BarCamp Rhein-Neckar #bcrn

Mein Zweites BarCamp #bcrn

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Endlich ist es wieder so weit. Lange fieberte ich nicht nur dem Event entgegen, sondern freute mich darauf, ein paar alte, junge Gesichter wieder zu sehen. 

Das Wetter war fantastisch, ich fuhr mit dem Fahrrad dem Neckar entlang und dem Barcamp entgegen. Einige waren schon da, Nathan und Julia, die zum Orga Team gehören sprangen aufgeregt herum.

Schon bei der Einleitung sah man, das Team geht mutig ein paar eigenen Ideen nach. Anstatt der Vorstellungsrunde schrieb man seine Daten auf einen Zettel, der an eine Wand gepinnt wurde.

Der Andrang, eine Session vorzustellen, war mal wieder groß, ich brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, mich dieses Mal zurück zu halten. So war der Sessionplan schnell gefüllt und ich musste mich zwischen vielen interessanten Themen entscheiden.

Gerade habe ich gesehen, bei den ersten zwei Sessions, die ich besucht habe, kann ich direkt auf @danielschöberl verweisen. Wir waren zusammen bei der „Patientenverfügung“ und „oDesk“ und dem, was er geschrieben hat, kann ich nur zustimmen. Bei Letzteren war ich allerdings kompletter Neuling.

Danach trennten sich unsere Wege. Ich ging zur „Macht der Stimme“ . Roman Jaburek von „Erfolgston“ hat mich schon bei seiner Sessionvorstellung überzeugt. Er war der einzige, den ich ohne Probleme verstehen konnte. Vielmehr als der Inhalt einer Rede ist die Stimme wichtig, um die Zuhörer zu fesseln. Um auch bei Vorträgen richtig atmen zu können, muss man immer wieder „Abspannen“ können, am besten, wenn man die Endsilben betont. Man muss ein gutes Gefühl zu seinem Körper haben, er darf weder zu schlapp oder zu verspannt sein. Es bedarf noch einiger Übung, um dahin zu kommen.

Für mich war sehr wichtig, etwas über Überschriften, Vorspann und Küchenrufe zu erfahren. Annette Lindstädt machte klar, wie wichtig Bilder und Überschriften sind, damit der Blog überhaupt gelesen wird. Die meisten Leser haben nach den Bildern schon genug vom Blog. Vielleicht lesen sie noch die Überschrift. Wenn diese nicht zieht, dann sind sie auch schon wieder weg. Der Text braucht einen „Küchenzuruf“, eine knappe Zusammenfassung, der dem Leser zeigt, warum es gut ist, diesen Text zu lesen.

Beim Zeitmanagement von Gunthart Mau ging es mal wieder um die Eisenhower-Methode sowie das Pareto-Prinzip. Beides habe ich schon einmal gehört, aber man kann es nicht oft genug gesagt bekommen. Meist kommt bei mir doch das zuerst, auf was ich Lust habe. War das Schreiben dieser Rückschau dringend und wichtig? Eigentlich, im Vergleich was sonst noch auf meiner ToDo–Liste steht, nicht so sehr.

Trotzdem, da es mir sehr gut gefallen hat und ich Julia, Nathan und dem ganzen OrgaTeam sehr dankbar bin, war es mir schon wichtig und zeitnah sollte es ja schon auch sein.

Die Schlussrunde war eigentlich voll des Lobes. Es wurden nur ein paar Punkte aufgegriffen, die weniger Gefallen gefunden hatten, wie zumBeispiel die Vorstellungsrunde auf Zettel zu beschränken. Der Versuch, was Neues zu wagen, wurde aber insgesamt als positiv bewertet. Insofern konnte sich das Team, das wirklich Hervorragendes geleistet hat, gelassen zurücklehnen und das Abschlussbier genießen.

Übrigens habe ich das wunderbare Wetter am nächsten Tag genutzt, um ein großes Stück des Heimweges, bis Baden Baden, mit dem Fahrrad zurück zu legen. Mehr            darüber bald hier auf diesem Blog.

