung wohnt in Madrid und den anderen wenigen grösseren Städte in Spanien. Der Rest ist weitgehendst leer.

Manchmal wurde ich gefragt, woher ich komme. Als ich Deutschland sagte, wollten sie kaum glauben, dass ich von Deutschland, nach Spanien mit dem Fahrrad gefahren bin. Dabei habe ich nicht einmal erwähnt, auf welchen „Umwegen“ ich von Deutschland nach Spanien gefahren bin.

Entlang von Flüssen und Seen ging es auf der C-13 in die Berge.
DSC09070Tiefe Schluchten, vor allem, wo der Fluss gestaut wurde, und leuchtend türkisfarbenes Wasser.
DSC09074Vor lauter Begeisterung von der Landschaft, fällt einem kaum auf, wie es den Berg hoch geht. Es war Wochenende und wunderbares Wetter. Das nutzten viele Motorradfahrer aus. Ich beschloss eine kleinere Route zu wählten. Der Besitzer des Campingplatzes meinte noch, das wäre zu gefährlich, kleine schmale, kurvige Strassen, da wäre kaum ein Auto unterwegs. Er sah schnell ein, dass das genau das war, was ich wollte und er es nur von der Autofahrerperspektive gesehen hat.

Hier ging es jetzt wirklich den Berg hoch,
DSC09078durch das kleine Örtchen Boixols. Sehr bemerkenswert, in welcher Abgeschiedenheit hier die Leute leben.
DSC09086Anscheinend kommen noch andere Fahrradfahrer auf die Idee über den Pass de Boixol zu fahren, sonst wären nicht nach jedem Kilometer diese Hinweisschilder
DSC09091Man wird ständig über Höhe und % Steigung auf dem Laufenden gehalten. Anscheinend brauchen das die Rennradler. Ich war die einzige die voll beladen die Berge erklommen hat.
DSC09094Wie fast immer, als Belohnung hat man eine wunderbare Abfahrt.

Nach Andorra hat mein nicht viel Möglichkeiten, ich blieb auf der N14, die am Montag morgen zum Glück nicht mehr so befahren war, wie am Sonntag Abend. Sanft geht es auf dieser Seite hinauf zur Grenze.
DSC09099In diesem Steuerparadies wird man zuerst mal mit einem Shopping Center an dem anderen empfangen, was im krassen Gegensatz zu der schönen Bergwelt steht. Da mir gerade am Abend vorher mein Kocher kaputt gegangen ist, habe ich doch das eine oder andere von innen angeschaut, ich brauchte unbedingt einen Neuen.

Ziemlich in der Mitte des Minilandes die Stadt Andorra.
DSC09103Auch vom Konsum geprägt, überhaupt wenn man etwas für den Motorsport möchte, ist man hier an der richtigen Adresse. Sie hat aber auch eine schöne Innenstadt, wo ich das erste Mal seit langem auf viele deutsche Touristen traf, was mir wieder das baldige Ende der Reise bewusst machte.

Nach Andorra Stadt geht es richtig bergauf.
DSC09106Auch hier wird man stets informiert, wie weit es noch zum Pass ist, wie viele Höhenmeter man noch hoch muss, welche Steigung einen auf dem nächsten Kilometer erwartet.
DSC09107Recht praktisch, so kann man seine Kräfte gut einteilen. Auch hier kamen nur Rennradler vorbei. Schwer beladen wie ich war, erhielt ich einige anerkennende Bemerkungen von den jungen Burschen. Als Frau in meinem Alter gefällt einem das besonders.

Auch ich erreichte schliesslich den Pass (2408m)

DSC09111Die Skisaison muss gerade beendet worden sein. In dem riesigen Skigebiet lag noch viel Schnee auf den Pisten.

Hinter dem Pass kommt bald die französische Grenze. Vorher aber noch die Konsumtempel.
DSC09115Vor allem Zigaretten, Alkohol und Schokolade! Wenn ich gewusst hätte, wie teuer Frankreich ist, hätte ich mich auch etwas besser eingedeckt. DSC09117Danach hatte man einen weiten Blick ins Tal. So wie das da hinunter ging, befürchtete ich schon, dass ich dann auch ganz schön wieder nach oben muss. Zuerst einmal genoss ich die ca 37 km hinunter auf ca 800 Höhenmeter in den Badeort Ax-les-Therme. Jetzt war ich schon in Frankreich, das Ende nahte mit jeder Radumdrehung.  Bis zum Schluss wollte ich die Reise noch geniessen.

Vorerst wurde ich noch gefordert. Ein Pass jagte den anderen.

DSC09119Raus aus dem Tal von Ax-les-Therme war es der Höchste
DSC09120Auch hier wurde einem immer wieder der Lagebericht präsentiert.
DSC09121Das Wetter machte zum Glück noch mit und der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite.
DSC09124Es war schon Spätnachmittag als ich den Col du Chioula erreichte, auf einer kleinen Wiese in einem kleinen Dorf konnte ich mein Zelt aufstellen.

Anstatt einer schönen Abfahrt, wieder Pässe.
DSC09126Dann auch noch dichter Nebel. Ich habe mir überlegt, wann ich das zum letzten Mal hatte, keine Ahnung. Für mich war es eine typisch europäische Erscheinung.

Die Pässe wurden immer niedriger, manchmal hatten sie kaum diesen Namen verdient.

Auf dem Weg nach Narbonne gelangte ich auf die Route de Cathare. Es war noch hügelig, aber fast auf jedem Hügel befand sich eine Burg, Schloss oder Kloster.

DSC09128Dann endlich Narbonne,

DSC09139So nah am Mittelmeer, dass nun wirklich alle Berge und Pässe der Vergangenheit angehörten. Vor allem als ich nach Beziers an den Canal de Midi kam,
DSC09153gönnte ich mir einen Tag „Erholungsradeln“, einfach so am Kanal entlang gondeln hat schon was für sich. Allerdings war ich über die Vielzahl der Radfahrer, vor allem Familien erstaunt. Erst am Tag danach fiel mir auf, es war ja 8. Mai, Feiertag in Frankreich.

Einen Tag kann ich das schon mitmachen, danach brauche ich wieder einsamer, interessantere Strecken, was da unten am Mittelmeer kaum zu finden ist.

DSC09160Auch hier waren einige Radfahrer unterwegs. Die neu angelegten Radwege und das prima Wetter waren auch zu verlockend.
DSC09161Eigentlich braucht man gar nicht in die weite Welt fahren, auch hier, in der Camargue gibt es rosa schimmernde Salzseen und Flamingos, die allerdings mehr weiss als rosa sind.
DSC09164In der mittelalterlichen Stadt Aigues-Mortes war auch die Hölle los. Das angenehme war, die Touristen mussten ihre Autos vor den Stadttoren lassen. Aber auch so bin ich mit dem Fahrrad kaum durchgekommen.
DSC09169Fast alle der zahlreichen Plätze wurden von den Cafés und Restaurants eingenommen, praktisch jeder Tisch war besetzt, nichts für mich. Unter dem Aspekt lohnt es sich in die weite Welt zu fahren.

Kaum aus der Stadt heraus, traf ich auf das erste Schild für den Fahrradweg der Rhone entlang.
DSC09171Fantastisch und erstaunlich ruhig konnte man auf neuem Belag dahin fahren. Vor allem war erstaunlich, dass mir nur sehr wenige Radfahrer begegneten. Es dauerte nicht lange, da merkte ich warum. Nach ein paar Kilometer war vorerst Schluss. Ein Radfahrer erklärte mir, dass dieses Teilstück erst seit diesem Jahr fertig ist, wahrscheinlich deswegen noch recht unbekannt.

