Kein Feuerwerk auf Feuerland

Bei wunderbarstem Wetter ging es, nun alleine, von El Chalten weiter Richtung Sueden. Mein Fahrrad war neu gerichtet und ich freute mich wieder richtig nach den 8 Tagen Pause, auf der Straße zu sein. Meiner Schulter taten die Ruhetage auch sehr  gut.

Trotz fantastischem Rückenwind, wenigstens auf den ersten 88km lohnte sich es ab und zu anzuhalten und den letzten Blick auf den Fitz Roy zu genießen. unnamed(vielen Dank an Jürgen Zink für das Photo).

DSC07806 Natürlich waren mal wieder sehr viele Motorradfahrer unterwegs. Einige Kilometer nach El Chalten sah ich bepackte Fahrräder am Wegesrand stehen. Die Besitzer saßen im Straßengraben, auf der Suche nach Windschatten. Die Ärmsten, hier wollte ich wirklich nicht in Gegenrichtung unterwegs sein.

Für mich ging es allerdings auch nicht so rosig weiter. Nach 88km war die Abzweigung! Davor ging es nach Südosten, danach nach Südwesten. Gar nicht nett!! Vor allem, wenn der Wind hauptsächlich von Westen kommt. Die Verkehrsschilder haben absolut ihre BerechtigungDSC07811Mein Glück, dass sehr wenig Verkehr war, wie man sieht. Immer wieder fand ich mich plötzlich in der Mitte der Straße wieder.

Die Berge hatte ich vorerst auch hinter mir. Karges, ödes Land, nichts, was den Wind aufhalten könnte. Auch ich suchte jetzt Schutz im Straßengraben, vor allem zum Zelten.

Allerdings gab es doch etwas Abwechslung. Selten habe ich in Südamerika so viele wilde Tiere gesehen, wie hier.
DSC07822Im Vergleich zu den Emus in Australien sind die Nandus hier winzig.
DSC07825 Die Füchse erkannte ich nur am Fuchsschwanz. Wahrscheinlich zur Tarnung haben sie hier eher die Farbe wie die Erde.

Völlig erstaunt war ich, als ich an einem See mit Flamingos vorbei kam.
DSC07830 (ja, ganz hinten, wenn man das Foto vergrößert, kann man die rosa Tupfen erkennen). Hier hat es wie eine Mischung aus Neuseeland und Mongolei ausgesehen. Sanfte grüne Hügel und viele Schafe.

Seit El Chalten war ich mal wieder 2 1/2 Tage unterwegs, bis ich endlich zu etwas kam, das wenigstem im Entferntesten einem Laden glich. Zumindest bekam ich da eine neue Packung Keks: die Tankstelle in Tapi Aike.
DSC07832Wie soll es auch anders sein, es war Mittagszeit, Siesta. Noch eine Stunde bis die Tankstelle wieder aufmacht. Was soll’s, ich hatte sowieso noch keine Mittagspause. Viel kaufen konnte ich sowieso nicht. Die chilenische Grenze mit ihrer „Agrar-Kontrolle“ stand wieder bevor. Wenigstens habe ich gelernt:
DSC07842Am Willkommensschild von Chile, noch vor den Kontrolleuren, aß ich meine letzte Banane. Den Apfel habe ich deklariert und abgenommen bekommen, von einem sehr engagierten, motivierten, jungen Kontrolleur.

Nachdem die letzten Touristen von Torre del Paine über die Grenze in anderer Richtung waren, kam ich endlich durch. Es war schon spät, trotzdem wollte ich noch ein paar Kilometer fahren, nicht in Richtung des Nationalparks. Es gab einige Gründe für mich ihn mir zu ersparen. Das war mein Glück, denn das Wetter wurde katastrophal.

Ich wusste, viel kommt auf der Strecke vor Puerto Natales nicht mehr, vielleicht ein paar Estanzias. Wie erfreut war ich da, die nagelneuen „Bushaltestellen“ zu sehen.
DSC07844Ich habe zwar keine Ahnung, ob hier wirklich ein Linienbus fährt, aber die Schutzhäuschen waren genial. Richtige Glasscheiben schützen vor dem Wind. Dass es keine Tür gab, war nicht so schlimm, denn der Wind kam aus der anderen Richtung.
Wichtig war, die Bank war breit genug, dass ich darauf schlafen konnte, mein Fahrrad hatte auch darin Platz, sogar kochen konnte ich noch. Es ist vor allem fantastisch, wenn Nachts der Wind alles durchschüttelt und es anfängt zu regnen.