Vielen Dank an das ganze Orga Team, ich freue mich auf das nächste Mal

Vielen Dank an die Sponsoren:

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Wohin gehst Du? Kannst Du das mal genauer erklären? #bcka14

Das waren die Reaktionen, wenn ich sagte, ich gehe zum BarCamp Karlsruhe. Nein, erklären konnte ich es auch nicht, es war mein erstes BarCamp und ich hatte keine Ahnung, was auf mich zu kam. Gelesen habe ich ab und zu mal darüber. Soll ja gut sein zum Netzwerken und ausserdem bin ich offen für Neues. Ich mutmasste, da es an der Karlshochschule war, dass es hauptsächlich die Jugend anzog und die Themen eher technisch sein werden. Beidem bin ich bei Weitem nicht abgeneigt. Um gleich mitten im Geschehen zu sein, bot ich meine Hilfe an, war am Empfang und habe die Namenskärtchen verteilt. Schnell merkte ich, dass ich mit meiner ersten Annahme nicht ganz recht hatte, ich war nicht die einzige, deren Haarfarbe schon stark ins Grau übergeht.

Dann die Vielfalt der Themen! Von wegen technisch. Von Fröbelsterne basteln über urban gardening zu Alternative Paarkonstellationen konnte man alles mitnehmen.

Als „Baby“ – Neuling in Barcamps – sollte man eine Session halten, so lautet anscheinend die Regel. Irgendwie kann ich mich da schon durchmogeln, dachte ich, es gab ja viele Neulinge. Nach dem ersten Tag, der gespickt war von Suizidversuchen, twitter tipps, Monetarisierung der Blogs, SEO und interessanten Paarkonstellationen war ich schon halb angefressen. Ausser meinem „Glückstreffer“ vom DNX Berlin, Daniel Schöberl, kannte ich niemand, was sich bald geändert hat, vor allem bei einem sehr informativen und spassigen Ausklingen des ersten Tages, mit Nathan, Julia und Silvia. Dabei wurde ich dazu animiert, doch noch eine Session vorzuschlagen.

Ich nutzte die Gelegenheit endlich über das zu Reden, was bei meinen Reisevorträge nicht richtig zu Wort kommt, um was es eigentlich bei Radreisen geht, was mir wichtig ist und dass es eigentlich jeder machen kann und um weitere Fragen zu beantworten. Es ist eher eine mentale Angelegenheit. Es haben sich sogar ein paar Zuhörer gefunden, obwohl eine Porno-Session nebenher lief🙂

Die Netto Session war dann noch ein witziger, amüsanter Abschluss. Danach war ich aber froh, dass es vorbei war, mir brummte der Schädel. Zwei Tage lang voll mit interessanten Vorträgen und Diskussionen, das übertraf all meinen Erwartungen. Jetzt kann ich jedem erklären, was ein BarCamp ist. Ich werde wieder kommen. Wann und wo ist das nächste?

P.s. Ein Blogeintrag ohne Bild ist wie ein Lied ohne Worte – auch nicht schlecht!

Durch das mittelalterliche Europa

Schweren Herzens flog ich am 24. April nach Europa, wohlweislich nicht direkt nach Deutschland, sondern zuerst einmal nach Madrid um mich dann langsam Deutschland zu nähern. Ich wurde in eine ganz andere Welt katapultiert. Meine Schwermut hielt nicht lange an, erstens wurde ich von Inma, einer Radfahrerin aus Madrid äusserst nett empfangen, hatten lange Diskussionen über Radfahren und das Leben überhaupt,  und zweitens war ich von der Stadt sehr begeisterte. DSC09014Ich war wirklich erstaunt, dass mir nicht bewusst war, wie schön die Stadt ist, obwohl ich schon einmal hier war. Vielleicht war ich jetzt besonders sensibilisiert dafür, da ich solch prachtvolle Schlösser DSC09005alte Häuser und enge Gässchen schon lange nicht mehr gesehen habe.