Dann konnte ich wieder meine eigene Strecke über die Dörfer suchen, was nicht mehr so einfach, aber ruhiger und interessanter war.

Als ich weiter nördlich an die Rhone kam, waren die Feiertage und Wochenende vorbei, ich konnte mich wieder an den teilweise neu angelegten Fahrradwege erfreuen. Manche Abschnitte sind noch nicht fertig, aber bald kann man wahrscheinlich von hier bis an das Mittelmeer nur auf Fahrradwegen fahren.

Nicht immer sind die Strecken angenehm, die Dichte der Kernkraftwerke entlang der Rhone ist sehr hoch.
DSC09178Die Bemalung der Kühltürme macht es für mich auch nicht angenehmer.
DSC09180In den idyllischen Abschnitten kann man deren Existenz leicht vergessen und sich an dem Grün der Natur erfreuen, überhaupt wenn jegliche Strassen weit entfernt sind.

Eigentlich dachte ich, ich komme zur Kirschblüte zurück,
DSC09183war dann nicht enttäuscht, dass die Früchte im Rhonetal schon teilweise reif waren. Das erfreut doch immer wieder, wenn man neben dem Baguette,
DSC09187was erfrischendes bekommt.

Am 15. Mai wollte ich in Deutschland sein. Mir war klar, dass es mir zeitlich nicht reichte, überhaupt da ich die Fahrt über die Pyrenäen so sehr genossen hatte und ein paar Schlenker gefahren bin. Die Strecke von Strasbourg, nach Lyon bin ich schon so oft gefahren, dass ich es nicht als Verlust ansah, dieses Mal den Zug zu nehmen.

Allerdings habe ich immer einen grossen Bogen um Lyon gemacht. Diesmal sagte ich mir, jetzt war ich in so vielen Millionen Städte, dass ich ruhig auch in die Innenstadt von Lyon fahren kann.  Dieser Abschnitte fehlt noch total vom Rhonetalradweg und es wird empfohlen den Zug zu nehmen. Schlimmer als Hongkong oder Manilla wird es schon nicht werden, dachte ich. Tatsächlich war es dann auch ein Klacks. Ein netter älterer Radfahrer zeigte mir auf der Karte genau, wie ich fahren muss. Immer schauen, dass man die Rhone neben sich hat, auch wenn teilweise Autobahnen dazwischen sind.

In meiner letzten Nacht wollte ich unbedingt nochmals zelten, meine Freiheit geniessen, fand dann etwas nördlich am Gestade der Saonne ein uneinsichtiges Plätzchen. Normaler Weise schaue ich, dass ich weiter weg von der Bevölkerung bin, das ging hier nicht und ich war zuversichtlich, dass mir jetzt in der letzten Nacht nichts passieren wird. Dem war dann auch so, ich glaube nicht einmal, dass mich jemand gesehen hat und ich konnte es schön in Ruhe geniessen.

Am nächsten Tag trat ich schweren Herzens meine letzte Etappe an. Zuerst zurück nach Lyon auf den Bahnhof.

DSC09197Die Zugfahrt war etwas komplizierter, da die TGVs von Lyon nach Strasbourg keine Fahrräder mitnehmen. So musste ich zweimal umsteigen, was die Rückkehr nach Deutschland um ein paar Stunden wenigstens verzögert.
DSC09199In Strasbourg am Münster dachte ich, schon ein imposantes Gebäude, dafür bin ich aber nicht zurück gekommen. Weiter zum Rhein, auch hier hat sich fahrradmäßig einiges getan, alles viel einfacher als noch vor 20 Jahren.
DSC09203Deutschland schien sich nicht so sehr über meine Rückkehr zu freuen, der Himmel war total schwarz und ich wartete nur darauf, bis es anfängt zu regnen. Das erleichterte meine Heimkehr auch nicht besonders.

Jetzt umdrehen wäre ja auch blöd, dachte ich und machte mich auf die „Passerelle des Deux Rives“, die Fahrrad und Fußgängerbrücke, die seit der Landesgartenschau die zwei Rheinufer miteinander verbindet.

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Auf der Brücke sah ich auf der anderen Seite einige Orte, die in mir nette Erinnerungen mit Freunden wach riefen. Bei aller Trauer um meine verlorene Freiheit und Abenteuer, sehe ich jetzt wieder Freunde und Familie. Zuerst besuchte ich Freunde in Kehl, dann kam meine Schwester und holte mich ab.

Sesshaft möchte ich mich momentan noch nicht werden, brauche noch ein paar Wochen um alles nötige zu regeln, mein Fahrrad und Ausrüstung wieder in Ordnung zu bringen und Vorträge vorzubereiten. Mal sehen, was sich sonst noch Interessantes ergibt.

So, das ist jetzt das

Ende 

des Blogs. Zum allerletzten Schluss noch ein paar Fakten:

Dauer: 2 Jahre, 3 Monate, 1 Woche
Länge: 48028km
Platten: keine Ahnung, aber sehr wenige
Unfälle: keine nennenswerten

Weitere Informationen über meine nächsten Vorhaben werden auf meiner Web-Seite „www.dorothee-fleck.com“ bekannt gegeben.

Urlaub in Uruguay

Gleich hinter der Grenze Brasilien / Uruguay, war der Unterschied zwischen den zwei Ländern deutlich zu spüren:
DSC08759Auf einmal war es schön ruhig, leer und kein Verkehr. Es war so richtig entspannend zu fahren.
DSC08764Mit den schönen Plätzen am Strand, fühlte es sich wie Urlaub an.

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Da ich mich um nichts mehr viel kümmern musste, ich hatte noch genug Zeit bis zu meinem Flug, Essen, Wasser, Übernachtungsmöglichkeiten gab es genug, beschloss ich,  in Uruguay Urlaub zu machen. Es gab sowieso zu viele schöne, interessante Sachen, um einfach durch zu brausen.
DSC08773Z.B. die Fortaleza de Santa Teresa, einer der ältesten Bauwerke, die ich in Südamerika gesehen habe. Die Portugiesen begannen schon im 18. Jh mit dem Bau, wurde dann von den Spaniern vollendet. Diese eindrucksvolle Festung befindet sich im Parque National de Santa Teresa
DSC08789der durch die Vielzahl der verschiedenen Baumarten bekannt ist.
DSC08803Vor allem natürlich Palmen.
DSC08811So ruhig wie das Land ist, so entspannt sind die Leute, vor allem in Cabo Polonio, der in den Atlantik ragenden Halbinsel.

DSC08829Die ganze Gegend ist heute Naturschutzgebiet. Obwohl es an kein Strassen- oder Stromnetz angeschlossen ist, gibt es einen Ort, in dem nicht einmal 100 Leute leben. Früher waren es hauptsächlich Fischer, heute wechseln sich kleine Restaurants, Hostels und vor allem Künstlerbuden ab. Die schöne Strände in den Buchten locken einige Touristen her.
DSC08835Um den Leuchtturm tummeln sich die Seelöwen, deren Anzahl weit höher ist als die der Menschen.
DSC08841Je südlicher man kommt, desto mehr nimmt die Bevölkerung zu.
DSC08854Und umso exklusiver wird es. Der erste grössere Ort ist Maldonado mit der vorgelagerten Touristendestination Punta del Este. Diese auf einer Halbinsel gelegene Stadt liegt an der Mündung des Rio de la Plata in den Atlantik. Allerdings ist der Fluss hier so breit, dass man meint es sei schon das Meer. Allerdings merken vor allem die Surfer den Unterschied. Auf der Meerseite ist es weit ruppiger als auf der Flussseite.

