Touren mit und ohne Fahrrad

Nachdem Lindas dreiwöchige Bereitschaft als Geschworene beendet war, blieb sie auch in Coolangatta, wollte später nach Rockhampton fliegen und mit Arie und den zwei Hunden langsam der Küste entlang wieder zurück und hat mich dazu mit eingeladen. Ich war in der Zwischenzeit mit Judiths Buch fertig, das wollte ich erledigt haben, bevor ich für längere Zeit auf Tour gehe.

DSC01266Am 8. Dezember ging es los mit dem Flugzeug nach Rockhampton. Schon aus der Luft sah man, hier oben ist alles viel trockener und flacher.
DSC03688Arie holte uns mit Auto, Wohnwagen und den zwei Hunden am Flughafen ab. 2003 bin ich die Strecke mit dem Fahrrad gefahren, konnte mich aber an nichts mehr erinnern. Linda und Arie kennen die Strecke gut und wissen nette Plätze, wo man Zelten kann..

DSC03690Für mich war das ein totales Novum, so eine Tour mit Auto zu machen und den ganzen Luxus eines Wohnwagen auch noch dabei. Geschlafen habe ich in meinem Zelt, das erste mal seit den Philippinen, welch eine Freude.

Zuerst sind wir entlang der Küste gezottelt, haben abgelegene Buchten angeschaut, 30-40km lange Sackgassen für die ich mit dem Fahrrad einfach zu faul  wäre.
DSC03711Wie zum Beispiel ein Ort namens 1770, wo Cook 1770 landete.
DSC03718In der nächsten Nacht sind wir auf einem abgelegenen Campingplatz gelandet. Zuerst machte er keinen besonderen Eindruck es waren auch nur 2 andere Wohnwagen dort. Etwas entfernt war ein Fluss.
DSC03730Später entdeckten wir die Schätze dieses Platzes. Es gab einige wilde Tiere. Am späten Nachmittag kamen die Kängurus heraus, schwarze Kakadus mit roten Schwänzen flogen umher, Warane rannten herum.
DSC03735Schlangen schlängelten sich den Ästen entlang und in der Dunkelheit kamen Glühwürmchen hervor. Das ist was vom Einzigartigen hier in Australien, die große Anzahl der verschiedenen Tiere. Manchmal kann es auch ganz schön laut sein, wenn alle die Grillen anfangen, Rosakakadues, Kakadus und Kookaburas um einen herum fliegen.

An der Cooloola Coast machen unzählige Zugvögel halt. Unglaublich, was für Strecken sie nach Sibirien oder Alaska zurück legen.

Für die ca 800km von Rockhampton nach Coolangatta ließen wir uns mächtig viel Zeit, suchten Plätze, die interessant aussahen, wo ich nicht mit dem Fahrrad hinfahren müssen wollte.
DSC03747Nach Gympie fuhren wir in die Berge. Fast überall in den alten Siedlerorten haben sich Künstlerkolonien gebildet. Überall gibt es Galerien und Kunsthandwerke. Es ist leicht zu verstehen, warum sich hier die ersten Siedler niedergelassen haben. Es sieht so aus wie in einigen Teilen Europas und das Klima  ist hier oben auch wesentlich angenehmer.

Dann wieder runter ans Meer, in eine total andere Welt. Ich bin froh, die Bergroute gewählt zu haben. Die Küste ist einfach sehr voll, überhaupt um diese Jahreszeit zieht es alle ans Meer. Statt Künstler prägen Surfer das Straßenbild, (wobei natürlich auch Surfer Künstler sein können und umgekehrt).

Dann wieder zurück in Coolangatta, wo ein Paket von Schwalbe mit neuen Reifen und Schläuchen auf mich wartete. Vielen herzlichen Dank. Sehr viel Neid habe ich inzwischen bei vielen Radlern mit diesen prima Schwalbe Mondial geweckt.

Nur einen Tag blieb ich dort, um mein Fahrrad zu richten, Blogeintrag zu schreiben, etc.  Mir kribbelte es inzwischen mächtig in den Beinen und ich wollte bis Weihnachten noch eine Tour durch die Nationalparks der Gegend machen.

Wie schon erwähnt, ist die Küste derzeit einfach zu voll, deswegen zog es mich in die Berge, die sind hier nicht sehr hoch, aber es ist ein stetiges auf und ab, dass man am Ende des Tages doch ganz schön viele Höhenmeter zurückgelegt hat.

Mein erster Stopp war bei Chris und Dave außerhalb von Beaudesert, von der „Warm Shower list“. Ich liebe einfach das Netzwerk für Fahrradreisende. Erstens bekommt man einen besseren Einblick in das Leben der Leute in den verschiedenen Ländern, zweitens sind die Gastgeber auch Fahrradfahrer, d.h. man hat unglaublich viel Gesprächsstoff.