Von Inma bekam ich eine Wegbeschreibung, wie ich am besten mit dem Fahrrad die Stadt verlasse. Auf rot markierten Fahrradwegen ging es aus der Stadt, durch Parks, auf wenig befahrenen Strecken an Palästen vorbei, wie hier
DSC09017der Palacio de Aldovea. Es war wahrscheinlich auch die beste Jahreszeit, alles war grün, die Sonne schien und strahlend blauer Himmel.

Als ich mich dann auf dem Single Trail wieder fand,
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war ich schon etwas erstaunt. Wenn mich jemand gesehen hätte, hätte er mich sicher für verrückt erklärt, mit dem ganzen Gepäck dort lang zu fahren. Ich hatte ja mittlerweile genug Übung, hatte deswegen keine Bedenken.

Die Wegbeschreibung endete in Alcalá de Henares, einem uralten Ort, Weltkulturerbe,  von dem ich noch nie etwas gehört hatte, andere anscheinen schon, es wimmelte von Touristen.

Eines der positiven Seiten wieder zurück in Europa zu sein, war erst einmal der Frühling,  alles grünte und blühte, dann die langen Tage. Ich geriet nicht mehr so unter Stress, da es am Abend noch lange hell war, um einen Platz zu finden, wo ich mein Zelt aufstellen konnte.

Am nächsten Tag beschloss ich trotz meiner Aversion gegen grosse Städte durch Guadalajara zu fahren um ein paar Sachen zu besorgen. Und wieder wurde ich mit prachtvollen Bauten belohnt,

DSC09027wie hier der Palast Infantado, der im 15./16. Jh erbaut wurde, an dem man gut den arabischen Einfluss sehen kann
DSC09030Langsam hatte ich das Gefühl, ich fahre durch ein riesiges Open Air Museum und verstand meine australischen Freunde, die sehr gerne nach Spanien und Frankreich zum Radfahren kommen. Solch historische Bauten gibt es in Australien, Neuseeland und auch in Südamerika nicht.

DSC09036Selbst die vielen kleinen Dörfer haben meist eine Kirche aus dem 12. Jh zu bieten.

Was auch zum Genuss durch Spanien zu radeln beigetragen hat, waren die viele Verästelungen des Jakobsweges

DSC09038Kaum ein Weg der nicht mit der gelben Muschel, dem Wegweiser nach Santiago de Compostella, gekennzeichnet war. Hier fand ich eine Teilstrecke, die in meine Richtung führte und auch gut mit dem Fahrrad machbar war.
DSC09044Es gibt auch noch in Europa herrliche, einsame Gegenden zum Fahrrad fahren. Es ist allerdings nie so abgelegen, dass man befürchten muss, kein Wasser mehr zu finden oder Proviant für die nächsten Tage mitschleppen muss.

Die ganze Jakobsweg Initiativen haben auch noch einen anderen Vorteil: günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Wenn man mal von der Hauptroute von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago absieht. Eines Abends kam ich in eine kleine Stadt, in Mitten von Weinbergen und Obstplantagen. Kein guter Platz zum Zelten, darum beschloss ich in dem Ort nach einem Zimmer zu fragen. Die Polizei kam herbei und fragte mich, ob ich auf dem Camino unterwegs sei. Zuerst meinte ich, nicht direkt, worauf der sehr nette Polizist meinte, ich solle einfach „ja“ sagen.  Für Pilger werden in dem Ort die Baracken für Saisonarbeiter, Obstpflücker zu Verfügung gestellt. Mit einem „echten“ Pilger aus Barcelona, teilte ich mir die luxuriöse Baracke. Natürlich war sie nicht wirklich so luxuriös, wenn man es allerdings mit dem Zelt vergleicht, ist schon eine Dusche mit heissem Wasser, Herd, Kühlschrank etwas ganz  besonderes.

Einer meiner letzten Ziele war Andorra. Diese Berge in den Pyrenäen wollte ich mir einfach antun. Dazu ging es zuerst durch die alten, fast total verlassen Dörfer.
DSC09054Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die Gesamtbevölkerung wohnt in Madrid und den anderen wenigen grösseren Städte in Spanien. Der Rest ist weitgehendst leer.