DSC08863Der Anblick von Weitem reichte mir. Diese Hochburgen musste ich nicht von Nahem gesehen haben. In Maldonado traf ich Anita und blieb ein paar sehr inspirierende Tage. Sie ist auch passionierte Radreisende und hat ihm Rahmen ihrer Diplomarbeit in Psychologie einen Film über die Freiheit beim Radreisen gemacht. Leider ist dieser Film auf YouTube in Deutschland wegen GEMA Rechten nicht verfügbar!!

Nachdem ich wieder einige meiner Sachen in Ordnung brachte und Anita mir Übernachtungsmöglichkeiten für Montevideo und Buenos Aires besorgt hatte (vielen Dank), ging es weiter Richtung Südwesten. Ich liess mir massig Zeit. Wenn ich wie hier

DSC08871ein schönes Plätzchen am Strand fand, gab es für mich keinen Grund weiter zu fahren. Wie auch schon zu Anfangs bemerkt, ich war ja jetzt quasi im Urlaub.

Auf einmal kamen mir die ersten Horden Radfahrer entgegen. So etwas hatte ich seit China nicht mehr gesehen.
DSC08884Sie kamen aus Chile, Argentinien, Deutschland, Frankreich etc… und waren allen auf dem Weg zur Fussball-WM nach Brasilien.

In Montevideo konnte ich bei Freunden von Anita wohnen. Da Anita ist schon wesentlich jünger als ich, die Jungs sind noch jünger, war aber sehr nett, so konnte ich die grosse Stadt sehr gut ertragen. Obwohl ja 1,5 Millionen Einwohner für eine Hauptstadt des Landes nicht gerade gross ist.
DSC08897Um den Plaza Independencia gruppieren sich die alten Gebäude,
DSC08898wie hier das Palacia Salvo. Erstaunlich wie hoch die sind. Dieses war mal das höchste Gebäude Südamerika (105m), es wurde Anfang des 20.Jh fertig gestellt. Mitten auf dem Platz befindet sich das Mausoleum des Artigas, dem uruguayischen Freiheitskämpfer. Ich konnte nicht glauben, dass man da wirklich die sterblichen Überreste sieht. Also musste ich hin, war dann einerseits beruhigt, andererseits enttäuscht, dass da nur eine grosse Urne stand, die von zwei Soldaten bewacht wurde. DSC08918Schlendert man durch die Nebengassen stösst man immer wieder auf Plätze und Kirchen. Die Stadt hat wirklich einiges zu bieten.

Auf dem Weg nach Colonia del Sacramento traf ich wieder auf ein paar Radfahrern auf dem Weg nach Brasilien. Dieser hatte was patentverdächtiges auf dem Kopf,
DSC08929ein Helm mit einem Solarladegerät, Marke Eigenbau. Näher kann das Gerät der Sonne nicht kommen. Leider ist das Gerät auch in dieser Position nicht leistungsfähig genug.

Ende des 19. Jh. kamen viele Europäer nach Uruguay, auch Schweizer, die Nuevo Helvetica gegründet hatten.
DSC08933Diese Kolonie ist mittlerweile zu einer kleinen Stadt heran gewachsen.
DSC08939Der Bezug zum europäischen Heimatland ist noch klar ersichtlich.

Noch ein Stückchen weiter im Westen ist das kleine, Weltkulturerbe-Städtchen Colonia del Sacramento.

DSC08963Es wurde schon Ende des 17.Jh von den Portugiesen gegründet, als Festung gegen die Spanier auf der anderen Seite des Rio de la Plata in Argentinien. Es war Jahrhunderte mitten im Feuergefecht zwischen Spanien und Portugal, bis es 1995 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
DSC08969Jetzt wird es nur noch von Touristen bestürmt. DSC08974Auch ausserhalb der Altstadt ist es sehr malerischDSC08953wie die Häuserwand der Bibliothek, mein Fahrrad ist kaum zu entdecken.
DSC08950Dafür die anderen Mietfahrräder.
DSC08952Eigentlich sehr brauchbar und praktisch, nur macht das Kopfsteinpflaster, das teilweise aus der Zeit der Portugiesen stammt, etwas Mühe.

Das war fast der Abschluss meiner Südamerikarundreise. Mit der Fähre ging es über den Rio de la Plata direkt nach Buenos Aires. Diese fast 10-mal so grosse Stadt wie Montevideo war wesentlich anstrengender. Die Innenstadt mied ich so weit ich konnte. Nur Nachts mit meinem jungen Gastgeber durch die Gassen fahren war ein Genuss.

Ich war froh, als das Flugzeug mich ein paar Tage später aus der Stadt holte, allerdings hielt die Freude sich in Grenzen, wieder nach Europa zu fliegen.

In den 6 1/2 Monaten in Südamerika bin ich ungefähr 14000km gefahren.

Durch Südbrasilien an die die Küste

Gut erholt bin ich in Foz do Iguazu gestartet. Das war auch ganz gut so. Die nächsten 800km waren ganz schön hart. Ich bin dem Rat der Radfahrer aus Foz und Curitiba gefolgt und bin auf der RN 277 Richtung Küste gefahren.

Der erste Tag war ein Sonntag, in sofern vom Verkehr her OK, nicht so viele Lastwagen, auch am Montag war es noch angenehm. Überall in Brasilien war es hervorragend, dass ich nie Probleme hatte einen Platz zum Zelten zu finden,

DSC08518Die Leute liessen mich neben Kirchen, an Hotels natürlich auch Tankstellen zelten.

Zwischen Foz und Curitiba gab es nicht viele grössere Städte, dafür viele Kolonien, von Polen, wie die Kirche oben, Ukraine, Deutschland natürlich auch. Und viele Hügel !
DSC08526Nur ein kleines Gebiet gehörte den Eingeborenen.
DSC08530Am Strassenrand verkauften sie ihre waren, dahinter standen ihre Holzhütten. Das und die vielen bunten Schmetterlinge waren
DSC08535waren eine nette Abwechslung auf der Strecke. Ansonsten war es ein ständiges Auf und Ab. Ohne wirklich einen Berg erklommen zu haben, bin ich täglich mindestens 1500 Höhenmeter gefahren.
DSC08541So etwas mag ich einfach nicht. In Paraguay waren es bei weitem nicht so schlimm. Auch wenn man es auf den Fotos nicht so sieht, der Verkehr war an den Werktagen schrecklich! Viele Lastwagen bringen über diese Strecke die Ernteprodukte zum Hafen. Der Hauptgrund warum die Radfahrer die Strasse trotzdem so mögen, ist, sie hat fast durchgehend einen breiten Seitenstreifen und ist deswegen sehr sicher. Das ewige Auf und Ab und der Lärm des Verkehres machte mir ganz schön zu schaffen und ich fragte mich, warum ich mir das antue. Es dauerte ein paar Tage bis ich endlich eine Landkarte fand. Sonst hätte ich mir schnell eine Alternative gesucht. Auch weil mir in Foz gesagt wurde, die anderen Strassen wären viel zu gefährlich, blieb ich auf der Strecke.