Nach Puerto Natales, nach 4 Tagen endlich dem ersten richtigen Ort nach El Chalten, waren die „Bushaltestellen“ nicht mehr so komfortable, aber ausreichend. Über 170km bin ich an dem Tag gefahren, bis ich so etwas entdeckte.

DSC07847Das ist der Standard in dieser Gegend. Nicht ganz so luxuriös wie auf der Touristenstrecke nach Torres del Paine, trotzdem ein prima Wind- und Regenschutz.

Vor Punta Arenas wurde ich das erste mal wieder mit richtigem Verkehr konfrontiert, ganz schön gefährlich, wenn der Wind von der Seite kommt und man immer wieder in die Mitte der Straße geblasen wird.

Nachdem ich in Australien all den „Grey Nomades“, Ruheständler, die mit ihrem Wohnmobil umher fahren, begegnet bin, wurde ich gefragt, was die europäischen Ruheständler machen. Jetzt weiß ich es: sie fahren mit ihrem Campervan in Südamerika umher. Fünf oder sechs Wohnmobile aus Düsseldorf kamen mir entgegen. Für Weihnachten und Neujahr scheint es ein großes Treffen in Ushuaia zu geben. Auch viele Schweizer, Franzosen und Italiener sind so unterwegs.

Mein Ziel war zuerst einmal Punta Arenas, die südlichste Stadt in Chile.

DSC07873Wie in jeder Stadt gibt es auch hier einen „Plaza Major“, den Plaza de Armas. Aus der Mitte des Platzes ragt das Magellan-Denkmal heraus.

DSC07850Da es Glück bringen soll, den Fuß des portugiesischen Seefahrers zu küssen, ist dieser schon ganz blank.

Viel von Weihnachten ist hier nicht zu sehen. Die ganze Europäische Weihnachtsbeleuchtung wäre hier eh fehl am Platze, denn es wird gar nicht richtig dunkel.

Ich war bei einem Couchsurfer eingeladen, zusammen mit einer Australierin (ohne Fahrrad). Das einzig Weihnachtliche gab es in einem nahe gelegenen Kinderheim, wo sie praktisch das ganze Dorf Bethlehem nachgebaut haben.

DSC07859Es war sehr imposant und sehr effektiv beleuchtet. An Heilig Abend waren wir bei seiner Familie eingeladen. Das war ganz nett, aber nicht wirklich richtig Weihnachtlich.

Hier habe ich zu aller Freude Jacky und Kayla wieder getroffen. Am ersten Weihnachtsfeiertag nahmen wir zusammen die Fähre nach Feuerland, Tierra del Fuego.

DSC07882Wie immer war es unglaublich windig, diesmal aber aus der richtigen Richtung.

Es war irgendwann nach sechs Uhr abends, als wir in einem winzigen Ort namens Porvenir auf Tierra del Fuego angekommen sind. Von einem Fahrradfahrer wussten wir, dass nach ca 40km leerstehende Fischerhütten kommen, in denen man gut übernachten kann. Also fuhren wir und fuhren wir. Hier ist mal wieder alles nur Schotterpiste. Es wurde immer kälter, aber nicht sehr viel dunkler zum Glück. Das Abendlicht war mal wieder fantastisch.. DSC07886 Dann endlich kamen Fischerhütten. Die waren aber bei Weitem nicht leerstehend. Da wir genug hatten und total durchgefroren waren, fragten wir den Fischer, ob wir unser Zelt in einer der Hütten aufbauen könnte. Er meinte nur, er wisse was Besseres, verschwand, kam kurz darauf wieder und meinte, alles klar, wir können in der Estanzia, gleich nebenan übernachten. Welch Freude!, in dem Haus, in dem normaler Weise Zeitarbeiter schlafen, bekamen wir ein warmes Bett, heiße Dusche und ein Abendessen. Das war wirklich das Beste Weihnachtsgeschenk! Die Berge, nicht weit entfernt, hatten eine neue weiße Schneeschicht. So hatten wir auch noch eine weiße Weihnacht.