So habe ich erfahren, wie es sich in den abgelegenen  Farmhaeuser lebt. Wunderbarer Blick über die sanften Hügel, mit einem blühenden Jacaranda Busch vor dem Haus. Es  nicht abgeschlossen werden, warum auch, die Chance, dass jemand vorbei kommt, ist sehr gering. Viel wahrscheinlicher ist, dass eine Schlange vorbei kommt. Eigentlich dachte, ich sie verschwinden, wenn ich angetrampelt kommen, anscheinend tun das die „Brown Snakes“ nicht, die giftigste Schlange überhaupt. Jedes Jahr sterben ein paar Leute. Vielleicht sollte ich in Zukunft besser aufpassen.

Aber auch hier gibt es wunderbares Essen und vorzüglichen Wein. Bis spät in die Nacht haben wir geredet, über all die wunderbaren Plätze auf der Welt, wo man Radfahren kann.

Es hatte ein Weilchen gedauert, bis ich los kam. Zu nett war es und noch so viel zu reden. Ich kann ja wieder zurück kommen.

Es war schon recht warm als ich schlussendlich auf dem Fahrrad gesessen bin. Zuerst ging es noch mit den Bergen, ich ließ es langsam angehen. Es bestand absolut kein Grund zur Eile. Nach 14km kam schon der erste und letzte (bis zum allerletzten) Ort, Rathdowney. Meine Flaschen waren alle noch voll, auch sonst hatte ich alle meine Vorräte. Nur um das nette, kleine Tourist Info bin ich nicht drumrum gekommen. Es liegt am Fuße der MacPherson Ranges, ein nettes altes Örtchen.

Danach fing der Anstieg an und immer den beeindruckenden Mt Lindsay im Blick.
DSC03768Es war gnadenlos heiß, ging immer bergauf und es gab kaum Schatten. Die Landschaft war fantastisch und es gab in dieser abgelegenen Gegend so gut wie kein Verkehr.

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Als ich in Woodenbong angekommen bin, war ich fix und fertig. Dann war auch noch Samstag Nachmittag. Ich muss mich zuerst mal wieder daran gewöhnen, dass Läden um diese Zeit auch geschlossen sein können. Nur ein Take Away war offen. Für teures Geld erstand ich kühle Getränke, egal.

Dann stellte ich fest, da ich inzwischen in New South Wales war, war es schon 17Uhr. Wirklich kein Grund weiter zu fahren. Auch wenn der Ort nur 500 Einwohner hatte, er hatte einen kleinen (kostenlosen) Campingplatz, ruhig und schnuckelig. Das erste mal, dass ich mich zuerst mal im Schatten hinlegen musste, bevor ich in der Lage war, das Zelt aufzubauen.

Die Hitze hielt noch ein paar Tage an. Eigentlich hätte ich früher aufstehen sollen, um die kühlen Stunden des Tages zu genießen, ich war aber noch viel zu fertig

An manchen Siedlungen oder Kreuzungen gibt es General Store, Ein All-In-One Shop mit Tankstelle und Postoffice.

DSC03777Leider verschwinden die kleine Tante Emma Läden immer mehr, die so wertvoll für durstige und hungrige Fahrradfahrer sind.

Nicht mal auf 800m bei den Queen Mary Falls war es etwas kühler.

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Ich meine irgendwann mal gelernt zu haben, dass es pro 100m 1 Grad kühler werden sollte, es sei denn es herrscht eine Inversionswetterlage vor, was hier sicherlich nicht der Fall war. Mir wurde es auch mit dem Berg auffahren immer wärmer. Die Vögel schienen sich trotzdem noch wohl zu fühlen, wenigstens im Schatten.

DSC03782Erst als ich wieder runter gefahren bin, fühlte es sich an, als ob ich gegen eine Wand fahre. Zum Glück kühlte es sich am Abend immer etwas ab.

DSC03793Eigentlich war die Strecke hervorragend. Angelegene Straßen durch Wälder und Felder, manchmal nur dirt roads. Nur die Hitze hinderte mich daran es richtig zu genießen. Selbst die sonst so zahlreichen Tiere ließen sich nicht blicken.

Dann kam ich bei Jayn in der Nähe von Standthorpe an. Ihr Haus liegt direkt im Busch direkt am Rande des Höhenzuges mit weitem Blick in den Westen.

DSC03805Vor allem in der Abendstimmung war der Blick gigantisch.