In Deutschland wäre es nicht erlaubt, auf solchen Strassen Fahrrad zu fahren.

DSC08558Hier in Brasilien wird sogar auf Radfahrer aufmerksam gemacht. Es war Sonntag als ich nach Curitiba kam. Und es gab einige Radfahrer auf der Strecke. Als ob wirklich das die einzige Strasse wäre, wo man neben dem starken Verkehr Radfahren kann.

Curitiba war dann ein wahre Überraschung und ich war dann ganz froh, dass ich es so lange auf der RN277 ausgehalten habe, sonst hätte ich diese fantastische Stadt verpasst.

DSC08561Mitten in der Stadt waren Strassen für Autos gesperrt, entweder mit dem eigenen oder geliehenen Fahrrad konnte man die Runde ziehen. Ich habe extra nachgefragt, anscheinend findet es jeden Sonntag statt.

Die Fahrradkultur und -propaganda zieht sich durch die ganze Stadt.

DSC08591Vom 13. bis 16. Februar war  hier da 3. Forum Mundial da Bicicleta. Wieder einmal was verpasst.

DSC08581Dieses fantastische Wandbild ist von Mona Caron aus San Fransisco.

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Von wem dieses Wandbild ist, weiss ich nicht.

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Und überall hin noch dieser blaue Elefant, das Plakat für das Forum.

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Es gibt nicht nur Fahrradkultur in der Stadt, es gibt auch das Oscar Niemayer Museum.

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Selten habe ich ein Museum gesehen, das so von der Bevölkerung genutzt wird. Die Anlagen drum herum laden besonders an einem schönen Sonntag dazu ein.
DSC08595Auch die Innenstadt hat ausser der Universität noch einiges zu bieten.

DSC08605Im 18./19. Jh wurde diese Stadt von den Portugiesen gegründet.
DSC08612Es kamen bald Einwanderer aus anderen europäischen Ländern, die sich vor allem in Kolonien ausserhalb der Stadt niedergelassen haben. Man sieht aber auch deren Auswirkung im Zentrum.
DSC08610Ich kann nicht behaupten, dass das Schild bei mir heimatliche Gefühle geweckt wurden.
In dieser Stadt hätte ich gut noch einige Zeit verbringen können. Da noch einige Kilometer vor mir liegen, bis ich im April nach Europa fliege, zog ich doch weiter.
DSC08622Curitiba liegt auf ca 900m, einer Hochebene, d.h. zum Meer musste es einige Meter nach unten gehen. Nach ein paar weiteren Auf und Abs, war es dann soweit. 14km nur runter. Es hätte sehr schön sein können, wenn der Verkehr nicht so stark gewesen wäre. Ich konnte allerdings froh sein, dass ich nicht in die andere Richtung gefahren bin. Ein Lastwagen nach dem anderen stand mehr, als dass er fuhr, den Berg hoch. Den Berg hinunter ging es mit dem Atmen noch. Berg hoch wäre eine Katastrophe gewesen.

Es müssen einige Unfälle immer sein. immer wieder kommen „Service Stations“ da steht ein Krankenwagen, ein Fahrer, eine Krankenschwester und ein Arzt immer bereit und warten, bis was passiert. Man bekommt auch richtiges Trinkwasser und meistens sind sie sehr nett, freuen sich über eine Abwechslung, wenn ich daher gefahren komme. Von denen habe ich erfahren, dass nicht mehr sehr viel weiter, eine deutsche Kolonie kommt, wo ich sicher zelten kann.

Die Kolonie war schnell gefunden, sie war mit „Grüner Wald“ ausgeschildert. Obwohl einiges auf Deutsch angeschrieben war, traf ich zuerst auf zwei Jungs, die konnten kein Wort Deutsch. Ich fuhr ein Stück weiter, fand dann eine Frau, ungefähr in meinem Alter, die sprach noch sehr gut Deutsch. Zuerst war sie ein bisschen zurückhaltend, dann hatte ich das Gefühl, sie freut sich, dass sie jemand hat, mit dem sie Deutsch sprechen konnte, sie erzählte und erzählte. Zum Beispiel, dass daheim nur Deutsch gesprochen wurde und als sie in die Schule kam, waren 7 deutsche Kinder in der Klasse, die konnten keine Wort portugiesisch. Da musste man sich arrangieren und schauen, wie man die Sprache lernt. Ihr Mann ist Brasilianer, ihr Sohn spricht kein Deutsch mehr.

DSC08628In der Scheune konnte ich mein Zelt aufbauen, wunderbar geschützt vor Wind und Regen. Sie meinten zwar sie würden um 4 Uhr morgens anfangen zu melken, ich wusste, das werde ich nur am Rande mitbekommen und selig weiterschlafen. Sie melken noch von Hand.

Dann ging es richtig zur Sache, was den Verkehr anbetraf. Am Meer entlang war es zwar eben, aber die Bevölkerungsdichte immens, und Container-Hafen liegen eigentlich auch immer am Meer,
DSC08653Alles was man sonst auf Strassen sieht, voran „Hamburg Süd“ und „Maersk“ ist hier noch gestapelt.
DSC08654Nichts zog mich nach Florianapolis, eine mit Brücken verbundene Insel. Durch die Hochhäuser wollte ich nicht durch. Das erste mal seit wahrscheinlich Australien, dass ich sie so geballt gesehen habe.
DSC08666Ein „Radler“ sah ich leider nur auf dem Plakat. Wenn ich eines wollte, musste ich es mir schon selber mixen. Auch nicht schlimm.

Dann traf ich Sander in Ararangua, ein Fahrradfahrer mit den gleichen Interessen. Der konnte mir nicht nur genau sagen, wo man schöne ruhige Strassen findet, sondern auch wo man gut zelten kann.
DSC08688Zum Baden war es leider zu frisch. Es wurde Herbst hier mit richtig schönen Winden, zum Glück meist von Norden. Wenn vom Süden, dann hatte man wirklich Pech, dann kam er nicht nur von vorne, sondern war auch ganz schön kalt.DSC08702Durch den „Grünen Tunnel“ ging es etwas weg vom Meer auf eine Landzunge. Die Bäume der Allee waren oben fast zusammengewachsen.

Kaum hatte ich gedacht, jetzt wird es langsam Zeit, dass ich wieder Radfahrer treffen, mit denen ich ein Stück fahren kann, sassen Erika (Argentinien) und Alanderson (Brasilien) am Strassenrand mit Angelus, einem deutschen Motorradfahrer.

DSC08709Nach einem sehr netten und informativen Abend mit gemeinsamen Zelten, fuhren wir drei Radler gemeinsam weiter und Angelus ein bisschen schneller.
DSC08716Das war dann fast wie Urlaub auf den netten kleinen Strassen, kaum Verkehr
DSC08719und die kleinen alten portugiesischen Dörfer.
DSC08730Mit den zweien war es richtig nett, auch wenn nicht immer die Sonne gescheint hat,
DSC08737Es wir fanden immer nette Plätze zum Zelten, wie hier neben der alten Kirche
DSC08739direkt an einer Lagune.
DSC08754Am 2. April erreichten wir die Grenze zu Uruguay. Wie es danach weiter ging, das nächste Mal.