Manchmal wurde ich gefragt, woher ich komme. Als ich Deutschland sagte, wollten sie kaum glauben, dass ich von Deutschland, nach Spanien mit dem Fahrrad gefahren bin. Dabei habe ich nicht einmal erwähnt, auf welchen „Umwegen“ ich von Deutschland nach Spanien gefahren bin.

Entlang von Flüssen und Seen ging es auf der C-13 in die Berge.
DSC09070Tiefe Schluchten, vor allem, wo der Fluss gestaut wurde, und leuchtend türkisfarbenes Wasser.
DSC09074Vor lauter Begeisterung von der Landschaft, fällt einem kaum auf, wie es den Berg hoch geht. Es war Wochenende und wunderbares Wetter. Das nutzten viele Motorradfahrer aus. Ich beschloss eine kleinere Route zu wählten. Der Besitzer des Campingplatzes meinte noch, das wäre zu gefährlich, kleine schmale, kurvige Strassen, da wäre kaum ein Auto unterwegs. Er sah schnell ein, dass das genau das war, was ich wollte und er es nur von der Autofahrerperspektive gesehen hat.

Hier ging es jetzt wirklich den Berg hoch,
DSC09078durch das kleine Örtchen Boixols. Sehr bemerkenswert, in welcher Abgeschiedenheit hier die Leute leben.
DSC09086Anscheinend kommen noch andere Fahrradfahrer auf die Idee über den Pass de Boixol zu fahren, sonst wären nicht nach jedem Kilometer diese Hinweisschilder
DSC09091Man wird ständig über Höhe und % Steigung auf dem Laufenden gehalten. Anscheinend brauchen das die Rennradler. Ich war die einzige die voll beladen die Berge erklommen hat.
DSC09094Wie fast immer, als Belohnung hat man eine wunderbare Abfahrt.

Nach Andorra hat mein nicht viel Möglichkeiten, ich blieb auf der N14, die am Montag morgen zum Glück nicht mehr so befahren war, wie am Sonntag Abend. Sanft geht es auf dieser Seite hinauf zur Grenze.
DSC09099In diesem Steuerparadies wird man zuerst mal mit einem Shopping Center an dem anderen empfangen, was im krassen Gegensatz zu der schönen Bergwelt steht. Da mir gerade am Abend vorher mein Kocher kaputt gegangen ist, habe ich doch das eine oder andere von innen angeschaut, ich brauchte unbedingt einen Neuen.

Ziemlich in der Mitte des Minilandes die Stadt Andorra.
DSC09103Auch vom Konsum geprägt, überhaupt wenn man etwas für den Motorsport möchte, ist man hier an der richtigen Adresse. Sie hat aber auch eine schöne Innenstadt, wo ich das erste Mal seit langem auf viele deutsche Touristen traf, was mir wieder das baldige Ende der Reise bewusst machte.

Nach Andorra Stadt geht es richtig bergauf.
DSC09106Auch hier wird man stets informiert, wie weit es noch zum Pass ist, wie viele Höhenmeter man noch hoch muss, welche Steigung einen auf dem nächsten Kilometer erwartet.
DSC09107Recht praktisch, so kann man seine Kräfte gut einteilen. Auch hier kamen nur Rennradler vorbei. Schwer beladen wie ich war, erhielt ich einige anerkennende Bemerkungen von den jungen Burschen. Als Frau in meinem Alter gefällt einem das besonders.

Auch ich erreichte schliesslich den Pass (2408m)

DSC09111Die Skisaison muss gerade beendet worden sein. In dem riesigen Skigebiet lag noch viel Schnee auf den Pisten.

