Von der Kueste auf den „Great Dividing Range“

Nach Weihnachten verabschiedete ich mich für längere Zeit von Linda und Arie und der wunderschönen Goldcoast. Ich habe sie sehr genossen, jetzt wurde es Zeit, dass ich wieder etwas Fahrrad fahre.
Wie vor Weihnachten bin ich zuerst einmal nach Beaudesert, nordwestlich von Coolangatta gefahren, diesmal gleich weiter auf Nebenstrassen Richtung Norden.
An einer Weide, wo der Besitzer gerade Feierabend machte, fragte ich, wo ich hier zelten könnte. Sofort bekam ich als Antwort: „zum Beispiel hier!“. Es war ein wunderbares, abgelegenes Gelände mit einem kleinen Weiher.

Früh am nächsten morgen wurde ich durch seltsame Geräusche geweckt. Ich bekam Mitleid mit den Bauern, die schon vor 5 Uhr raus aufs Feld müssen. An Schlaf war für mich dann auch nicht mehr zu denken. Ich staunte nicht schlecht, als ich aus dem Zelt gekrochen kam:

DSC03851ungefähr 200m von meinem Zelt entfernt, auf Nachbars Weide, wurden 3 Heißluftballone aufgeblasen. Von wegen armer Bauer!
DSC03858Reiche Touristen, meist asiatisch aussehend, wurden in Bussen her gechartert.
DSC03861Beim Veranstalter, der auch nicht schlecht gestaunt hat, mich hier zelten zu sehen, habe ich mich am Schluss für das gigantische Schauspiel bedankt.

Ich blieb lieber am Boden, auch wenn dieser teilweise sehr ruppig wurde. Der Besitzer der Weide hat mich schon davor gewarnt, meinte aber, mit dem Fahrrad wurde ich schon durchkommen.
DSC03873Die Oberfläche der Strecke war dann gar nicht so groß das Problem. Da es schon lange nicht mehr richtig geregnet hat, war es außer ein paar steinige Strecken gut zu fahren. Nur die steilen kurze Anstiege und Abfahrten machten mir zu schaffen. Aber auch das war noch zu bewältigen. Ich hatte ja Zeit, dann kam wieder ein Stück auf Teer zum Ausruhen.

Mein Wasser ging langsam zu Neige. Kein Problem sollte man meinen, hier kommen ja ab und zu noch Häuser, wo man eventuell fragen kann. Allerdings sah alles sehr verlassen aus. Zwischen Weihnachten und Neujahr sind die meisten noch am Strand. Dann endlich hörte ich einen Rasenmäher. Ich nichts wie hin, bekam gleich alle meine Flaschen mit eisgekühltem Wasser gefüllt, dazu noch ein paar Kekse, sehr nett. Die nächste Ortschaft mit einem Supermarkt war dann auch  nicht mehr weit.

Kurz vor Toowoomba geht es richtig den Berg hoch, man hat mich schon davor gewarnt. Wie üblich wollte ich eine Abkürzung über eine Schotterpiste nehmen. Am Anfang stand ein Schild, nur für Allrad-Autos. Das hat mich noch nicht abgeschreckt, auch das nächste Schild, dass nach 1,6km ein sehr steiles Stück kommen soll, ignorierte ich, schließlich hatte ich ja schon einige sehr steile Stücke bewältigt. Als ich dann wirklich zu der Stelle kam, musste ich nur Lachen:
DSC0388135% !! Nur Australier können auf die Idee kommen solche Wege anzulegen. Es gibt genug Offroad Fanatiker die das vielleicht als Herausforderung ansehen. Man meint wirklich, man steht vor einer Wand. Das war einer der seltenen Momente, wo ich umgedreht bin. Trotzdem, ich war froh, dass ich mich nicht schon vorher abschrecken ließ. So etwas sieht man ja nicht aller Tage. (Später wurde mir gesagt, man fährt die Strecke nur bergab, nie bergauf. Ich weiß nicht was für mich schlimmer wäre).

Schön brav bin ich auf die normale Straße. Trotzdem, die Höhendifferenz musste ja bewältigt werden.
DSC03882Die 21% auf 1,2 km haben mir gereicht. Wenigstens kam ich hier schiebend hoch. Es war mal wieder gnadenlos heiß. Oben hätte ich eine schöne Aussicht haben können, wenn nicht alles verbaut gewesen wäre. Ab und zu erhaschte ich zwischen den noblen Häusern einen Blick ins Tal. Wenigstens bekam ich wieder frisches, kühles Wasser.

Dann nur noch ein paar Kilometer auf dem Bergrücken leicht bergab und ich war bei Alex’s Eltern,
DSC03886wo ich nicht nur von Alex und Martin sehr nett empfangen wurde.

DSC03888Es waren fast 6 Monate, seit wir uns in Sari Tash, Kirgistan, verabschiedet hatten. Es gab so viel zu erzählen. Sie sind erst eine Woche vorher in Australien wieder angekommen, nachdem sie über China, Vietnam, Laos bis nach Kambodscha gefahren waren. Alex’s Mutter hat dort eine Schule gegründet, „The Singing Kites“, die war ihr Ziel.

Es war gerade 30.12. als ich angekommen war. Noch kurz erholen und dann am nächsten Tag auf die nahe gelegene Farm ihres Vaters.