 

 

 

 

Von Argentinien über Paraguay nach Brasilien: CATARATAS IGUAZU

Eigentlich wollten wir heute, 3. März, an die Iguazu Wasserfällen fahren. Wir, das sind ein paar Mitglieder des ACCI, Associacao Ciclista Cataratas do Iguacu. Leider regnet es in strömen, genug Wasserfall von oben, da scheint niemand Lust zu haben.

Seit 3 Tagen bin ich nun schon wieder in Foz do Iguazu, Brasilien, habe mal wieder den puren Luxus hier im Casa de Ciclista, ein Haus, das ich ganz für mich habe. Hier kann ich auch bei Regen in dem überdachten Hof sitzen und Blog schreiben.

So, was passierte in dem wieder fast ganzen Monat, der seit dem letzten Eintrag verstrichen ist.

Im großen Bogen fuhr ich um Buenos Aires, von der Provinz Buenos Aires nach Entre Rios. Bisher hatte ich ja ganz schönes Glück mit dem Wetter, mal von Hitze und Wind abgesehen. An dem Tag als ich über die zwei großen Brücken musste, hat es in Strömen geregnet, schon früh am Morgen hatte ich ein heftiges Gewitter und keinen Platz zum Unterstellen. Also einfach weiter. Irgendwann macht der Regen dann nichts mehr aus, wenn man so nass ist, dass es nasser nicht geht.

Zwischen den Brücken ist ca 20km Sumpfland. Da wohnt eigentlich niemand. Es war seit langem die erste Strecke, die nicht eingezäunt war. Ab und zu standen am Rand Wägen, aus denen Angelmaterial verkauft wurde

DSC08123 Auf meine Frage, ob die Schlangen zum Angeln oder Essen benutzt werden, bekam ich zuerst mal ein Lachen zur Antwort. Zum Angeln natürlich. Inzwischen kam ich durch so viele Länder, in denen die Wasserschlangen sicher als Delikatesse gelten.

Die Provinz “Entre Rios” (zwischen Flüssen: Parana und Fluss Uruguay) hatte auch gut “En Rios” (in Flüssen) heißen können. Alles war unter Wasser.

DSC08128Die Straße ist zum Glück etwas erhöht, sie war nicht total überschwemmt nur die üblichen Pfützen. Auch scheint diese Straße die einzige weit und breit zu sein, die geteert war. Ich konnte immer noch fahren. Das größere Problem war ein Platz zum Zelten zu finden. Es kamen einige Campingplätze, die sogar offen waren, ich fand nirgends einen Platz, wo ich mein Zelt hätte aufstellen wollen. Schon auf der Zufahrt zu den Campingplätzen bin ich im Matsch stecken geblieben. So musste ich an dem Tag etwas weiter fahren als mir lieb war. An einem Haus neben einer Polizeistation an einer Abzweigung konnte ich unter dem Vordach zelten. Hier merkt man richtig, es wird tropisch! Unglaublich was auf dem Boden wuselt, alles voll kleiner, schwarzer Käfer. Ich wollte nur schlafen und war froh mein Zelt “käferdicht” abschließen zu können.

Auch empfiehlt es sich ab jetzt auf dem Klo zuerst zu spülen, bevor man sich darauf sitzt. Man weiß nie, was sich unter dem Kloschüsselrand befindet.

Das Wetter besserte sich zum Glück wieder und die Gegend bot richtige Abwechslung. Entlang des Rio Uruguay gibt es immer wieder nette Städtchen, die ich fast alle ansteuerte. Der Karneval war im vollem Gange. In fast jeder Stadt findet Samstags eine Parade statt. So etwas schaue ich mir lieber aus der Distanz an und mir war es gar nicht so unrecht, dass ich nie an einem Samstag in einer Stadt war. Man bekommt auch so genug von dem Karneval mit

DSC08129Hier hätte ich mich mit dem Federschmuck bekleidet fotografieren lassen können. Kein Mensch will so ein Foto von mir sehen

DSC08180Am Abend, wenn es kühler wird, setzt sich der Argentinier auf seinem Campingstuhl vor sein Haus, schaut und trinkt Mate.
DSC08133Ich habe mich nie getraut die Szene zu fotografieren, aber hier kann man sich es etwa vorstellen.

In einer Stadt war ich bei dem Deutschlehrer eingeladen. Er hat deutsch gesprochen, besser als ich mit meinem Schwäbisch. Er erzählte mir von den vielen Wolga-Deutschen, die es hier gibt. Nachdem sie von Katharina der Grossen nach Russland gelockt wurden und da Anfang des 20. Jh auch nichts mehr war, sind sie nach Argentinien weiter gezogen. Wie schon weiter südlich gibt es auch hier ganze Siedlungen Deutscher.

DSC08185An ihrem riesigen Verkaufsgelände war ganz schön was los.

DSC08186Bei so vielen mit deutschen Vorfahren, schaut jeder einmal vorbei. Würste, Schinken und sonstige Kleinigkeiten sind der Renner. Nur frage ich mich, warum immer auf der ganzen Welt, sei es in Deutschen-, Schwarzwald – oder sonstigem Kuckucksuhrenladen immer das Kufsteinlied laufen muss. Zum Glück versteht das hier niemand und in Geografie kennen sie sich auch nicht so gut aus.

Die Musik hat mich wirklich vertrieben

DSC08196Ich glaube, sie waren schon lange nicht mehr in Deutschland.

Eine andere Abwechslung bot der Nationalpart El Palmen, eigentlich der einzige auf dieser Strecke. Warum der wohl so heisst?

DSC08135Nicht nur wegen den Palmen ist er sehr beliebt. Er hat auch am Fluss einen schönen Strand und ist nahe genug an Buenos Aires, damit die Leute ihn gut für einen Wochenendausflug nutzen können.Vielleicht ein Fehler am Samstag hierher zu kommen. Es ist so von Wasserschweinen.

DSC08142voll, dass es schon fast unangenehm war.
DSC08145Nachts wuselten Viscatchas, eine Art Chinchillas, herum

DSC08172Aber keine Angst, das Fleisch auf dem Feuer wurde beim Metzger gekauft.

DSC08168Das nehme ich doch an, ich wurde von meinem Zeltnachbarn zum Assado eingeladen.

Hier lohnte es sich mal wieder früh aufzustehen, wenn die Vögel noch umher fliegen.

DSC08177Weiter oben am Uruguay Fluss ist gegenüber nicht mehr Uruguay sondern Brasilien. Ich bin nach Paso de los Libres, hatte aber zu der Zeit noch keine Lust nach Brasilien zu fahren.

Lieber auf der argentinischen Seite mit Mariano noch ein Bier trinken,
DSC08198in Gesellschaft mit Mercedes Sosa (auf dem Bierflaschenkühler)

Die nächste Etappe wurde fast unerträglich. Nicht nur, weil es wieder angefangen hat zu regnen, sondern auch weil die Straße schmäler wurde, der Randstreifen wieder weg war. Ich kam zu der Überzeugung, die argentinischen Lastwagenfahrer dulden einfach keine Radfahrer auf der Straße und das einzige, was sie im Sinn hatten, war mich über den Haufen zu fahren. Aber nicht mit mir.

Für den Abend flüchtete ich mich an einer Tankstelle. Dort traf ich auf den Tramper Frederick aus Buenos Aires, mit dem ich unter dem Dach einer Reparaturspatz zelten konnte.

DSC08208Hauptsache trocken und die Unterhaltung war auch ganz gut.