Hinter dem Pass kommt bald die französische Grenze. Vorher aber noch die Konsumtempel.
DSC09115Vor allem Zigaretten, Alkohol und Schokolade! Wenn ich gewusst hätte, wie teuer Frankreich ist, hätte ich mich auch etwas besser eingedeckt. DSC09117Danach hatte man einen weiten Blick ins Tal. So wie das da hinunter ging, befürchtete ich schon, dass ich dann auch ganz schön wieder nach oben muss. Zuerst einmal genoss ich die ca 37 km hinunter auf ca 800 Höhenmeter in den Badeort Ax-les-Therme. Jetzt war ich schon in Frankreich, das Ende nahte mit jeder Radumdrehung.  Bis zum Schluss wollte ich die Reise noch geniessen.

Vorerst wurde ich noch gefordert. Ein Pass jagte den anderen.

DSC09119Raus aus dem Tal von Ax-les-Therme war es der Höchste
DSC09120Auch hier wurde einem immer wieder der Lagebericht präsentiert.
DSC09121Das Wetter machte zum Glück noch mit und der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite.
DSC09124Es war schon Spätnachmittag als ich den Col du Chioula erreichte, auf einer kleinen Wiese in einem kleinen Dorf konnte ich mein Zelt aufstellen.

Anstatt einer schönen Abfahrt, wieder Pässe.
DSC09126Dann auch noch dichter Nebel. Ich habe mir überlegt, wann ich das zum letzten Mal hatte, keine Ahnung. Für mich war es eine typisch europäische Erscheinung.

Die Pässe wurden immer niedriger, manchmal hatten sie kaum diesen Namen verdient.

Auf dem Weg nach Narbonne gelangte ich auf die Route de Cathare. Es war noch hügelig, aber fast auf jedem Hügel befand sich eine Burg, Schloss oder Kloster.

DSC09128Dann endlich Narbonne,

DSC09139So nah am Mittelmeer, dass nun wirklich alle Berge und Pässe der Vergangenheit angehörten. Vor allem als ich nach Beziers an den Canal de Midi kam,
DSC09153gönnte ich mir einen Tag „Erholungsradeln“, einfach so am Kanal entlang gondeln hat schon was für sich. Allerdings war ich über die Vielzahl der Radfahrer, vor allem Familien erstaunt. Erst am Tag danach fiel mir auf, es war ja 8. Mai, Feiertag in Frankreich.

Einen Tag kann ich das schon mitmachen, danach brauche ich wieder einsamer, interessantere Strecken, was da unten am Mittelmeer kaum zu finden ist.

DSC09160Auch hier waren einige Radfahrer unterwegs. Die neu angelegten Radwege und das prima Wetter waren auch zu verlockend.
DSC09161Eigentlich braucht man gar nicht in die weite Welt fahren, auch hier, in der Camargue gibt es rosa schimmernde Salzseen und Flamingos, die allerdings mehr weiss als rosa sind.
DSC09164In der mittelalterlichen Stadt Aigues-Mortes war auch die Hölle los. Das angenehme war, die Touristen mussten ihre Autos vor den Stadttoren lassen. Aber auch so bin ich mit dem Fahrrad kaum durchgekommen.
DSC09169Fast alle der zahlreichen Plätze wurden von den Cafés und Restaurants eingenommen, praktisch jeder Tisch war besetzt, nichts für mich. Unter dem Aspekt lohnt es sich in die weite Welt zu fahren.

Kaum aus der Stadt heraus, traf ich auf das erste Schild für den Fahrradweg der Rhone entlang.
DSC09171Fantastisch und erstaunlich ruhig konnte man auf neuem Belag dahin fahren. Vor allem war erstaunlich, dass mir nur sehr wenige Radfahrer begegneten. Es dauerte nicht lange, da merkte ich warum. Nach ein paar Kilometer war vorerst Schluss. Ein Radfahrer erklärte mir, dass dieses Teilstück erst seit diesem Jahr fertig ist, wahrscheinlich deswegen noch recht unbekannt.

Dann konnte ich wieder meine eigene Strecke über die Dörfer suchen, was nicht mehr so einfach, aber ruhiger und interessanter war.

Als ich weiter nördlich an die Rhone kam, waren die Feiertage und Wochenende vorbei, ich konnte mich wieder an den teilweise neu angelegten Fahrradwege erfreuen. Manche Abschnitte sind noch nicht fertig, aber bald kann man wahrscheinlich von hier bis an das Mittelmeer nur auf Fahrradwegen fahren.