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Da wir uns von Anfang an gut verstanden, es genug zu tun gab und die Aussicht auf Abkühlung nicht gegeben war, habe ich beschlossen, zwei Nächte zu bleiben.
DSC03812Früh am morgen machten wir uns auf zu ihrer Baustelle auf ihrem riesigen Grundstück. Sie baute gerade eine Hütte, ich durfte helfen, etwas was ich in meinem Leben noch nicht gemacht habe, ich liebe es immer neue Sachen zu lernen, es machte richtig Spaß.

Um 11Uhr war es dann zu heiß um noch irgend etwas zu sägen oder hämmern. Es gab auch im Haus noch genug zu tun.

Endlich wurde es wieder kühler. Es war noch ein langer Weg wieder zurück darum fuhr ich am nächsten Tag weiter. Die Strecke war wunderschön und wesentlich einfacher als die letzten Tage, hauptsächlich weil es nicht mehr so heiß war, nur noch 25 anstatt 47 Grad. Es waren jetzt auch einige von den wunderschönen roten Vögel, Rosellas, unterwegs. Kängurus hüpften herum, wahrlich eine Freude.

Hier gibt es auch einige Nationalparks, Ich habe mir den Bald Rock Nationalpark ausgesucht. Es ist der größte Granitfelsen auf der Südhalbkugel.
DSC03820Er ist auf über 1000m. Wirklich angenehme Temperaturen. Wie üblich in den Nationalparks gibt es viele Tiere. Ich war ganz schön dankbar über das Schild:

DSC03824Es ist den meisten immer noch nicht klar, wie viel Schaden sie anrichten, wenn sie die wilden Tiere füttern. Es ist nur ein kleiner Schritt von „zutraulich“ bis zum Angriff.

DSC03829Die Kängurus boten ein nettes Schauspiel, mit dem Jungen im Beutel. Er scheint sich sehr wohl zu fühlen und fällt auch bei großen Sprüngen nicht heraus.

DSC03832Das ist lauter Zeitgenosse, der Kookaburra oder auch „lachender Hans“. Er verhindert erfolgreich, dass man am Morgen zu lange schläft.

Es gibt auch einige nachtaktive Tiere, die um mein Zelt  streunten. Sie halten einen auch vom Schlafen ab. Es ist als ob die Tiere in Partystimmung kommen, wenn die Menschen (ich wenigstens) schlafen wollen. Drei Kreaturen sprangen von meinem Zelt weg, als ich kurz raus schaute. Ich konnte leider nicht erkennen, was es war, wahrscheinlich Wombats oder Possums oder so was.

Ich habe mir wahrscheinlich die bergigste Gegend von Australien ausgesucht, rüber und nüber über den Bergrücken. Kaum ein Tag an dem ich nicht mindestens 1000 Höhenmeter gemacht habe, egal wie kurz ich gefahren bin.

DSC03835Dann über den Richmond Range National Park. Über Kilometer hinweg keine Menschenseele, dafür Warane, Kängurus, bunte Vögel aller Art.

DSC03838Als das „Dry Weather Only“ Schild kam, war es schon zu spät. Ich hatte keine Lust mehr um zudrehen. Es hatte am Abend heftig geregnet, generell ist is aber so trocken, dass ich keinen Matsch oder Schlamm vermutet.

Nur ein paar Bäche waren im Weg.

Dann war ich bald wieder in der Mt Warning Region. Der ausgestreckte Zeigefinger würde mir normalerweise zeigen, dass ich bald „zu Hause“ bin. Nur hat er sich das erste Mal seit ich hier bin hinter den Wolken versteckt. Das war ein Grund, weswegen ich nicht noch einen Abstecher zum Gipfel gemacht habe. Ein anderer Grund waren Blutegel. In der Nacht zuvor habe  ich auf einer Wiese gezeltet, wo es diese ekligen Tiere gab. Ich war kaum fünf Minuten dort, da hatte ich schon so ein Geschöpf am Fuß, das mich schröpfte.  Sehr unangenehm. Dann ist mir eingefallen, mir wurde gesagt, Mt Warning soll voll davon sein. Nein Danke. Das war der zweite Grund.
DSC03848Dann nur noch dem Tweed River entlang, an diesem typisch australischen Hotel „Mt Warning“ Hotel, natürlich mit Bottle Shop, direkt nach Coolangatta.

So jetzt bin ich wieder voll in Reisestimmung. Nur ca 10 Tage war ich mit dem Fahrrad unterwegs, so viel gesehen, so viel erlebt, so viel gelernt, so viele Leute kennengelernt.

Weihnachten feierte ich bei meinen Freunden, natürlich mit BBQ, Schinken und Truthahn und schwimmen im Meer,

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