Endlich mal eine, wenn auch kurze, fahrbare Alternative zur Ruta 14, weiter am am Fluss entlang.
DSC08214Erstaunlicher Weise war es auch fast durchgehend asphaltiert. Es gab 2 Pferdekutschen, ein paar lokale Autos und nur am Schluss ein Lastwagen. Welch eine Wohltat.

DSC08215Bei der roten Erde fallen die Gauchito Gil Tempel gar nicht so auf.

DSC08218Trotzdem ein wunderbarer Ruheplatz. Ein Junge kam auf seinem Moped daher schaute mich nur kurz an, dann fing er an für Gauchito Kerzen anzuzünden und seine Gebete aufzusagen. Dass ich daneben saß, schien in reichlich wenig zu stören. Als er fertig war, stellte er mir interessiert noch ein paar Fragen und ist dann mit seinem Moped weiter gedüst. Vielleicht helfen ihm ja seine Gebete, dass er unfallfrei davon kommt.

Mit der Provinz Misiones fingen die Sträucher an.

DSC08219Ich ahnte schon, hierbei kann es sich nur um Mate handeln, fragte aber lieber nochmals nach. Spätestens bei dem Schild,

DSC08222wäre es mir sowieso klar geworden. Mit Mate scheint man gut Geld machen zu können. Wen wundert es, wenn das ganze Land das Kraut trinkt, von morgens bis abends. Schon allein, dass die Straße geteert war, hat mich sehr gewundert. Die Häuser wurden auch immer feudaler.

Dann landete ich auch noch in dem luxuriösen Campingplatz.
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Zwei Schwimmbäder, Teiche, Palmen schön angelegter Rasen. Fast wäre ich wieder umgedreht, eine Nummer zu groß für mich, aber dann wollte ich ihn mir doch genauer anschauen. Gleich wurde ich freundlich und interessiert empfangen. Es waren ein paar Leute dort, aber nicht sehr viele. Als ich nach dem Preis fragte, wurde immer abgewunken, das wäre nicht so wichtig. Gegen später gingen alle Gäste, die Besitzerin ließ mir noch was zum Essen da, schloss mir ein Zimmer auf, wo ich hätte schlafen können, falls ich da draußen in meinem Zelt Angst bekomme. Natürlich habe ich lieber im Zelt geschlafen. Was für ein Unterschied zu letzten Nacht an der Tankstelle!!!! Das gefällt mir sehr, wenn man so reist, man weiß nie wo man endet, vor allem, wenn es so wunderbar endet! Das war vor Apostoles

DSC08231Wenn schon die Provinz Misiones heißt und der Ort Apostoles, kann man sich einiges denken. Hier waren jesuitische Missionare mächtig am Werk. Viele Ruinen derer Klöster zeugen noch davon.

Dann nur noch nach Posadas. Das war dann nicht mehr ganz so idyllisch, überhaupt die letzten 20km. Posadas ist die Hauptstadt der Provinz. Ich verstand nicht, wie die Orte vorher so schön sauber und reich sein konnten und die Hauptstadt so furchtbar. Hier waren nur die Hauptstraßen geteert, alles andere war entweder die rote Erde, und mit dem Regen Matsch, oder eine grausliche Steinstraße,
DSC08242Kopfsteinpflaster ist ja schon schlimm genug. Wenn aber die Steine irgendwie hin geworfen und reingeschlagen werden, ist es wesentlich schlimmer.

Ich war so froh, als ich über die Brücke nach Paraguay flüchten konnte.

DSC08235Nur, konnte ich mit dem Fahrrad nicht über die Brücke fahren, ein Polizist hat mich gestoppt. Oh je, dabei wollte ich doch nur raus aus Argentinien. Er meinte, ich müsse mit einem Collectivo oder Bus über die Brücke. So leicht ließ ich mich aber nicht abfertigen. Nach längerer Diskussion, der Polizist blieb stur und wollte mich nicht fahren lassen, hat er mich auf einen Zollbeamten verwiesen. Der war wesentlich freundlicher. Ihm habe ich auch vorgeschlagen, er kann mir doch auch ein Auto stoppen, das mich nur die paar Kilometer über die Brücke nehmen kann. Das hat er dann auch gleich getan, nachdem er mir den Ausreisestempel gegeben hat. So war ich doch sehr schnell außer Landes.

Auf der anderen Seite merkte ich ziemlich schnell, was mir am letzten Stück in Argentinien auch so missfallen hat, der Gesichtsausdruck der Leute. Wie angenehm es war hier wieder in lächelnde Gesichter blicken zu können. Ihre Art mich zu fragen war auch ganz anders, viel mehr interessiert. Paraguay hat mir somit von Anfang an sehr gefallen.

Sobald ich auch Encarnacion, der Stadt auf der anderen Seite des Parana Flusses, war, war kaum mehr ein Auto auf der Straße. Vor jedem kleinen Laden stand eine kleine Sitzgruppe,

DSC08243prima in Ruhe Pause zu machen.

Die Strecke von Encarnacion nach Ciudad del Este ist wahrscheinlich die Haupttouristenstrecke, Ruta Jesuitica. Hier befinden sich einiger der alten Ruinen der Jesuiten, Trotzdem war kaum jemand unterwegs. Mein Interesse an alten, zerfallenen Gebäuden hält sich in Grenzen, trotzdem, um ein bisschen Abwechslung zu haben, fuhr ich zur Ruine Jesus de Travague.

DSC08245Schon allein wegen dem Weg hat es sich richtig gelohnt. Ich habe es richtig genossen, durch die wilde, urwaldmässige Natur zu fahren. Das Beste war aber der Camping, den ich auf dem Weg fand. Ein kleiner, einfacher, Camping Municipales, an einem kleinen Fluss, mitten im Wald. Als ich angekommen bin, haben ein paar Männer Ball gespielt, so ähnlich wie Volleyball, aber nur mit 2 Personen pro Team und der Ball durfte nur mit Kopf, Brust, Bein oder Fuß berührt werden. Eine Frau hat einen schönen, überdachten Platz geputzt. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob es wirklich ein Campingplatz ist, aber die Frau, bejahte es und meinte ich solle doch gleich hier unter dem Dach Zelten, wenn sie fertig ist mit putzen. In Anbetracht der Wolken am Himmel, war das natürlich fantastisch.
DSC08252Es dauerte auch nicht lange und es hat in Strömen angefangen zu regnen und ich saß so wohlbehuetet unter dem Dach. Alle anderen waren bald verschwunden und ich saß alleine im Dschungel. Habe ich die Ruhe genossen. Das war wirklich ein fantastischer Start in Paraguay.

Leider bliebe ich nur 4 Tage in dem Land. Es sind nur ein paar hundert Kilometer bis Ciudad del Este und der Grenze zu Brasilien. Diese Tage habe ich aber richtig ausgekostet.

Hier wird neben dem heißen Mate auch Tetere getrunken, die kalte Version

DSC08253Deswegen gibt es neben dem Tank, wo man gratis heißes Wasser rauslassen kann auch ein Hahn mit eiskaltem Wasser. Für Radfahrer natürlich ein Traum. Der Tetere wird neben dem Kraut auch mit Saft getrunken, das ist dass wirklich erfrischen..