Nicht immer sind die Strecken angenehm, die Dichte der Kernkraftwerke entlang der Rhone ist sehr hoch.
DSC09178Die Bemalung der Kühltürme macht es für mich auch nicht angenehmer.
DSC09180In den idyllischen Abschnitten kann man deren Existenz leicht vergessen und sich an dem Grün der Natur erfreuen, überhaupt wenn jegliche Strassen weit entfernt sind.

Eigentlich dachte ich, ich komme zur Kirschblüte zurück,
DSC09183war dann nicht enttäuscht, dass die Früchte im Rhonetal schon teilweise reif waren. Das erfreut doch immer wieder, wenn man neben dem Baguette,
DSC09187was erfrischendes bekommt.

Am 15. Mai wollte ich in Deutschland sein. Mir war klar, dass es mir zeitlich nicht reichte, überhaupt da ich die Fahrt über die Pyrenäen so sehr genossen hatte und ein paar Schlenker gefahren bin. Die Strecke von Strasbourg, nach Lyon bin ich schon so oft gefahren, dass ich es nicht als Verlust ansah, dieses Mal den Zug zu nehmen.

Allerdings habe ich immer einen grossen Bogen um Lyon gemacht. Diesmal sagte ich mir, jetzt war ich in so vielen Millionen Städte, dass ich ruhig auch in die Innenstadt von Lyon fahren kann.  Dieser Abschnitte fehlt noch total vom Rhonetalradweg und es wird empfohlen den Zug zu nehmen. Schlimmer als Hongkong oder Manilla wird es schon nicht werden, dachte ich. Tatsächlich war es dann auch ein Klacks. Ein netter älterer Radfahrer zeigte mir auf der Karte genau, wie ich fahren muss. Immer schauen, dass man die Rhone neben sich hat, auch wenn teilweise Autobahnen dazwischen sind.

In meiner letzten Nacht wollte ich unbedingt nochmals zelten, meine Freiheit geniessen, fand dann etwas nördlich am Gestade der Saonne ein uneinsichtiges Plätzchen. Normaler Weise schaue ich, dass ich weiter weg von der Bevölkerung bin, das ging hier nicht und ich war zuversichtlich, dass mir jetzt in der letzten Nacht nichts passieren wird. Dem war dann auch so, ich glaube nicht einmal, dass mich jemand gesehen hat und ich konnte es schön in Ruhe geniessen.

Am nächsten Tag trat ich schweren Herzens meine letzte Etappe an. Zuerst zurück nach Lyon auf den Bahnhof.

DSC09197Die Zugfahrt war etwas komplizierter, da die TGVs von Lyon nach Strasbourg keine Fahrräder mitnehmen. So musste ich zweimal umsteigen, was die Rückkehr nach Deutschland um ein paar Stunden wenigstens verzögert.
DSC09199In Strasbourg am Münster dachte ich, schon ein imposantes Gebäude, dafür bin ich aber nicht zurück gekommen. Weiter zum Rhein, auch hier hat sich fahrradmäßig einiges getan, alles viel einfacher als noch vor 20 Jahren.
DSC09203Deutschland schien sich nicht so sehr über meine Rückkehr zu freuen, der Himmel war total schwarz und ich wartete nur darauf, bis es anfängt zu regnen. Das erleichterte meine Heimkehr auch nicht besonders.

Jetzt umdrehen wäre ja auch blöd, dachte ich und machte mich auf die „Passerelle des Deux Rives“, die Fahrrad und Fußgängerbrücke, die seit der Landesgartenschau die zwei Rheinufer miteinander verbindet.

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Auf der Brücke sah ich auf der anderen Seite einige Orte, die in mir nette Erinnerungen mit Freunden wach riefen. Bei aller Trauer um meine verlorene Freiheit und Abenteuer, sehe ich jetzt wieder Freunde und Familie. Zuerst besuchte ich Freunde in Kehl, dann kam meine Schwester und holte mich ab.