DSC03897Die Grundstücke hier sind einfach riesig, ich kann mir die Hektar gar nicht so richtig merken. Es ist ein wunderschönes, hügeliges Gelände, mit Bächen, Gummibäume, Kängurus, Koalas, Eidechsen, Possum und natürlich auch Kühe.

DSC03903Hier haben wir den letzten Sonnenuntergang des Jahres angeschaut. Das Licht hier ist einfach fantastisch. Dann draußen bei Kerzenlicht Abendessen und guten Wein. Die Nacht war so schön und klarer Himmel, dass niemand im Haus schlafen wollte.

Am nächsten Tag wurde zuerst dem hauseigenen Possum einen Besuch abgestattet. Da es nachtaktive Tiere sind trifft man hin tagsüber in einer Blechbüchse voller Schrauben an.

DSC03916Mit einem kleinen Jeep ging es hier (ich, Alex, Sarah (Alex Schwester)) das Gebiet zu erkunden.

DSC03918Unglaublich, was es hier zu entdecken gab.

DSC03932Hier haben sicher früher Aboriginies gehaust. Heute machen es sich hier Kängurus gemütlich. Man sieht es an dem „Rooh-Pooh“ (Känguru Dreck)

DSC03938Riesige Eidechsen, zu Land und in den Bächen. Leider war der Koala zu weit oben im Baum, darum kein Foto. Ja, es gibt schon einiges, was mir hier in Australien sehr gut gefällt.

Heimweh braucht man hier auch nicht bekommen. Der nächste „Black Forest“ ist sicher nicht weit.

DSC03946Außer in Titisee habe ich wahrscheinlich noch nie so viele Kuckucksuhren auf einem Haufen gesehen.

Ich blieb dann noch einige Zeit mit den dreien bei Alex Eltern. Es war einfach zu heiss um noch irgendwo hin zu fahren. Allerdings wollte ich auch was zu tun haben und ging mit Martin und Alex Vater auf die Farm. Dort gibt es immer was zu tun, wie hier Pflöcke für den neuen Zaun zu stapeln.

DSC03957Es wird wahrscheinlich in die Anekdoten der Familie eingehen, dass ich sehr erstaunt darüber war, dass der Vater Zäune baut, die noch 100 Jahre halten, wo er doch die Farm noch höchstens 20 Jahre hat. Kein Politiker denkt über seine Legislaturperiode hinaus, wo wäre heute die Autoindustrie, wenn ein Auto 100 Jahre halten würde? Eine Lebensdauer eines Computers ist maximal 4 Jahre (außer meine müssen länger halten). Nein, auch wenn ich meine Späße darüber gemacht habe, ich wusste es sehr zu schätzen, mit welcher Passion und Souveränität er an die Arbeit ging. Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht zu helfen, ich habe auch viel gelernt. Es ist doch auch nett zu wissen, dass in 100 Jahren noch ein Stückchen Zaun in Australien herumsteht, wo ich beim Aufbau mit beteiligt war.

Am Nachmittag war es einfach zu heiß. Da war nur noch Schwimmbad und Veranda angesagt. Ein sehr kreative Phase. Martin, Alex und ihre Schwester sind alle Designer und haben Millionen Ideen, wie sie in Zukunft machen wollen. Ein Projekt sind die „Art-Raley“ Bücher,

DSC03966leere Bücher, die mit verschiedenen Themen auf die Reise geschickt werden und jeder kann seinen Beitrag dazu malen, schreiben, dichten etc. Also falls jemandem so ein Büchlein in die Hand fällt, es ist hier bei ca 45Grad in einem kleinen Ort im Buschland von Australien entstanden. Das war für mich eine sehr inspirierende Zeit. Nur zum Radfahren bin ich nicht viel gekommen, aber das kommt auch wieder.

Gegen Ende meines Aufenthalts dort konnte ich noch bei dem Zusammentrieb der Kühe dabei sein. Schon gigantisch, wenn die Herde um die Ecke geschossen kommt.

Am nächsten Tag wurden die Kälber gekennzeichnet, geimpft und die männlichen kastriert, 116 Stück. Das ging ruckzuck, es hat nicht einmal 2 Stunden gedauert.

DSC03976 Nicht gerade was, was man gesehen haben muss. Aber die Kälber sind sehr lebendig davon gesprungen. DSC03979 Ein anderes Schauspiel war die Kälberauktion,
DSC03992 alle Generationen (von Zuschauern und Bietern) waren vertreten.DSC03998 Man hat mich vorher gewarnt, ja die Hände unten zu lassen, auch niemand zu zuwinken. Sonst müsste ich womöglich noch mit Kühen weiter reisen. DSC04003Ich weiss nicht, wie viele Kälber dort verkauft wurden, es waren viele, sehr viele. Und anscheinend gibt es fast jedes 2 Wochenende in der Gegend so eine Veranstaltung. Anscheinend wurden viele von einem Großmäster von Woolworth (große Supermarktkette in Australien) aufgekauft.

Am 13. Januar musste ich dann auch hier wieder Abschied nehmen. Wegen der Hitze hatte ich einen Flug nach Neuseeland gebucht. Alex und Martin wollten einen Besuch in Brisbane machen und haben mich dann direkt auf den Flughafen gebracht. Vorher war aber abgemacht, wir sehen uns wieder! Und zwar kommen sie im März auch nach Neuseeland, dann fahren wir die Nordinsel zusammen. Zuerst fahre ich auf der Südinsel, endlich wieder ausgiebig Fahrrad fahren. Bald darüber mehr.

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