Am nächsten Tag ging es nochmals mehr als 100km auf Schotterpiste, im starken Wind zur Grenze nach Argentinien. Feuerland ist sehr merkwürdig zwischen Argentinien und Chile aufgeteilt. Um vom Festland Argentinien nach Argentinien auf Feuerland zu kommen, muss man auf jeden Fall durch den chilenischen Teil. Die Grenzen sind noch richte Grenzen, mit Kontrolle und Stempel. Nicht so wie in Europa, wo es keinen wirklich interessiert, wenn man die Grenze überschreitet.

Nur sind Lebensmittelkontrollen, wenn man nach Argentinien kommt, nicht so streng. Man muss nichts unterschreiben, ob und was man einführt. Zwischen dem chilenischen und dem argentinischen Grenzposten sind nochmals 14km Schotterpiste. Darauf hatten wir keine Lust mehr und fragten die Polizei, ob wir irgendwo im Windschatten unser Zelt aufbauen können. Wir bekamen dann ein altes Haus zugewiesen. Das war so staubig, dass wir im Haus unsere Zelte aufbauten.

DSC07889Im Zelt ist es auch wärmer, es auch sehr, sehr kalt.

Hinter der Grenze, im argentinischen Teil, ist dann alles geteert,

DSC07891 die ganzen ca 300km bis Ushuaia, ans Ende der Welt.

Ca 100km vor Ushuaia kommt noch ein Radfahrerparadies, die Panaderia in Tolhuin!
DSC07893 Der Besitzer, Emilio, setzt sich sehr für das Andenken an den Herzchirurgen Rene Favaloro, der Opfer der argentinischen Wirtschaftskrise wurde, ein. Wahrscheinlich aus „Herzensgründen“  organisiert Emilio Radtouren und lässt jeden vorbeikommenden Radfahrer in einem kleinen Zimmer hinter der Backstube übernachten. Es ist wirklich paradiesisch mit warmen Empanadas und Facturas (süße Stückchen) verwöhnt zu werden. Zum Dank veranstalteten Jacky und ich unter dem Weihnachtsbaum ein Weihnachtskonzert.
DSC07896 Endlich ein bisschen Weihnachten. Das Café der Bäckerei war wie üblich rappel voll. Nicht nur unter Radfahrern ist sie berühmt und beliebt.

Dann ging es weiter, über die letzten zwei Pässe nach Ushuaia.
DSC07901Das Wetter war besser, aber noch nicht ganz so gut. Eigentlich habe ich das Foto gemacht, damit man den Unterschied zum schlechten Wetter sieht, wenn ich bei, wie angenommen, schönstem Sonnenschein bei der Rückfahrt über den Pass fahr. Da ahnte ich noch nicht, dass es noch weit schlimmer werden kann.

Dann endlich Ushuaia. Warum man am Eingangstor mit Walt Disney Figuren begrüßt wird, weiss ich auch nicht.
DSC07903Seit ich das letzte mal hier war (nicht mit dem Fahrrad), hat sich die Stadt sehr verändert. Damals musste ich auch nicht an dem Containerhafen und den Öltanks vorbei.
DSC07910Gerade zu Jahresende erreichten wir das Ende der Welt.
DSC07914Für Jacky und Kayla war hier die Reise mit dem Fahrrad zu Ende. Sie verliehen ihre Räder und wollten per Anhalter  nach Norden Chiles. Ein unvorstellbarer Gedanke für mich, mich von meinem Fahrrad zu trennen.