Sesshaft möchte ich mich momentan noch nicht werden, brauche noch ein paar Wochen um alles nötige zu regeln, mein Fahrrad und Ausrüstung wieder in Ordnung zu bringen und Vorträge vorzubereiten. Mal sehen, was sich sonst noch Interessantes ergibt.

So, das ist jetzt das

Ende 

des Blogs. Zum allerletzten Schluss noch ein paar Fakten:

Dauer: 2 Jahre, 3 Monate, 1 Woche
Länge: 48028km
Platten: keine Ahnung, aber sehr wenige
Unfälle: keine nennenswerten

Weitere Informationen über meine nächsten Vorhaben werden auf meiner Web-Seite „www.dorothee-fleck.com“ bekannt gegeben.

Urlaub in Uruguay

Gleich hinter der Grenze Brasilien / Uruguay, war der Unterschied zwischen den zwei Ländern deutlich zu spüren:
DSC08759Auf einmal war es schön ruhig, leer und kein Verkehr. Es war so richtig entspannend zu fahren.
DSC08764Mit den schönen Plätzen am Strand, fühlte es sich wie Urlaub an.

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Da ich mich um nichts mehr viel kümmern musste, ich hatte noch genug Zeit bis zu meinem Flug, Essen, Wasser, Übernachtungsmöglichkeiten gab es genug, beschloss ich,  in Uruguay Urlaub zu machen. Es gab sowieso zu viele schöne, interessante Sachen, um einfach durch zu brausen.
DSC08773Z.B. die Fortaleza de Santa Teresa, einer der ältesten Bauwerke, die ich in Südamerika gesehen habe. Die Portugiesen begannen schon im 18. Jh mit dem Bau, wurde dann von den Spaniern vollendet. Diese eindrucksvolle Festung befindet sich im Parque National de Santa Teresa
DSC08789der durch die Vielzahl der verschiedenen Baumarten bekannt ist.
DSC08803Vor allem natürlich Palmen.
DSC08811So ruhig wie das Land ist, so entspannt sind die Leute, vor allem in Cabo Polonio, der in den Atlantik ragenden Halbinsel.

DSC08829Die ganze Gegend ist heute Naturschutzgebiet. Obwohl es an kein Strassen- oder Stromnetz angeschlossen ist, gibt es einen Ort, in dem nicht einmal 100 Leute leben. Früher waren es hauptsächlich Fischer, heute wechseln sich kleine Restaurants, Hostels und vor allem Künstlerbuden ab. Die schöne Strände in den Buchten locken einige Touristen her.
DSC08835Um den Leuchtturm tummeln sich die Seelöwen, deren Anzahl weit höher ist als die der Menschen.
DSC08841Je südlicher man kommt, desto mehr nimmt die Bevölkerung zu.
DSC08854Und umso exklusiver wird es. Der erste grössere Ort ist Maldonado mit der vorgelagerten Touristendestination Punta del Este. Diese auf einer Halbinsel gelegene Stadt liegt an der Mündung des Rio de la Plata in den Atlantik. Allerdings ist der Fluss hier so breit, dass man meint es sei schon das Meer. Allerdings merken vor allem die Surfer den Unterschied. Auf der Meerseite ist es weit ruppiger als auf der Flussseite.

DSC08863Der Anblick von Weitem reichte mir. Diese Hochburgen musste ich nicht von Nahem gesehen haben. In Maldonado traf ich Anita und blieb ein paar sehr inspirierende Tage. Sie ist auch passionierte Radreisende und hat ihm Rahmen ihrer Diplomarbeit in Psychologie einen Film über die Freiheit beim Radreisen gemacht. Leider ist dieser Film auf YouTube in Deutschland wegen GEMA Rechten nicht verfügbar!!

Nachdem ich wieder einige meiner Sachen in Ordnung brachte und Anita mir Übernachtungsmöglichkeiten für Montevideo und Buenos Aires besorgt hatte (vielen Dank), ging es weiter Richtung Südwesten. Ich liess mir massig Zeit. Wenn ich wie hier

DSC08871ein schönes Plätzchen am Strand fand, gab es für mich keinen Grund weiter zu fahren. Wie auch schon zu Anfangs bemerkt, ich war ja jetzt quasi im Urlaub.