Auch hier gibt es viele Deutsche, wie die Ortsnamen wie Hohenau schon sagen. An einer Bäckerei hielt ich an, wollte mir eine Kleinigkeit kaufen. Als ich in der Vitrine einen Altdeutschen Apfelkuchen und Linzertorte sah, fragte ich die Verkäuferin, ob sie auch deutschstaemmig sei. Ja, meinte sie, sie spreche aber kein Deutsch, ihre Mutter könne es noch gut. Jetzt war ich interessiert und fragte, ob ich vielleicht mit ihrer Mutter sprechen könne. In Argeninien habe ich immer nur gehört, dass es viele gibt, die Deutsch sprechen, aber niemanden getroffen. Hier stand ich dann gleich einer älteren Frau gegenüber, die mir ihre ganze Lebensgeschichte erzählt hat. Ihre Mutter kam über Brasilien, Argentinien nach Paraguay, schon vor dem ersten Weltkrieg. Da ihr Vater an einem Schlangenbiss gestorben ist, als sie drei Monate war, wuchs sie bei Onkel und Tante auf, wo nur Deutsch gesprochen wurde und sie vieles Deutsche, wie die deutschen Rezepte gelernt hat. Als sie in die Schule kam, hat sie kein Wort Spanisch gesprochen. Heute sei alles anders. Es gibt viele Mischehen und man spricht zu Hause nur Spanisch, darum können die Kinder auch kein Deutsch mehr. Sie selber hat keine Beziehung zu Deutschland.

Da sie sehr beschäftigt war, frühmorgens geht sie aufs Feld, danach bäckt sie für die Bäckerei, verabschiedete ich mich bald. Ich war richtig froh, jemanden zu treffen, zu hören, wie sie Deutsch sprechen, was für eine Vergangenheit sie haben. Es wäre sehr interessant mehr über Deutsche in Südamerika zu erforschen.

Vor der nächsten, groesseren Stadt, Maria Auxiliadora, sah ich noch vor dem Ortsschild, auch hier gibt es einige Deutsche.

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Es war wieder Zeit, einen Platz zum Zelten zu suchen, so steuerte ich eine Tankstelle an. Gleich kam mir eine Kundin, blond, mit zwei blonden Kindern zur Hilfe, sie sprach gleich deutsch mit mir. Sie hat mich mehr ausgefragt, als dass ich sie fragen konnte. Schlussendlich konnte ich nicht an der Tankstelle zelten, und sie machte sich sichtlich Sorgen, was ich denn jetzt mache. Sie wohnte 5 Kilometer weiter weg, was ja auch nicht die Welt gewesen wäre, wenn sie auf die Idee gekommen wäre mich einzuladen. Was ich denn jetzt mache etc.. Ich hatte ja genug Erfahrung und wusste, auch heute werde ich etwas zum Zelten finden. Nur musste ich dann wirklich langsam los, es wurde spät. Ein paar hundert Meter weiter sah ich ein Schild “Bomberos”, Feuerwehr. Das ist doch auch immer eine gute Adresse zum Übernachten. Überhaupt als ich die schöne Wiese hinter dem Haus gesehen habe, hielt mich nichts mehr davon ab, zu fragen. Inzwischen wunderte es mich nicht mehr, auch hier sprach man Deutsch. Wenigstens der Commandante. Der schien sich mehr zu freuen, jemanden zum Deutschsprechen gefunden zu haben, als ich über den schönen Platz zum Zelten. Man merkte, er hatte nicht mehr viel Übung darin. Sein Sohn, auch ein begeisterter Radfahrer, der bald auch da war, sprach überhaupt kein Deutsch.

So hatte ich richtig Glück, dass Felix heute Dienst hatte. In Paraguay gibt es nur eine Freiwillige Feuerwehr, keine Berufsfeuerwehr. Einmal in der Woche hat er Dienst, übernachtet hier, ansonsten geht er seinem Beruf nach.

DSC08255Am nächsten Morgen kam er in Zivil vorbei, um sich zu verabschieden. Eigentlich nur zum Spaß fragte ich, ob es in der nächsten Stadt auch eine Freiwillige Feuerwehr gebe, wo ich zelten könne. Ja, klar. Vor mir waren kolumbianische Radfahrer hier, die zuerst hier und dann in Santa Rita übernachteten.

In Maria Auxiliadora hielt mich sonst nicht viel,
DSC08256Danach kam nicht mehr viel, nur ständiges auf und ab,

DSC08258hier fährt man wieder locker mehr als 1000 Höhenmeter, ohne wirklich einen Berg zu erklimmen. An den Wegkreuzungen kamen ein paar Holzhütten,
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wo man günstig was zum Essen kaufen konnte, wie die Chipas, die paraguayanischen Käsebällchen.

Santa Rita ist eine größere Stadt, in der Argo-Technology und neue Forschungen eine große Rolle spielen. Schon zig Kilometer vorher fangen Versuchsfelder an, hauptsächlich mit Soja. Nach all den Werbeplakate sind hier die deutsche und schweizer Chemie sehr stark vertreten.

Überrumpelt von dem starken Verkehr, fuhr ich zuerst etwas ziellos umher, bis mich ein Mann angesprochen hat. In welcher Sprache? Klar, auf Deutsch! Er wohnt seit über 20 Jahren in der Gegend und konnte mir genau sagen, wo Deutsch gesprochen wird und was in deutscher Hand ist. Schließlich fragte ich ihn, ob er auch wisse, wo die Feuerwehr sei. Etwas unverständlich schaute er mich an, natürlich. Es wäre aber etwas kompliziert, ich solle ihm hinterher fahren.
DSC08265Was für ein Unterschied zu der Freiwilligen Feuerwehr in Maria Auxiliadora! In der Halle stand ein uraltes Feuerwehrauto, deutsches Fabrikat. Draußen, hinter der Halle saßen ein paar Jugendliche zusammen. Ich fragte, ob sie zu der Feuerwehr gehörten, ja, meinten sie. Eine Uniform scheint keiner tragen zu wollen, dafür sei es auch viel zu warm. Auch hier gab es eine Wiese, die war aber lange nicht so gepflegt wie gestern. Es musste auch keine Absprache getroffen werden, ob ich jetzt hier zelten kann, es war gleich ein Ja!
DSC08266Wahrscheinlich um sonstiges Wohngeld zu sparen, haben sie in der Halle ein keines Haus gebaut, in dem sie wie in einer WG zusammen leben. Es gab zwei Frauen einige Männer und ein Kleinkind. Ansonsten sprangen sie genau so ins Auto wenn ein Notruf kam.

Ich saß ein Weilchen bei ihnen, verstand aber kein Wort, was sie sagten. Schon bei einer Pause vor einem Laden hatte ich eine Frau gefragt, was für eine Sprache sie sprechen, sie meinte Spanisch. Hörte sich wirklich sehr spanisch für mich an, mit einem sehr starken Akzent, wie hier. Eine junge Frau hat mich ein Weilchen ausgefragt und klar und deutlich gesprochen, das habe ich dann gut verstanden.

Am Tag darauf war ich schon sehr früh in der Grenzstadt Ciudad del Este. Obwohl hier der Verkehr viel stärker war, hatte ich wenig Lust, dieses freundliche und ansonst ruhige Land zu verlassen. Es war eines der angenehmen Überraschungen in Südamerika und es würde sich lohnen, hier länger Rad zu fahren.
DSC08270Da hier keine Steuern auf die Produkte kommen, wie mir erklärt wurde, ist es wesentlich billiger als in den Nachbarländer. Es ist hier auch ein Dreiländereck, Argentinien, Brasilien und Paraguay. Und was es hier alles zu kaufen gab!
DSC08273Dann wieder über den Parana-Fluss, diesmal nach Brasilien. Hier durfte ich mit dem Fahrrad fahren. Es waren auch unglaublich viele Fußgänger, voll bepackt von West nach Ost unterwegs und sehr viele Mopeds.