Was mich schon an Heilig Abend ein bisschen gestört hat, war, dass es überhaupt nicht richtig dunkel wird. Wenn man gewohnt ist, dass an Heilig Abend und Silvester um 5 Uhr dunkel ist, ist es schon gewöhnungsbedürftig, wenn selbst um Mitternacht nicht richtig dunkel war.
DSC07918 Auf das Feuerwerk zu verzichten war dann auch nicht so schlimm. Für die Allgemeinheit ist es grundsätzlich verboten, es gibt auch nirgends Knallkörper zu kaufen. Die Gefahr wegen Brände ist einfach zu groß, nicht nur wegen den Wäldern, sondern auch da praktisch jedes Haus aus Holz ist. Manchmal, wenn die Bedingungen nicht so gefährlich sind, wird von der Stadt ein Feuerwerk veranlasst. Dieses Jahr nicht, bei dem ganzen Wind. So hatte ich ein relativ ruhiges Silvester in einem Hostel, mit einigen Reisenden, die ich schon früher getroffen hatte.

Damit das Jahr gleich richtig gut anfing, bin ich sehr früh aufgestanden um zum Nationalpark Tierra del Fuego zu fahren. Einige Jugendliche waren frierend und nicht nur schlaftrunken auf dem Heimweg von ihrer Silvesterparty. Nicht wenige haben ihr Auto abgenommen bekommen.

Ich konnte mich daran erinnern, dass der Nationalpark mir vor zig Jahren sehr gut gefallen hat, als ich hier zum Wandern war.
DSC07926Auch diesmal war ich total begeistert von dem Wald, vor allem, da ich ihn am 1. Januar so früh morgens ganz für mich hatte.

Heute war mein Ziel nur das Ende der Ruta 3.
DSC07931Soweit kommt man mit Fahrzeugen auf dem „Festland“ von Südamerika, wobei ja eigentlich Feuerland auch eine Insel ist und zwar die größte Südamerikas. Da ich ja schon am südlichsten Ende von Neuseeland und am nördlichsten Ende von Australien war, sollte ich mir das ja auch nicht entgehen lassen. Die Fahrt hat sich auch so absolut gelohnt,
DSC07933Ein fantastischer Start in das Neue Jahr. So früh war der Himmel noch strahlend blau. Hier kann sich das Wetter sehr schnell ändern, was es dann auch prompt tat.

Für die meisten ist Ushuaia der Start oder das Ende einer langen Reise, Die Ganzen Panamericana Fahrer von Alaska enden hier. Nur wenige kehren um und fahren zurück.

Am 2. Januar war es für mich so weit. Es regnete zwar, aber ich hatte mich schon von allen verabschiedet und wollte trotzdem fahren. Außerdem ändert es sich ja immer nach dem nächsten Berg. Das tat es dann auch, aber zum Schlimmeren. Es stürmte und schneite, und so etwas nennt sich Sommer hier. Erstaunlicher Weise machte es mir überhaupt nichts aus, denn ich wusste, am Abend habe ich wieder ein warmes Plätzchen in der Panaderia. Außerdem war ich so froh wieder auf dem Fahrrad zu sein.

Trotzdem lehnte ich es nicht ab, als ein Auto von Nationalparkwaldarbeiter (oder so ähnlich) anhielt und mir angeboten hat, mich mitzunehmen. Wenigstens über den nächsten Pass, wo ich eigentlich die Aussicht dieses Mal bei Sonnenschein fotografieren wollte. Ich hätte genau so gut eine graue Wand fotografieren können. Einmal hielten sie an, um einen Baumstamm von der Straße zu entfernen. Sie konnten sie kaum auf den Beinen halten. War ich froh, dass ich im Auto saß.

Nach dem Pass war das Schlimmste vorbei. Ab und zu mit Rückenwind, hatte ich die restlichen 50km schnell hinter mir.

In der Panaderia wurde ich von einem jungen chilenischen Radfahrer wurde mit einem ganzen Teller Empanadas empfangen. Da ich den ganzen Tag kein nettes Plätzchen für eine Pause gefunden hatte, war ich dementsprechend hungrig. Nach 5 Empanadas und einer heißen Dusche ging es mir wieder wesentlich besser.
DSC07939 Als dann noch die Bäckerin mit einem Teller „Facturas“ (süße Stückchen) kam, war alles wieder prima in Ordnung.
DSC07944Zwei Nächte blieb ich wieder in Tolhuin um mich für die lange Etappe auf der Ruta 3, nach Buenos Aires, vor allem kalorienmäßig vorzubereiten.

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