Auf einmal kamen mir die ersten Horden Radfahrer entgegen. So etwas hatte ich seit China nicht mehr gesehen.
DSC08884Sie kamen aus Chile, Argentinien, Deutschland, Frankreich etc… und waren allen auf dem Weg zur Fussball-WM nach Brasilien.

In Montevideo konnte ich bei Freunden von Anita wohnen. Da Anita ist schon wesentlich jünger als ich, die Jungs sind noch jünger, war aber sehr nett, so konnte ich die grosse Stadt sehr gut ertragen. Obwohl ja 1,5 Millionen Einwohner für eine Hauptstadt des Landes nicht gerade gross ist.
DSC08897Um den Plaza Independencia gruppieren sich die alten Gebäude,
DSC08898wie hier das Palacia Salvo. Erstaunlich wie hoch die sind. Dieses war mal das höchste Gebäude Südamerika (105m), es wurde Anfang des 20.Jh fertig gestellt. Mitten auf dem Platz befindet sich das Mausoleum des Artigas, dem uruguayischen Freiheitskämpfer. Ich konnte nicht glauben, dass man da wirklich die sterblichen Überreste sieht. Also musste ich hin, war dann einerseits beruhigt, andererseits enttäuscht, dass da nur eine grosse Urne stand, die von zwei Soldaten bewacht wurde. DSC08918Schlendert man durch die Nebengassen stösst man immer wieder auf Plätze und Kirchen. Die Stadt hat wirklich einiges zu bieten.

Auf dem Weg nach Colonia del Sacramento traf ich wieder auf ein paar Radfahrern auf dem Weg nach Brasilien. Dieser hatte was patentverdächtiges auf dem Kopf,
DSC08929ein Helm mit einem Solarladegerät, Marke Eigenbau. Näher kann das Gerät der Sonne nicht kommen. Leider ist das Gerät auch in dieser Position nicht leistungsfähig genug.

Ende des 19. Jh. kamen viele Europäer nach Uruguay, auch Schweizer, die Nuevo Helvetica gegründet hatten.
DSC08933Diese Kolonie ist mittlerweile zu einer kleinen Stadt heran gewachsen.
DSC08939Der Bezug zum europäischen Heimatland ist noch klar ersichtlich.

Noch ein Stückchen weiter im Westen ist das kleine, Weltkulturerbe-Städtchen Colonia del Sacramento.

DSC08963Es wurde schon Ende des 17.Jh von den Portugiesen gegründet, als Festung gegen die Spanier auf der anderen Seite des Rio de la Plata in Argentinien. Es war Jahrhunderte mitten im Feuergefecht zwischen Spanien und Portugal, bis es 1995 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
DSC08969Jetzt wird es nur noch von Touristen bestürmt. DSC08974Auch ausserhalb der Altstadt ist es sehr malerischDSC08953wie die Häuserwand der Bibliothek, mein Fahrrad ist kaum zu entdecken.
DSC08950Dafür die anderen Mietfahrräder.
DSC08952Eigentlich sehr brauchbar und praktisch, nur macht das Kopfsteinpflaster, das teilweise aus der Zeit der Portugiesen stammt, etwas Mühe.

Das war fast der Abschluss meiner Südamerikarundreise. Mit der Fähre ging es über den Rio de la Plata direkt nach Buenos Aires. Diese fast 10-mal so grosse Stadt wie Montevideo war wesentlich anstrengender. Die Innenstadt mied ich so weit ich konnte. Nur Nachts mit meinem jungen Gastgeber durch die Gassen fahren war ein Genuss.

Ich war froh, als das Flugzeug mich ein paar Tage später aus der Stadt holte, allerdings hielt die Freude sich in Grenzen, wieder nach Europa zu fliegen.

In den 6 1/2 Monaten in Südamerika bin ich ungefähr 14000km gefahren.