In Brasilien war ich dann in Foz do Iguazu, der Stadt an den Wasserfällen. Zum Glück sprechen manche hier an der Grenze noch ein wenig Spanisch, das Portugiesisch verstehe ich überhaupt nicht. So merkte ich wenigstens, dass ich doch einiges Spanisch gelernt hatte.

Das Beste an der Stadt, neben den Wasserfällen, die weit außerhalb sind, ist das Casa de Ciclista,

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des ACCI, accociacao ciclista cataratas do iguacu, ein nettes, kleines, voll ausgestattetes Häuschen, dass fast die ganze Zeit für mich alleine hatte. Hier bin ich nun seit einer Woche! Luciano, ein Mitglied wohnt ganz in der Nähe, der Präsident des Clubs, Fabio, scheint der einzige zu sein der ein bisschen Englisch kann, mit ihm hatte ich vorher Kontakt, er kam um mich zu begrüssen.

Am Sonntag kam Ricardo, der etwas Spanisch sprach und ging mit mir zu dem Itaipu Staudamm. Davon hatte ich noch nie gehört, ist aber das Vorzeigeprojekt hier auf das (fast) alle ganz stolz sind.

DSC08284Sie sind der Meinung, es ist der größte Staudamm der Welt, ich glaube allerdings, der 3 Schluchten Staudamm in China ist größer.

Unglaublich wie viele Touristen, hauptsächlich Brasilianer, hier für Touren anstanden. Zuerst bekommt man einen Film zu sehen, in dem die Erfolgsstory erzählt wird. Alles nur prima. Und ich fragte mich, wie viele Menschen mussten umgesiedelt werden, wie viel Wald wurde überschwemmt etc. Es ist doch ein gewaltiger Eingriff in die Natur. Darüber kam natürlich nichts. Später las ich im Internet, dass auch ein Wasserfall fast so prächtig, wie Iguazu überschwemmt wurde.

Dann wurde man unter Hochsicherheitmassnahmen im Bus auf Gelände herum und um den Staudamm gefahren.

DSC08291Das ganze ist ein Binationales Projekt zwischen Brasilien und Paraguay.

DSC08314ein Potential für Konflikte, über die nicht berichtet wurde. So ein kleines, armes Land auf der einen und dieses Mächtige auf der anderen Seite. Man kann sich auf fragen, warum die Paraguayaner nicht darauf ebenso stolz sind und es nicht auch auf der anderen Seite solche, durchaus gewinnbringende Touren gibt.

Noch kurz einen Ausflug in das Brasilianische Eck des Dreiländereck, wo der Iguazu Fluss in den Parana Fluss fließt.
DSC08317so…weiter am  3. März, Karneval in Brasilien, aber nicht in dieser Ecke. Der eingangs erwähnte Regen hatte aufgehört und später am Nachmittag kam Ricardo mit Fahrrad um noch zu den Wasserfällen zu fahren. Da es ca 30km dorthin sind, meinte ich, es wäre wohl etwas spät. Von Luciano bekamen wir sein Auto, luden die Fahrräder ein und sind damit bis zum Parkanfang gefahren.

DSC08326Im Park ging es noch 11km bis zu den Fällen. War das herrlich durch den Nationalpark zu fahren, wo nur ab und zu ein offizieller Bus vorbei kam. Mit privaten PKWs kam man hier nicht rein. Ab und zu huschte so ein Tier
DSC08328ein Nasenbär (coati), über den Weg. Auch verschiedene Echsen waren zu sehen.

DSC08344Dann die Iguazu Fälle, einer der letzten Höhepunkte dieser Reise! Schon der erste Anblick hat mich total begeistert.

DSC08329Je näher man kam, desto grandioser wurde das Naturschauspiel.

DSC08350Kein Wunder, dass es sich so viele Leute anschauen wollten.
DSC08348Kaum ein Foto konnte man ohne irgend welchen Personen machen.
DSC08362Das war wirklich was vom Fantastischsten, das ich bisher gesehen habe.

Auf dem Weg aus dem Park sahen wir noch einen Turkan.

Kurz vor Torschluss erreichten wir wieder den Eingang und ich war froh, nur noch das Fahrrad in das Auto laden zu müssen. Ich war ganz schön fertig von den vielen Eindrücken.

Da man den Wasserfall von beiden Seiten aus sehen sollte, bin ich doch wieder kurz nach Argentinien zurueck.DSC08384

Hier konnte ich nicht mit dem Fahrrad in den Park hinein fahren, konnte es aber wohl bewacht am Eingang stehen lassen.

Das Gebiet ist viel größer als in Brasilien und wie ich später erfahren habe, wird ein zweitägiger Besuch empfohlen. (Außer in dem Sheraton Hotel kann man nicht in dem Park übernachten, man muss wieder kommen und ein zweites mal den hohen Eintrittspreis zahlen)

Ich hatte nur einen Tag eingeplant und war somit über fünf Stunden fast nur am Laufen. Zum Glück konnte man lange Strecke mit einer Bimmelbahn zurueck legen,
DSC08462Hier konnte ich mich dann auch ausruhen.

Ansonsten ging es über Gitterpfaden,

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kilometerweit über Flüsse und an Wasserfällen vorbei.

Wie auf der anderen Seite gab es auch hier in Massen die kleinen Nasenbären
DSC08386Auf den Stegen hatte man einen guten Blick in die Flüsse, sah Wasserschildkröten und sogar ein Kaiman

DSC08415Der Anblick der Fälle von dieser Seite war fast noch besser.
DSC08395Wagemutige und reiche konnten mit einem Boot direkt unter die Wasserfälle fahren.

DSC08444Da das Wetter so prima war, bekam ich dieses Mal auch Regenbogen zu sehen.

DSC08447auch doppelt

DSC08453über und unter mir,

DSC08457Gigantisch!

Leider ist der einfach Campingplatz, den es früher im Park, sehr Nahe an den Fällen gab, geschlossen. Vor der Stadt fand ich einen fantastischen Campingplatz mitten im Wald. Oskar, der Besitzer, hat viele Jahre im Park gearbeitet und konnte mir ein paar Insiderinformationen geben. Auch dort ist es nicht mehr so wie früher, deswegen hat er hier sich sein eigenes Paradies gebildet.

Bevor ich am nächsten Tag zurueck nach Brasilien bin, habe ich mir das Dreieck von Argentinischer Seite aus angeschaut.

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Die Stadt heißt Puerto Iguazu, ist viel kleiner als Foz auf brasilianischer Seite und viel touristischer. Im Park gab es wesentlich mehr ausländische Gruppen, es wurde viel englisch gesprochen, bekam auch englische Prospekte und habe mich mit einer Reisegruppe aus Israel unterhalten.

Gestern kamen drei brasilianische Radfahrer ins Casa de Ciclista. Trotz Sprachschwierigkeiten war es doch sehr unterhaltsam und witzig. Sie kommen aus Curitiba und sind genau die Strecke gefahren die ich in anderer Richtung fahren möchte. Sie fahren heute mit dem Bus wieder zurueck und ich freue mich richtig, morgen, Sonntag den 9.3., wieder weiter zu fahren. Diese Woche hier hat richtig gut getan, jetzt kribbelt es mir aber wieder mächtig in den Beinen.